Klugheit

Klugheit

Auf ein Wort

Suche gute Tugend: KLugheit

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Suche gute Tugend: Klugheit 

Ist die alte Tugend Klugheit heute noch alltags- und lebenstauglich? Oder verdrängen die Neunmalklugen, die Eitlen und Spitzfindigen, die Hochnäsigen und Besserwisser, die sich alle selbst für klug halten, die Umsichtigen und Vorausschauenden?

Haben die Gierigen das Sagen, die das Salzwasser der Macht und der Interessen, des Geldes und des Ruhms trinken und immer durstiger werden?

Die Geizigen, die den Gürtel der Pfennigfuchserei immer enger schnallen und auf ihre übertriebene Kleinigkeit noch stolz sind?

Die Verschwender, die das Geld und zugleich die Vernunft aus dem Fenster des Lebens werfen und sich in ihrer Maßlosigkeit und Gedankenlosigkeit noch sonnen?

Die Verblendeten, die das Wasser des Lebens mit ihrer fanatischen Ideologie vergiften, das sie eines Tages selbst trinken müssen?

Oder die Naiven, die an dem Ast ihres Lebens fleißig sägen, auf dem sie sitzen, indem sie auf Rattenfänger und Populisten hören und ihnen huldigen?

Die alte Tugend der Klugheit weiß jedoch, dass es das dünne Eis der Selbstsucht und den dichten Neben der Selbstüberschätzung gibt – Vergänglichkeit und Schnelllebigkeit, Vorläufigkeit und Gleichzeitigkeit, Fehlerhaftigkeit und Erneuerung sowie eine offene Zukunft mit vielen Unbekannten.

Die gereifte Weisheit der Tugend im Zusammenspiel von Tapferkeit, Mäßigung und Gerechtigkeit bleibt gelassen und besonnen, mutig und entscheidungsfähig. Sie kann auch rechtzeitig wirksame Stacheln zeigen, um Boshaftigkeit und Brutalität abzuschrecken und um nicht angegriffen zu werden.

Wahre Klugheit ist mehr als eine Schlauheit. Sie ist eine zeitlose und lebensnahe Lebenshaltung, die selbst in allen Wirrungen und Irrungen versucht, das Richtige im richtigen Augenblick für die Gegenwart und Zukunft zu tun. Ein kluger Kopf bewahrt einen kühlen Kopf und handelt mit Köpfchen:

Zu schweigen, wenn es Sinn macht und die Not so zu wenden oder auszuhalten ist.

Zu sprechen, wenn Lösungen gesucht werden und überlegte Abwägungen möglich sind.

Zu widersprechen und Grenzen aufzuzeigen, wenn gedroht, erpresst, unterdrückt, getäuscht oder Gewalt ausgeübt wird.

Jesus gibt seinen „Schafen“, die er mitten unter die „Wölfe“ schickt, die Empfehlung mit auf den Weg: „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“ (Mt.10,16) Ich verstehe die Aussage so: Keiner sollte naiv sein oder zum Schlaumeier ohne ethischen Kompass werden. Vielmehr soll zum Lebensprogramm der Klugheit gehören, vorsichtig, umsichtig und weitsichtig zu sein sowie gleichzeitig aufrichtig zu bleiben, sich nicht um jeden Preis zu verbiegen.

Und die Erfahrung lehrt: Die Törichten behaupten „Es gibt keinen Gott. Wir benötigen ihn nicht. Er stört nur.“ Die Klugen aber erleben, dass Gott im Regimente sitzt und das letzte Wort hat, indem er mit dem befreienden und versöhnenden Geist der Klugheit schon heute in einem und durch einen Menschen wirkt.

Burkhard Budde

Mäßigung

Mäßigung

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Suche gute Tugend: Mäßigung

Von Burkhard Budde

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Suche gute Tugend: Mäßigung 

Ist die alte Tugend Mäßigung heute noch alltags- und lebenstauglich? Oder haben die Maßlosen das Sagen? Möglichst alles erleben und sehen, alles genießen und konsumieren, auch wenn – oder gerade weil – die Lebenszeit begrenzt, vergänglich und zerbrechlich ist und man nicht an ein neues Leben nach dem Tod glaubt? Möglichst – zum Beispiel bei Erbstreitereien – den Hals nicht voll genug bekommen und jeden Cent aufrechnen? Möglichst – bei Nachbarschaftskonflikten – mit Kanonen auf Spatzen schießen und Öl ins Feuer der Gefühle gießen? Möglichst – im politischen Geschäft – keinen Millimeter von Maximalforderungen abweichen und mit dem Kopf durch die Wand gehen wollen? Möglichst – im Berufsleben – sich selbst durch Intrigen und Fake-News ins rechte Licht rücken, andere abwerten, um sich selbst aufzuwerten?

Sind die geltungs-, macht- und profitsüchtigen Maßlosen zum alleinigen Maß aller Dinge geworden?

Viele Beispiele – siehe oben – erinnern an die gefräßige RaupeNimmersatt“, die sich gierig, eitel und hemmungslos durchs Leben frisst.

Maßlosigkeit betrifft jedoch nicht nur die maßlos Hungrigen, die nach immer mehr Haben oder mehr Sein jagen und keine Grenzen, sondern nur ihren Speiseplan und sich selbst kennen. Und auch nicht nur den freundlichen Sparfuchs, der stets auf Schnäppchenjagd ist, nicht teilen und großzügig sein kann. Oder nur den Luxuslöwen, der im Rausch nur exklusive Dinge wahrnimmt und verschwenderisch ist, das Geld verantwortungslos aus dem Fenster wirft.

Ein Leben ohne Maß führt auch der Gleichgültige und Oberflächliche, der sich wie der KoalaBärImmersatt“ – ohne ihm persönlich Unrecht tun zu wollen – selbstgefällig und selbstgenügsam verhält. Was kümmert ihn sein Nächster, seine Mitwelt und Nachwelt? Hauptsache, wohlgenährt und zufrieden sein, seine Ruhe in den eigenen vier Wänden haben, schlafen und fressen können!

Alle, vor allem die Nimmersatten und Immersatten, verweigern die Suche nach der Goldenen Mitte. Sie sind wie Betrunkene, die sich zwar in der Nacht an der Laterne der Klugheit festhalten, aber keine neuen Erkenntnisse, sondern nur Halt suchen, um nicht auf die Nase zu fallen. Ein gieriges und selbstgefälliges Ich ist wie ein durchgehendes Pferd, das keine Rücksicht auf Richtung und Sicherheit des Reiters nimmt. Es muss deshalb vom Reiter gezügelt werden – durch die Gegenkraft der Mäßigung, mit Hilfe empathischer, aber eindeutiger Führung in Würde und Vernunft. Die negativen Kräfte – ungezügelte Instinkte und Triebe, Bedürfnisse und Interessen – sollten nicht unterschätzt oder negiert, sondern in die richtige Richtung gelenkt werden:

Wer maßvoll und kritisch argumentiert, nicht pauschaliert oder dämonisiert, erreicht mehr als zum Beispiel ein Übermaß an Übertreibungen, das verdächtigt macht, Misstrauen weckt und die Glaubwürdigkeit auf Dauer zerstört. Alle Mittel helfen nichts, wenn die Mitte fehlt, die es sich leisten kann, auf nachvollziehbare Fakten und überzeugende Argumente zu hören sowie sachlich und differenziert abzuwägen und tragfähige Kompromisse zu suchen– wie ein freies und souveränes Ich, dass zugleich Tapferkeit, Klugheit und Gerechtigkeit mit der Tugend der Mäßigung verbindet.

Burkhard Budde

Tapferkeit

Tapferkeit

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Suche gute Tugend: Tapferkeit

Von Burkhard Budde

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Suche gute Tugend: Tapferkeit 

Ist die alte Tugend der Tapferkeit heute noch alltags- und lebenstauglich? 

Ist es tapfer, mit den Wölfen zu heulen? Oder nur Feigheit? Die Kohlen aus dem Feuer zu holen? Oder nur Dummheit? Den Kopf in den Sand zu stecken? Oder nur Gleichgültigkeit? Aus sicherer Entfernung die Tugend der Tapferkeit zu fordern? Oder nur Heuchelei? Mit den Engeln zu singen, aber keine Verantwortung zu übernehmen? 

In jedem Fall brauchen zivilisierte Gesellschaften und wehrhafte Demokratien wahrhaft tapfere Menschen, die weder katzbuckeln noch kopflos sind, auch nicht die Hände in den Schoß legen oder sich nur raffiniert tarnen: 

Zum Beispiel Soldaten, die gegen einen brutalen Aggressor für die Souveränität ihres Landes kämpfen. Polizisten, die sich für Recht und Ordnung sowie den öffentlichen Frieden einsetzen. Vertreter freier Medien und einer unabhängigen Justiz, die Vetternwirtschaft – Bevorzugung von „Vettern“ ohne Qualifikation für eine Aufgabe – , Klientelismus – gegenseitige Abhängigkeit in einem Netzwerk zu Lasten anderer – , Korruption – Ämtermissbrauch zum eigenen Vorteil – aufdecken und vor Gericht bringen. Bürger, die Zivilcourage zeigen, indem sie sich gegen Ausgrenzung und Benachteiligung, Judenhass und Feindschaft engagieren, aber auch für die Meinungsfreiheit Andersdenkender eintreten, die anders denken als sie selbst. 

Und vergessen wir nicht die tapferen Helden des Alltags, die das Tal der Tränen und Schmerzen, der Krisen und Konflikte im eigenen Umfeld als Herausforderung annehmen oder ihrem Nächsten aufopferungsvoll helfen. Oder dem Neid, der Bosheit, der üblen Nachrede sowie der Ungerechtigkeit die rote Karte zeigen.   

All diese tapferen Mitmenschen sind keine Exoten, sondern vorbildliche Ritter der Freiheit zur Liebe in persönlicher Verantwortung. Sie haben eine innere Stärke, weil sie ihren Nächsten, ihr Land und ihre Demokratie mit einem menschlichen und sozialen Gesicht  lieben. Sie zeigen Rückgrat und Haltung, indem sie in einer konkreten Situation sowohl konflikt- als auch kompromissfähig sind. 

Ein tapferes Leben beginnt mit dem Mut, den ersten Schritt zu wagen, auch wenn auf dem Weg viele Steine liegen. Und tapfer ist es, den steinigen Weg weiterzugehen, auch wenn man mit Steinen beworfen wird. Ohne dauerhaften Sinn jedoch ist es menschlich und kann sogar klug sein, wenn ein Tapferer auch neue Wege geht, zum Selbstschutz seinen eigenen Weg sucht, um Hilfe für andere anbieten oder ermöglichen zu können. 

Entscheidend ist es, das Richtige im richtigen Augenblick zu tun – ohne falsches Heldentum, Überheblichkeit, Selbsterhöhung oder Dummheit. Den jeweils richtigen Weg zu finden, braucht wachsende Mündigkeit, gereifte Weisheit, einen langen Atem und starke Nerven sowie effektive Mittel. Und eine zeitgemäße und menschengerechte Tapferkeit, die sich in der Gnade Gottes sowie der persönlichen Verantwortung vor dem Gott der Liebe und Freiheit geborgen weiß.

Burkhard Budde

Gutes Auto

Gutes Auto

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Von Burkhard Budde

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Manchmal wird es geliebt; häufiger ist es jedoch beliebt. Um von A nach B zu kommen, wird es gerne der Bahn vorgezogen. Denn wenn es um zuverlässige Zeitplanung und Sparsamkeit geht, kann das Auto als Transport- und Fortbewegungsmittel der Bahn überlegen sein.

Doch es gibt unterschiedliche Erwartungen; hier einige Stimmen: „Mein Auto muss alltags- und freizeittauglich sein. Werktags möchte ich zuverlässig und sicher zu meiner Arbeitsstätte kommen; am Wochenende unabhängig und flexibel sein, Besuche oder Ausflüge machen.“ „Wichtig ist für mich als Normalverdiener, dass beim Autokauf die Kosten stimmen. Und die Sparsamkeit eines Autos angesichts teurer Kraftstoffe.“ „Ein Auto muss für mich keine Modepuppe auf vier hohen Rädern sein, wohl aber muss es mir gefallen. Und nicht wie eine Spaßbremse wirken, die zum Lachen in die Garage gefahren werden muss.“ „Beim Kauf habe ich auf Bequemlichkeit, aber auch auf die Technik geachtet, zum Beispiel auf Assistenzsysteme, Internetzugang und Navigation. Allerdings werde ich irritiert, wenn bei jeder Gelegenheit ein Piepen zu hören ist und ich das Gefühl habe, ich werde von einem unsichtbaren Schulmeister ermahnt“.

Was ein „gutes Auto“ ist, ist nicht nur Sache der persönlichen Erwartungen und des Geschmacks sowie des eigenen Geldbeutels, sondern auch des individuellen Gefühls, ausgerechnet mit diesem Auto – z.B. dem VW Golf als meistzugelassenes Auto in Deutschland – frei, unabhängig und mobil sein zu können, um aus dem Tal der Langeweile und Einsamkeit zügig herauszukommen und mit Freude beim Fahren sozusagen auf der Überholspur des Alltagslebens zu sein.

Das Auto ist mehr als ein beliebter Untersatz, der Freiheit atmet und sich fortbewegt; mehr als ein teures Statussymbol, das auf Erfolg und Wohlstand oder eine gesellschaftliche Position hinweist.

Es bleibt stets ein guter Diener des Menschen, der weder eine clevere Maschine noch ein algorithmisches System ist. Nur der Mensch kennt Wahrheiten, die formal nicht bewiesen werden können oder nicht berechenbar sind. Nur der Autofahrer selbst hat eine Intelligenz, die bestimmt, wohin er warum, wann und wie fährt – ob als Raser oder verantwortungsbewusster Fahrer, der die Straßenverkehrsordnung, die Straßenschilder oder die Straßenverhältnisse ignoriert oder sie achtet und verantwortungsbewusst – mit angemessener Geschwindigkeit – wahrnimmt. Selbst bei einem fahrerlosen Auto existiert im Hintergrund menschliche Verantwortung.

Das Auto kann zudem zu einem spirituellen Augenöffner werden, wenn ein Mensch die Autos auf der Autobahn beobachtet: Können sich hinter dem Geschehen auf der Autobahn Gesetzmäßigkeiten oder gar Naturgesetze verstecken? Er findet keine Antwort. „Muss alles Zufall sein!“ denkt er. Aber die Wahrheit ist: Jeder Autofahrer hat eine individuelle Intelligenz sowie einen persönlichen Willen und bestimmt das Ziel seiner Autofahrt.

Wenn der Mensch sogar ein Abglanz der absoluten Intelligenz und vollkommenen Weisheit Gottes sein sollte, dann wird jeder Mensch zu einem Träger einer unverlierbaren Würde und die Fähigkeit, Entscheidungen zu fällen und zu verantworten, nicht los. Als Teil der göttlichen Intelligenz kann er das Leben intelligent und verantwortungsvoll ins Rollen bringen – mal auf dem Fahrrad oder einem Motorrad, mal zu Fuß oder in einem für ihn guten Auto.

Burkhard Budde

Gute Musik

Gute Musik

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Von Burkhard Budde

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Suche gute Musik 

Lieder, besonders Ohrwürmer, werden gerne gehört, gesungen und mitgesungen. Musik, zum Beispiel zeitlose Klassiker oder Trendsongs, vermitteln häufig ein individuelles oder gemeinschaftliches Hörerlebnis. Und als Therapie kann Musik zum Königsweg der Kommunikation mit Menschen werden, die unter einer Demenz leiden.

Manche Zeitgefährten genießen „ihre“ Musik mit versteinerter oder bitterernster Miene. Und scheinen dennoch ihrer Alltagswelt wie verzaubert entrückt, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Andere sind von ihren Gesängen so begeistert, dass sie kein Halten und keine Rücksicht mehr kennen. Und produzieren ein ohrenbetäubendes, aber für manche auch mitreißendes Grölen.

Erfahrungen mit und durch Musik sind vielfältig: Musik kann Menschen berieseln und zum Einkaufen oder Konsumieren animieren. Oder einen würdevollen Rahmen einer Feier bilden, ihr Glanz und einen Kick geben. Als Türöffner der Seele vertreibt sie Trauergeister und Liebeskummer, aber auch Überheblichkeit und Aggressionen. Sie weckt bei vielen tiefe Gefühle, die die Seele verschrecken oder massieren können. Musik kann Motor der Veränderung sein: Der Ängstliche verliert das Zerstörerische seiner Angst; der Gestresste seinen selbst gemachten Zwang; der Grübler das lähmende Gift seiner Gedanken.

Als Brückenbauer zum Mitmenschen ist Musik in der Lage, Einsamkeit zu überwinden, eine Gemeinschaft zu stiften, mutig zu machen, die Reihen zu schließen sowie Gefahren und Angriffen zu widerstehen – man denke nur an das alte Kampflied der Reformation „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Überhaupt ist Musik eine alltagstaugliche Energiequelle. Am frühen Morgen überwindet sie Müdigkeit und bringt manchen Hörer in Schwung. Am Abend hilft ein (Wiegen-)Lied, Stress abzubauen. Bei Konzerten oder anderen Musikveranstaltungen wird neue Kraft geschöpft, die Freude am Leben und im Leben vermittelt. Und sie hilft, unbekannte und unmessbare Quellen zu entdecken, die in einem Hörer selbst vorhanden sind, so dass er zum Klangkörper für andere wird.

Musik ist eben mehr als nur ein Produzent guter Laune oder als ein Ventil, um runtergeschlucktem Ärger Luft zu verschaffen. Musik sollte auch nicht als Instrument ideologischer Botschaften missbraucht werden. Musik muss auch kein überflüssiger Luxus sein. Sie ermöglicht vielmehr einen offenen und eigenen Weg zum Glück eines Menschen.

Aber was ist „gute“ Musik? Antworten fallen unterschiedlich aus, zum Beispiel: „Sie muss mir gefallen.“ „Mich in Stimmung bringen.“ „Meinen Kopf frei machen.“ „Mich froh und mutig machen.“ „Musik ist für mich zugleich Trostpflaster und sozialer Kitt.“ „Gute Musik“, so das Fazit, ist eine Sache des individuellen Geschmacks und frei interpretierbar. Aber wenn sie den ganzen Menschen in verschiedenen Situationen anspricht, positive Gefühle in ihm weckt, belastbare Brücken schlägt, neue Perspektiven und eine vertrauensvolle Gemeinschaft fördert – dann ist sie bestimmt „gut“. Auch wenn ein unmittelbares Hörerlebnis anstrengend sein kann, da manches „Gute“ erst durch die vorbehaltlose Begegnung mit der Musik offenbar wird. Und dann wie ein Schlüssel wirkt, der Räume des Glücks öffnet – wie religiöse Musik das Unsagbare zum Erlebnis macht und gleichzeitig die Räume der Musik entgrenzt. Denn der Gott, der das absolut Gute ist, ereignet sich im Wunder guter geistlicher Musik.

Burkhard Budde

Gute Richterin

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Von Burkhard Budde

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Viele Bürger versuchen, ihre Konflikte möglichst zeitnah sowie unter vier Augen oder im kleinen Kreis zu bewältigen. Bevor zum Beispiel bei Erb- oder Berufsstreitereien seelische Verletzungen passieren, setzen sie sich an einen Tisch, um sich friedlich und sachlich – ohne Hilfe von außen – zu einigen. „Wir sind ja erwachsen und schon groß“, erläuterte eine Konfliktpartei, „um im gegenseitigen Respekt und auf Augenhöhe Probleme zu benennen, zu besprechen und aus der Welt zu schaffen.“

Leider gelingt diese Lösung nicht immer.

Was tun, wenn Konflikte dramatisch eskalieren und alle Versuche mit Argumenten und Engelszungen gescheitert sind, eine Partei zum Beispiel eine andere über den Tisch ziehen will oder überhaupt nicht zum offenen und ehrlichen Gespräch bereit ist?

Kann die Justiz helfen? Und welche Erwartungen an die Justiz gibt es?

Fragen wir einmal „Justitia“, die Göttin der Gerechtigkeit, im Blick auf diese „Ultima-ratio“-Fälle, wenn alle Bemühungen um Klärung oder Ausgleich vergeblich waren oder sinnlos erscheinen?

Stolz und selbstbewusst erklärt Justitia ihr Selbstverständnis und ihre Aufgaben. „Ich bin unabhängig und neutral sowie unparteilich. Ich sorge für Fairness, indem ich beide Seiten zu Wort kommen lasse und – wenn es nötig ist – verschiedene Sachverständige oder Zeugen befrage, bevor ich mir ein unabhängiges Urteil erlaube“. Und dann weist sie auf ihre Augenbinde hin. „Die trage ich, um ohne Ansehen der Person urteilen zu können sowie stets die Gleichheit aller vor dem Gesetz zu beachten“. Die Verhandlung selbst sei ergebnisoffen. Wenn sie die Augenbinde absetze, wolle sie die Ungleichheit der Menschen und ihrer Situationen genau – ohne Scheuklappen und Schubfachdenken – erkennen und würdigen.

Doch welche Bedeutung hat die Balkenwaage in der linken Hand? „Bevor ich ein Urteil fälle“, erläutert Justitia, „muss ich abwägen, die Vorgeschichte, Bedingungen und Entwicklungen eines Streitfalls berücksichtigen, der häufig komplex, vielschichtig, mehrdeutig, dynamisch und kompliziert ist.“

Und warum steht Justitia mit einem Fuß auf einer Schlange? „Ich will verhindern, dass das Gift des Hasses und des Neides, der Gier und der Selbstsucht, der Doppelmoral und der Heuchelei das Gesetz des Denkens bestimmen“. Ganz allein die Werte und Normen sowie die Regeln und die Maßstäbe des Gesetzbuches – und darauf liegt die Schlange, die der Fuß der Justitia in Schach hält – bildeten das Fundament ihres Urteils, auch nicht ihre persönliche Meinung oder persönlichen Gefühle.

Und warum hält Justitia ein Schert in der rechten Hand? Ihre überraschende Antwort: „Im Rahmen der Gewaltenteilung einer Demokratie bin ich kein zahnloser Löwe. Mein Urteil bindet zum Beispiel die Gewalten, kann aber auch neue Freiheiten eröffnen“. Und mit dem Schwert der Urteilskraft könne sie selbst Unrecht und Recht leichter scheiden und unterscheiden sowie die Sach- und Gesetzeslage prüfen.

Allerdings brauche sie das Vertrauen aller. Und müsse sich deshalb vor einer Beauftragung zur Richterin und während der Zeit als Richterin in existentiellen Fragen und überhaupt mäßigen und in der Öffentlichkeit zurückhalten. Denn sonst verlöre sie als anerkannte und gute Richterin ihre Autorität.

Burkhard Budde

In Search of a Good Judge

Many citizens try to resolve their conflicts promptly and in private or small circles. Before emotional wounds occur in disputes over inheritance or the workplace, for example, they sit down together at a table to find a peaceful and reasonable solution – without outside help.
“We’re grown-ups,” explained one party in a dispute, “and mature enough to identify, discuss, and resolve problems respectfully and on equal footing.”
Unfortunately, such resolutions don’t always succeed.

So, what should be done when conflicts escalate dramatically, and all attempts at persuasion or reason have failed – when one party tries to take advantage of the other or is unwilling to engage in an open and honest conversation?
Can the justice system help? And what expectations do people have of it?

Let us ask “Justitia,” the goddess of justice, in reference to these “last resort” situations, when all efforts at clarification or reconciliation have failed or seem pointless.

Proud and confident, Justitia explains her self-image and her duties. “I am independent, neutral, and impartial. I ensure fairness by letting both sides speak and – if necessary – consult various experts or witnesses before forming an independent judgment.”
Then she points to the blindfold over her eyes. “I wear it so I can judge without bias and uphold the principle of equality before the law.”
The proceedings themselves are open-ended. When she removes the blindfold, she wants to recognize and acknowledge the inequality of people and their situations – with open eyes, free from prejudice or simplistic thinking.

But what is the meaning of the scales in her left hand?
“Before delivering a verdict,” Justitia explains, “I must weigh things carefully – take into account the history, circumstances, and development of a dispute, which is often complex, multi-layered, ambiguous, dynamic, and difficult.”

And why does she stand with one foot on a serpent?
“I want to prevent the poison of hatred and envy, greed and selfishness, double standards and hypocrisy from dominating human thought.”
Only the values and norms, the rules and standards of the law – and these are what the serpent lies upon, restrained under Justitia’s foot – form the foundation of her judgment. Not her personal opinions or emotions.

And why does Justitia hold a sword in her right hand?
Her surprising response: “As part of the separation of powers in a democracy, I am not a toothless lion. My judgment binds the other branches of power and can also open up new freedoms.”
With the sword of discernment, she can more clearly distinguish between right and wrong and examine the facts and the law.

However, she needs everyone’s trust. And that is why, before being appointed as a judge – and during her time in office – she must be moderate and reserved, especially in public and on fundamental issues.
Otherwise, she would lose her authority as a respected and good judge.

– Burkhard Budde