Zuversicht

Zuversicht

Auf ein Wort

Zuversicht im Leiden

Von Burkhard Budde

Dieses Kunstwerk aus dem Jahr 2000 – der Christuskopf von Gerd Winner aus Liebenburg – hängt über meinem Schreibtisch und inspiriert und tröstet mich immer wieder neu. Der Entwurf stammt von Gerd Winners Ingemar Reuter, die 1989 tödlich verunglückt ist; als Vorlage diente ihr das Altarkreuz des italienischen Malers Giotto aus Rimini, der 1373 in Florenz starb.

Zu meinem 50. Geburstag schenkte mir Gerd Winner dieses Kunstwerk.

 

Auf ein Wort

Zuversicht im Leiden 

Gibt es Gefängnisse ohne sichtbare Mauern? Auch ohne sichtbare Türen, die sich nicht oder nur schwer öffnen lassen? „Ich fühle mich wie eingesperrt. Eine unsichtbare Mauer versperrt mir den Weg zu hoffen“, klagt eine Frau, die plötzlich schwer erkrankte. „Ich weiß nicht“, seufzt sie, „wie es weitergeht.“ Und sie sehne sich doch so sehr danach, wieder gesund zu werden.

Ratschläge wie „Kopf hoch, es wird schon werden“ wirken auf viele schwer erkrankte Menschen wie gut gemeinte Schläge, die die Seele verletzen. Fromme Sprüche wie „Gott kennt den Sinn“, die auch gut gemeint sind, scheinen persönliches Leiden nicht so richtig wahr- und ernst zu nehmen, ja sogar eine kranke Person zu verletzen.

Wer sich als schwer kranker Mensch wie ein unfreier Gefangener seines Leidens fühlt, belastet, bedroht, bedrängt sowie erschöpft und kraftlos ist, braucht wohl die Erfahrung menschlicher Annahme, ein verständnisvolles Mitgefühl und eine unterstützende Gemeinschaft sowie helfende Begleitung – von empathischen, kompetenten und engagierten Fachleuten, aber auch von Angehörigen, Freunden und Ehrenamtlichen.

Die Frau, die wieder gesund wurde, berichtet später, dass sie in ihrem engen Gefängnis der Angst und Sorgen erst zaghaft, dann immer heftiger gegen die innere Zellenwand geklopft habe: „Hört mir denn keiner richtig zur?! Versteht mich denn wirklich keiner?! Hilft mir denn keiner in meinem Gefängnis?!“ Selbst der Ruf nach Gott sei ihr wichtig geworden: „Wo bist du?!“ „Schläfst du?!“ „Bist du machtlos und herzlos?!“ Erst als sie aufgehört hatte, laut gegen die Wand zu klopfen, habe sie angefangen, die Hilfe anderen Menschen anzunehmen und zu würdigen sowie über die Gottesfrage neu nachzudenken.

Sie ist zu erstaunlichen Überlegungen gekommen: Die Zellenwand eines Gefängnisses, die Menschen, aber auch Gott und Menschen voneinander trennt, verbindet zugleich. Und sollte der barmherzige Gott Un-Sinn verzapfen, sein hilfloses Geschöpf in ein Gefängnis werfen und zugleich befreien?

Schließlich: Sollte nicht der Schöpfer, der die Tür zum Diesseits öffnet, nicht auch die Tür zum Jenseits öffnen können? So dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern die unsichtbare Gemeinschaft mit Gott, die im Glauben im Gefängnis beginnt und im Tod bleibt, weil Gott der Türöffner neuen, gemeinsamen Lebens ist?!

Die Frau – wie sie weiter berichtet – hört von außen ein leises Klopfen an der Wand ihres Herzens, als sie sich mit der Leidensgeschichte Jesu beschäftigt. Der verachtete, verspottete, gefolterte Jesus betete vor seinem Sterben „Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist.“ Blutüberströmt und schmerzverzerrt hatte er sein Leiden nicht zur Schau gestellt, allerdings auch nicht in sich hineingefressen. Er erhielt auf seine „Warum-Fragen“ keine Antworten oder Erklärungen. Aber er versuchte, das nicht zu ändernde Leid – sein Gefängnis des Leidens – vertrauensvoll anzunehmen. Und er gewann die Gewissheit, im Sterben nicht allein zu sein, auf Sinn in der Sinnlosigkeit zu hoffen, trotz Ohnmachtserfahrung auf die schöpferische und befreiende Macht Gottes – seines Vaters – dennoch und trotz allem zu vertrauen.

Die Frau sucht in der Stille den Schlüssel, um im Gefängnis ihrer Ängste und Sorgen eine Tür ins Freie, in den Horizont der Gelassenheit und Besonnenheit, zu finden. Und entdeckt den Schlüssel zu dieser Tür im Glauben an Jesus Christis, im begründeten Gottvertrauen, in dem Kraft und Zuversicht in ihr selbst wachsen. Und in ihrem Fall auch Genesung – ein kostbares Geschenk erneuerten und befreiten Lebens.

Burkhard Budde

Persönlichkeiten

Persönlichkeiten

Auf ein Wort

Respektlose Persönlichkeiten

Von Burkhard Budde

„Nec aspera terrent“ („Ich fürchte keine Widrigkeiten“). Wahlspruch der Welfen.

Auf ein Wort

Respektlose Persönlichkeiten

Sind sie schon einmal einem Narzissten begegnet? Vielleicht, aber was ist überhaupt ein Narzisst? Ein Mensch, der extrem selbstbezogen und übertrieben selbstverliebt sowie ständig anerkannt und von allen bewundert werden will, wird von Psychologen als Narzisst bezeichnet. Er ist schnell gekränkt und beleidigt, wenn man seine Qualitäten in Frage stellt, da er davon überzeugt ist, etwas Besseres zu sein und andere sowieso keine Ahnung hätten. Ob er zu wenig Zuwendung in seiner Kindheit erfahren hat, unter fehlendem Selbstbewusstsein leidet, und sich deshalb unsozial verhält und nur noch Feinde oder Freunde kennt?

Und wie ist es mit einem Psychopathen? Vielleicht ist uns schon einmal ein Psychopath begegnet, aber wir haben es nicht bemerkt. Er kann nämlich, so Psychologen, Gefühle zeigen und sehr charmant sein, aber er hat keine echten Gefühle oder nur wenig Mitgefühl für andere. Er kann Stärke zeigen, aber selbst schwach sein. Auch er teilt Menschen auf – in Gute, die auf seiner Seite stehen und die er für seine Interessen braucht und in Böse, die er ablehnt, weil sie ihn kritisch sehen.

Häufig geht er – bildlich gesprochen – über Leichen und schadet bewusst anderen Menschen, um seine Ziele zu erreichen. Manchmal entpuppt er sich auch als ein Meister der Manipulation, indem er einen Mitmenschen lobt und bewundert, um sein Vertrauen zu gewinnen; dann jedoch bei ihm Zweifel sät, ihn kritisiert, ihn für alles Mögliche verantwortlich macht und Halbwahrheiten über ihn verbreitet.

Mir ist darüber hinaus in meinem Studium Nicolo Machiavelli begegnet. Der italienische Diplomat aus der Zeit der Renaissance hat 1513 das politische Werk „Il Principe“ (deutsch „Der Fürst“) geschrieben: Ein „guter Fürst“ müsse sowohl Löwe als auch Fuchs, sowohl stark und mächtig als auch listig und klug sein, um Wölfe vertreiben und Fallen erkennen zu können, damit er entschlossen und mutig seine Macht erhalte.

Ein Schauer lief über meinen Rücken, als ich sein Werk genauer las: Zum Machterhalt gehöre es, fromm, gerecht und ehrlich zu wirken, aber nicht unbedingt zu sein. Versprechen dürften gebrochen werden, wenn sie den eigenen Interessen entgegenstünden. Stets komme es auf den Schein an, auf das Image und die Inszenierung. Ein „guter Fürst“ sollte zwar nicht verhasst sein, aber lieber gefürchtet als geliebt. Also sollte er stets ein (intrigantes) Spiel mit gezinkten Karten spielen?!

Manchem Leser wird es wie Schuppen von den Augen fallen: Auch heute noch gibt es Macht- und Dominanzgehabe, panische Angst vor Machtverlust, schlimmer noch gierige Macht mit eigenen Regeln ohne einen ethischen Kompass der Freiheit und Verantwortung, auch politische Verführung durch emotionale Kälte, gespielte Härte oder Wärme, Entmenschlichung durch Entwürdigung oder Heuchelei.

Autoritäres Verhalten – extremer Druck durch Abgrenzung, Hierarchie und Macht –  taucht überall in Politik, Gesellschaft und im Beruf auf. Manchmal können narzisstische und psychopathische Elemente in einer (Führungs-) Person mit der Neigung zu cholerischen Ausbrüchen entdeckt werden.

Doch auf Dauer kann keine Gemeinschaft, aber auch keine liberale Gesellschaft zusammengehalten werden, wenn es keine klaren Wegweiser, keinen gegenseitigen Respekt sowie die verbindliche Übereinkunft, Wege auf einem Fundament gemeinsamer Werte und Normen zu gehen, gibt, um begründetes Vertrauen im Blick auf die Zukunft zu schaffen, zu erhalten oder zu erneuern.

Und wer Worte Jesu  „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ „Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener.“ ernstnimmt, dem öffnen nicht autoritäre Scheinfürsten, die bevormunden, sondern demokratische Führer, die dem Gemeinwohl dienen, neue Räume gemeinsamen und vielfältigen Glücks. 

Burkhard Budde

Lebenszeit

Lebenszeit

Auf ein Wort

Kostbare Lebenszeit

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Kostbare Lebenszeit 

Ist die Lebenszeit ein kostbares Geschenk?

Jeder erlebt seine Lebensspanne anders – ihre Einmaligkeit und Endlichkeit, ihre Verletzlichkeit und Unvorhersehbarkeit. Doch keiner sollte sich täuschen (lassen) – beispielsweise auch nicht ein roter Zar, ein selbstverliebter Fürst, ein brutaler Diktator oder ein theokratischer Machthaber. Die Lebenszeit aller wird unaufhaltsam weniger und kann von keinem Menschen vermehrt werden. Und kein Mensch ist ein unverwundbarer Titan.

Alles hat auch seine Zeit. Die Macht der (Über-) Mächtigen kann wie Schnee in der Sonne schmelzen. Oder auch abrupt enden. Die Macht der Ohnmächtigen und Hilflosen kann wie eine Distel zwischen Steinen wachsen. Und Kampfesgeist signalisieren. Doch für alle und alles gilt: Das Leben ist wie ein Weg über eine dünne und brüchige Eisdecke. Sie kann zu jeder Zeit und an jedem Ort – z.B. durch eine schlimme Erkrankung – einbrechen. Und wer älter wird, erlebt, wie Risse und das Knacken der Eisoberfläche sichtbarer und hörbarer werden. Und sich tragende Eisschichten plötzlich in Eislöcher verwandeln können.

Dennoch muss kein Mensch ständig in panischer Angst leben. Furcht ist zwar ein Signal, das vor Gefahren auf dem Lebensweg warnt und schützt, kann aber auch zu einem schleichenden Gift werden, das in jede Nische der Seele kriecht, sich einnistet und einen Menschen lähmt.

Ein Mensch kann im Auf und Ab seines Lebens, angesichts der Mischung von Freud und Leid, im Wechselspiel von Gewohntem und Überraschendem seine Lebenszeit bewusst zu gestalten versuchen:

Indem er sich zum Beispiel von Zeitdieben und Zeitverschwendern, von Giftmischern und Heckenschützen fernhält und dadurch mehr geteilte und erfüllte Zeit mit „lieben Menschen“ sowie für Wahres, Gutes und Schönes gewinnt.

Indem er sich in chaotischen Zeiten, in denen ein eiskalter Wind gieriger Kraftmeierei, naiver Schwärmerei, gezielter Angstmacherei, gleichgültiger Hartherzigkeit oder verführerischer Heuchelei herrscht, für Aufklärung und Vernunft sowie Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einsetzt.

Indem er in der Zeit einer Krise – in der Spannung von Angst und Hoffnung, Anfang und Ende – die Gelegenheit beim Schopfe greift, innere Freiheit und äußere Gelassenheit gewinnt, Wichtiges vom Unwichtigen, echte von falschen Freunden zu unterscheiden sowie Dankbarkeit und Besonnenheit neu zu würdigen lernt.

Indem er im Strom der Zeit keinen Kreislauf oder eine Wiederkehr des Immergleichen erfährt, sondern einen erneuerten Raum gemeinsamen Lebens in Würde, Freiheit und Verantwortung, Vielfalt und Toleranz entdeckt.

Kein Mensch lebt ewig. Und dennoch geht kein Mensch verloren. Das kann das Gleichnis einer Sanduhr verdeutlichen: Im Durchlass, der beide Kolben miteinander verbindet, geht kein Sandkorn verloren. Doch ist ein Mensch nicht mehr als ein Sandkorn? Ist er nicht als ein geliebtes Samenkorn geschaffen worden, das in seinem zeitlich begrenzten Leben wachsen, Verantwortung übernehmen und Frucht bringen soll, aber in der Ewigkeit letzte Geborgenheit und unverlierbare Gemeinschaft mit Gott erfährt? Dessen Lebenszeit nicht im Nichts, sondern im liebenden Neusein endet?

Und wenn die innere Lebensuhr noch so laut oder noch so leise oder noch so unaufhörlich tickt – das Leben bleibt in der verbliebenen Zeit eine wunderbare Gabe und wertvolle Aufgabe.

Burkhard Budde

Einsamkeit

Einsamkeit

Auf ein Wort

Kampf gegen Einsamkeit

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Kampf gegen Einsamkeit 

Ist der Spruch nur eine humorvolle Provokation? Oder bitterer Spott? „Wer einsam ist, der hat es gut, weil keiner da ist, der ihm was tut“, zitiert eine ältere Dame den Spruch von Wilhelm Busch, einem „Klassiker des deutschen Humors“ aus dem 19. Jahrhundert. Die Frau lebt allein in ihrem Haus, beteuert aber, dass sie sich nicht einsam fühlt. In ihrem Fall hätte Wilhelm Busch lieber von „Alleinsein“ statt von „Einsamkeit“ sprechen sollen.

Denn Alleinsein bedeutet nicht automatisch Einsamkeit. Die Frau – siehe oben – genießt ihr Alleinsein, indem sie ungestört ein Buch liest, sich in einer anderen Welt bewegt, die mit ihrer Welt verschmilzt. Oder der Wanderer im Wald, der bewusst allein unterwegs ist, um sich mit allen Sinnen konzentrieren zu können, das Rauschen des Windes in den Bäumen, das Vogelgezwitscher und das Knirschens unter den Schuhen zu hören.

Doch viele Mitmenschen, die allein leben, sind zugleich einsam. Weil zum Beispiel der Partner oder ein Freund gestorben und der Alleinlebende sozusagen „übriggeblieben“ ist. Oder eine langjährige Beziehung in die Brüche ging. Häufig ist die Erfahrung von Einsamkeit ein schleichender Prozess, besonders wenn jemand krank und pflegebedürftig geworden ist.

Selbst einem gesunden Kontaktfreudigen jedoch fehlen nach dem Ende eines engagierten Berufslebens nicht selten „Kontakte“, weil es „keine Zeit“ gab, rechtzeitig ein engmaschiges und tragendes Netz von Mitmenschen jenseits des Berufsalltags zu knüpfen. Und die eigene Familie mangels Kinderzahl oder Entfremdung bzw. Funkstille keine Zufluchtsstätte mehr bietet.

Ein Einsamer – ob er die Einsamkeit nun aufgezwungen bekommen, selbst verschuldet oder selbst gewählt hat – kann jedoch auch seine Einsamkeit in der Zweisamkeit erleben, in einer Gemeinschaft, Gruppe oder auch Institution und am Arbeitsplatz. Überall, immer wieder, ungebeten und überraschend kann das Gespenst der Einsamkeit auftauchen: „Keiner will mich verstehen“. „Keiner interessiert sich für mich.“ „Keiner achtet und liebt mich“, klagt ein Einsamer, der sich immer mehr zurückzieht und deshalb immer tiefer in ein leeres Loch der Traurigkeit, Resignation und Bitternis fällt, neidisch auf andere wird und über den Sinn seines Lebens ängstlich grübelt.

Aber die tiefe Sehnsucht nach Nähe, Zuwendung und Wertschätzung bleibt. Zum Glück gibt es hilfreiche Kräfte, die das Gespenst der Einsamkeit entlarven und den Einsamen aus seinem Loch herausziehen können: Zum Beispiel durch den Besuch sozialer und kirchlicher Treffpunkte oder durch die Angebote von Vereinen, Mehrgenerationenhäuser, Selbsthilfegruppen, Nachbarschaftsnetzwerke und vieles mehr. Wer beispielsweise einen Kochkurs oder einen anderen Kurs mitmacht, findet schnell Gesprächspartner – und mögliche neue Freunde. Kleine Einsamkeitsvertreiber sind Briefe oder E-Mails, Telefongespräche, Besuche, Verabredungen und Einladungen.

Allerdings muss der Einsame auch offen sein für Neues, zum Beispiel seine Sturheit, seine Ordnungssucht und Geiz, seine Besserwisserei, und Überheblichkeit, vor allem sein Selbstmitleid überwinden. Und den ersten Schritt wagen. Um neue Welten mit neuen Welten zu erleben.

Burkhard Budde

Gegen Judenhass

Gegen Judenhass

75 Jahre Zentralrat der Juden

Gegen Judenhass

Von Burkhard Budde

 

Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Oberbürgermeister: „Widerstand gegen Antisemitismus“ 

Die Realität dürfe nicht verleugnet werden, sagte Dr. Josef Schuster, der Antisemitismus habe bereits seinen Platz in der Gesellschaft genommen. Und „seit dem 7. Oktober spüren wir einen explosionsartigen Anstieg des Antisemitismus, berichtete der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „MIT EIGENER STIMME 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland“ am 22. Februar 2026 im Staatstheater Braunschweig.

Antisemitismus sei eine „Brückenideologie“: Rechtsextreme, Linksextreme und Islamisten seien alle Feinde der Demokratie. Der Einsatz für Anstand und demokratische Kultur ließe sich jedoch nicht politisch verordnen. Josef Schuster: „Es kommt auf jeden Einzelnen an.“ 

Zuvor hatte Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum die Ausstellung eröffnet, die unterschiedliche Facetten jüdischen Lebens in Deutschland abbildet, das vielfältige Engagement jüdischer Institutionen zeigt sowie die Geschichte und das Wirken des Antisemitismus verdeutlicht. Der OB der „City of Lions“ forderte zum Widerstand gegen Antisemitismus auf, damit Juden „sicher, sichtbar und respektiert in Deutschland leben können. 

Maria-Rosa Berghahn, die Direktorin Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, setzte sich in ihrer Rede für die Demokratie als Wertversprechen ein. Demokratie brauche Erinnerung „und Erinnerung braucht Institutionen, die sie tragen.“ Und Demokratie beginne dort“, wo wir Verantwortung übernehmen“, so Maria- Rosa Berghahn. 

Weitere Reden gab es von Maria Bering, Ständige Vertretung des Leitenden Beamten bei dem Beauftragte der Bunderegierung für Kultur und Medien, Dr. Kai-Michael Sprenger, Direktor Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte, Dr. Peter Joch, Direktor Städtisches Museum Braunschweig, Fedor Besseler, Kurator der Ausstellung. 

Den musikalischen Rahmen gestaltete Diana Goldberg & Band. 

Die Ausstellung – bis zum 20. September 2026 –  befindet sich im Haus am Löwenwall, Steintorwall 14.

Dr. Thorsten Kornblum, Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig

Den musikalischen Rahmen gestaltete Diana Goldberg mit ihrer Band

Eid

Eid

Auf ein Wort

„So wahr mir Gott helfe.“

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

„So wahr mir Gott helfe.“ 

Sind staatliche Eide mit religiöser Beteuerung in säkularen Staaten nur leere Symbolik, schöne Verzierung oder ein alter Zopf, auf den man verzichten sollte?

Ein Politiker in den USA leistete kürzlich sogar seinen Amtseid auf den Koran. Und bei der Amtseinführung des US-Präsidenten Anfang letzten Jahres hielt seine Frau zwei Bibeln, als ihr Mann den Amtseid sprach.

In Deutschland spielen bei Amtseiden Bibel oder Koran keine Rolle. Und eine religiöse Zusatzformel ist freiwillig. Im Grundgesetz heißt es im Artikel 56: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“ Der folgende Satz des Grundgesetzes betont die Freiwilligkeit: „Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden.“

Dennoch gibt es viele Politiker, die auf den Gottesbezug nicht verzichten. Warum? Wollen sie religiösen Menschen oder Gruppen gefallen? Die Tür für religiöse Einflussnahme auf die Politik wenigstens einen Spalt öffnen? Oder gar ankündigen, dass sie Religion als politische Waffe einsetzen werden, um ihre Ziele zu erreichen?

Es gibt jedoch noch andere mögliche Überlegungen und Haltungen:

Die Macht, die einem Politiker auf Zeit verliehen wird, ist weder der Gipfel der Gottlosigkeit noch ein menschliches Spiel im gottfreien Raum. Die demokratisch legitimierte Macht, im Rahmen von Recht und Gesetz auf der Grundlage des Grundgesetzes zu gestalten, zu kontrollieren und zu schützen, ist eine zu verantwortende Macht. Und für einen an Gott glaubenden Menschen ist Gott die letzte Verantwortungsinstanz, dem er Rede und Antwort für sein Tun und Lassen zu geben hat. Die Nennung „Gott“ muss einen Politiker nicht belasten, sondern kann ihn entlasten, nicht selbst Gott spielen oder perfekt und unfehlbar sein zu müssen. Der Gottesglaube, ist keine moralische Bürde oder bevormundende Bremse, sondern eine persönliche Horizonterweiterung mit geistlichem Tiefgang sowie eine Quelle menschlicher Kraft und bewegender Zuversicht zur Erneuerung und zu neuen Handlungsspielräumen.

Ein selbstverliebter und selbstgerechter Fürst mit Heiligenschein und im demokratischen Gewand kennt nur sich, seine Macht und seine Allmachtsphantasien. Er kennt keine Demut vor einem Gott, der allen Menschen eine unantastbare, unteilbare und unverlierbare Würde geschenkt hat, die mutig macht, die Freiheit zum politischen Dienst in aller Vorläufigkeit wahrzunehmen, aber im Letzten geistig-geistlich verwurzelt und dankbar bleibt.

Wir leben in Deutschland in einem säkularen Staat, der zwar weltanschaulich neutral und überparteilich ist, aber nicht wertneutral oder geschichtsneutral. Wer die religiöse Beteuerung spricht, betont den Geist der Präambel des Grundgesetzes „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Der Vorrang des Säkularen, des Aufgeklärten und der Vernunft verhindert einen Gottesstaat, aber er ermöglicht auch einen Staat mit Religionsfreiheit und Religionsvielfalt, mit christlichen Werten und Prägungen, mit einem rechtlich geregelten Zusammenspiel von Staat und Kirche bzw. Religion.

Jeder Politiker hat es selbst in der Hand, ob er religiöse Wurzeln und Aussagen vergisst, ignoriert, bekämpft oder missbraucht. Aber er kann Wurzeln, die eine ethische und spirituelle Energiezufuhr bedeuten, auch pflegen oder sich zu ihnen zeichenhaft bekennen, indem er mit der Aussage „So wahr mir Gott helfe“ mit Gott rechnet – mit dem Wirken Gottes durch den Geist der Freiheit und Humanität, der Gerechtigkeit und Verantwortung.

Burkhard Budde