Jung und alt
Auf ein Wort
Jüngere und Ältere sind willkommen
Von Burkhard Budde
Auf ein Wort
Alt und Jung sind willkommen
Ältere Menschen gehören nicht auf das Abstellgleis der Bedeutungslosigkeit. Sie sollten nicht aussortiert oder gedrängt werden, geräuschlos zu verschwinden – weder im beruflichen noch gesellschaftlichen Leben. Sie sollten in Würde altern dürfen, selbst wenn sie krank und pflegebedürftig geworden sind und nicht in einem Wartesaal Platz nehmen müssen, um auf den letzten Zug ihres Lebens zu warten.
Allerdings ist eine Flucht der Älteren auf die Burg der Unbeweglichen, Besserwisser und Alleskönner auch keine Alternative, um Fortschritte zu ermöglichen und dadurch eine Zukunft für alle zu gewinnen.
Aber wer gehört eigentlich zu den Älteren? Gibt es nicht auch „junge“ Menschen, die sehr „alt“ wirken, weil sie die Zugbrücke ihrer Burg – ihrer Blase und ihres Echoraumes – hochgezogen haben, nicht mehr lernbereit, flexibel und neugierig sind und keinen aktiven Austausch mit Andersdenken suchen? Und ist nicht die Frage von „jung“ und „alt“ eine Sache der persönlichen Deutung und Entwicklung des Betroffenen, der vielfältigen Erwartungen anderer und der unterschiedlichen Lebenserfahrungen von Menschen – unabhängig vom kalendarischen bzw. messbaren Alter?
Und überhaupt: Aktuell liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 81 Jahren; 1871 betrug sie 37 Jahren, was insbesondere an der hohen Säuglingssterblichkeit durch schlechte Hygiene, unsauberes Trinkwasser und fehlende Bildung lag; und im Mittelalter wurde ein Adeliger mit 55 oder 60 Jahren als „alt“ wahrgenommen.
Wenn heute ein Mitmensch im Beruf oder in der Gesellschaft den Eindruck hat, mitten in seiner Blütezeit zu stehen oder dass seine Jugend weicht, muss er keine Ausflüge in die Welt junger Menschen machen, sie weder vergöttlichen noch verteufeln, wohl aber kann er sich klug und weise sowie weitsichtig und kooperativ verhalten:
Ältere und jüngere Menschen müssen zum Beispiel im Beruf keine Gegner oder Konkurrenten sein, die sich gegenseitig bekämpfen oder ignorieren. Sie können sich vielmehr gegenseitig wertschätzen, ergänzen und bereichern, indem sie vertrauensvoll zusammenbleiben und konstruktiv zusammenarbeiten sowie miteinander und voneinander lernen. Im Team kommen dann Erfahrung und Erneuerung zusammen, Ausdauer und neue Perspektiven, ohne Angst haben zu müssen, Macht zu verlieren oder keine Gestaltungsmöglichkeiten zu erhalten. Sowohl Jüngere, die häufig neue Ideen und Energien haben, als auch Ältere, die häufig über einen Überblick und soziale Kontakte verfügen, können ihre jeweiligen Stärken zum Beispiel in ein „gemischtes“ Team im Rahmen einer Gesprächs- und Verantwortungskultur einbringen.
Und warum sollten „alte Hasen“ nicht „Young Professionals“ bzw. Nachwuchskräfte fördern, indem sie ihnen die Teamleitung zutrauen und ermöglichen, wenn sie das Potenzial dazu haben?
Es kann ein großer Gewinn für ein Unternehmen sein, wenn jenseits von Generationenkonflikten und eigenen schlechten Erfahrungen auch jungen Talenten eine Chance zur Verantwortung einer Leitung gegeben wird.
Alter schützt vor Torheit nicht, lautet ein bekanntes Sprichwort. Es gibt in der Tat Rentner, die wider besseren Wissens falsche Entscheidungen fällen und die Folgen nicht bedenken. Aber Jugend schützt auch nicht automatisch vor Torheit. Es gibt junge Menschen, die trotz ihrer vielfältigen Gaben ihre Chancen nicht nutzen. Doch diese negativen Beispiele können nicht verhindern, dass für den Zusammenhalt und zur Fortentwicklung unserer Gesellschaft engagierte und kompetente Menschen gebraucht werden – deshalb Jüngere und Ältere stets willkommen sind, damit mit Hilfe ihrer jeweiligen Persönlichkeit der notwendige Wandel gelingt.
Burkhard Budde




