Was bleibt?
Auf ein Wort
Was bleibt?
Von Burkhard Budde
Auf ein Wort
Was bleibt?
Was hat das letzte Wort im Alltag? Das Negative?
Das Karussell der Gerüchteverbreiter, das sich immer schneller dreht und immer schwindeliger macht? Die Giftpfeile der Gehässigen, vor denen man besser in Deckung geht?
Das Maskenspiel der Heuchler, weil Sein und Schein nicht mehr zu unterscheiden sind und die persönliche Verantwortung verschwimmt?
Oder sind es moralisierende Zeigefinger, autoritäre Fäuste, gespaltene Zungen, Scheren im Kopf, ideologische Scheuklappen, die Angst und Schrecken sowie Ohnmachtsgefühle und Empörung im Alltag verbreiten, weil sie die erste Geige im Alltag spielen (wollen)?
Bleiben nur Schweigen, Gleichgültigkeit oder Kniefälle?
Ein Mensch hatte noch eine andere Idee. Zu ihm kam eine Person, die ihm „schlimme Dinge“ über einen Mitmenschen erzählen wollte. Er sei ein unmöglicher Mensch und könne vergessen werden. Schmunzelnd, aber sichtbar verbittert fügte die Person noch hinzu: „Wenn du dem falschen Fünfziger die Hand gibst, dann fehlt dir anschließend ein Finger.“ Konkreter wurde er nicht.
Da antwortete die angesprochene Person: „Woher weißt du das? Kennst du die Prüfsteine, mit denen man „Gerede“ von einer „Rede“ unterscheiden lernt?“
Der Erzähler „schlimmer Dinge“ staunte über diese Reaktion, hörte jedoch aufmerksam zu.
„Hast du die Quelle kritisch geprüft?“
Wenn einem das Thema als sehr wichtig erscheint, sollte man sich nicht aufs Glatteis der Empörung begeben, sondern die Quellen befragen, ob sie glaubwürdig, zuverlässig und unabhängig sein können. Wer hat was, wann, unter welchen Umständen und warum erzählt?
„Hast du versucht, ein direktes Gespräch zu führen?“
Der beste Ort der eigenen Meinungsbildung ist nicht die vorgehaltene oder zweite Hand, sondern die erste Hand. Die andere Seite kann im direkten Gespräch Missverständnisse aufklären, überraschende Erklärungen geben oder auch die Hand zum vorurteilsfreien Gespräch reichen. Ein fairer und verstehender Blick mit gemeinsamen und neuen Perspektiven wird möglich.
„Hast du an die Grundhaltung der Verhältnismäßigkeit gedacht?“
Übertriebenes und destruktives Gerede, dass sich selbst erhöht, um andere zu erniedrigen, dass zu manipulieren versucht, ohne Person und Sache zu unterscheiden, dass nach Applaus und Anerkennung schielt, ohne mögliche andere Sichtweisen zuzulassen, ist wie ein Schießen mit Kanonen auf Spatzen. Es schadet auch dem polarisierenden Erzähler von Pauschalurteilen. Er hat Maß und Mitte verloren und verschließt Türen eines gemeinsamen Miteinanders.
„Hast du an den eigentlichen Nutznießer gedacht?“
Ein destruktives Gerede kann gedankenlos daherkommen – ohne böse Absichten, aber mit möglichen schlimmen Folgen. Doch besondere Vorsicht ist geboten, wenn eine Intrige gesponnen wird, eine Instrumentalisierung für eigene Zwecke beabsichtigt ist oder ein bewusstes Täuschungsmanöver geschieht, um von sich selbst abzulenken und einen Sündenbock zu finden.
Doch es gibt bleibende Rückwege aus der Sackgasse des „Geredes“. Wenn aus einem „Was bleibt“ ein „Wer bleibt“ wird. Wenn Menschen einer offenen und ehrlichen Gesprächs- und Verantwortungskultur eine Chance geben. Wenn alles vorläufig, menschlich und beweglich bleibt. Und Gott bei allen Kontroversen das letzte Wort behält.
Burkhard Budde




