Himmelfahrt

Himmelfahrt

Mehr wissen – besser verstehen

Himmelfahrt

Von Burkhard Budde

Mehr Wissen- besser verstehen

Zum Himmelfahrtstag:

Grenzenlose Möglichkeiten Gottes

Das Fest Christi Himmelfahrt, das am 40. Tag nach Ostern gefeiert wird, erinnert an den endgültigen Abschied und die unwiderrufliche Trennung des gekreuzigten, gestorbenen und auferstandenen Jesus von der Erde in den Himmel, in den unsichtbaren und unerreichbaren Teil der göttlichen Schöpfung.

Zur Geschichte:

Jesus wird nach dem Bericht der Apostelgeschichte des Lukas vor den Augen der Jünger von einer Wolke zusehends aufgehoben und „in den Himmel aufgenommen“ – wie zwei Männer in weißen Kleidern den Jüngern anschließend erläutern (vgl. Apg 1, 9-11).

Die „Entrückung Jesu“ – „Und da er sie segnete, schied er von ihnen.“ (Lk 24, 51) – geschah nach dem Bericht der Apostelgeschichte nachdem Jesus 40 Tage seinen Jüngern erschienen war und ihnen Weisung durch den Heiligen Geist gegeben hatte. „Und er redete mit ihnen vom Reich Gottes.“ (Apg 1, 3b) Die Jünger, Augenzeugen des irdischen Wirkens Jesu, sollten zugleich Zeugen der Auferstehung Jesu sein – in der Öffentlichkeit und „bis an das Ende der Welt“ (Apg 1, 8b). Und der Heilige Geist war als Lebenskraft sozusagen der Motor ihres Zeugendienstes.

Die „Erhöhung Jesu“ – „Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur rechten Gottes.“ (Mk 16, 19) – geschah, um am unsichtbaren und sichtbaren Wirken Gottes im Himmel und auf Erden durch den Heiligen Geist teilzuhaben.

Der Evangelist Lukas berichtet, dass die Himmelfahrt Christi am Auferstehungstag in der Nähe Bethaniens sozusagen als Abschluss des Lebens Jesu stattgefunden habe; in seiner Apostelgeschichte ist von der Himmelfahrt erst nach 40 Tagen am Ölberg die Rede, sozusagen als Anfang der Zeit der Kirche, um sie mit der Zeit Jesu zusammenzuführen.

Zunächst feierten die Christen am Pfingstfest die Himmelfahrt Christi mit; seit 370 wurde es ein eigenständiges Fest 40 Tage nach Ostern.

Zur Bedeutung:

Der sichtbare Himmel – englisch „sky“ – kann vom unsichtbaren Himmel – englisch „heaven“ – unterschieden werden. Gleichwohl gibt es einen allumschließenden Zusammenhang: Der naturwissenschaftliche Himmel um einen Menschen herum kann die Augen für die schöpferische Hand Gottes öffnen; der religiöse Himmel in einem Menschen kann eine Triebfeder für die Suche nach den Gesetzen der Natur sein. Kein Himmel hat eine Rückseite oder ist ein Gegenstand, um den man herumgehen kann. Jeder Himmel ist nah und zugleich fern. Der Himmel als Horizont der Erde und die Erde als Abglanz des Himmels sind nicht voneinander zu trennen.

Jesus Christus hat die Tür zum unsichtbaren Reich Gottes im sichtbaren Horizont der Welt geöffnet. Der Geist Christi wohnt nicht nur am unsichtbaren Sitz Gottes oder der Engel, auch nicht nur am Aufenthaltsort der seligen Toten oder am Ort der ewigen Glückseligkeit und des göttlichen Lichtes, sondern er wirkt erfahrbar in der sichtbaren Welt durch das Wort Gottes, die göttlichen Sakramente und seine Zeugen.

Himmelfahrt bedeutet „Jesus ist im Himmel – bei Gott“. Das Fest Christi Himmelfahrt lädt ein, an die unendlichen und grenzenlosen Möglichkeiten Gottes jenseits der endlichen und begrenzten Möglichkeiten der Menschen zu glauben. Und das Wirken des Geistes Christi schon hier auf der Erde zu entdecken. Um sich vom Geist der Liebe von himmlischen Kräften der Vernunft bewegen zu lassen.

Burkhard Budde

Tag der Pflege

Tag der Pflege

Kommentar

Zum Tag der Pflege am 12. Mai

Von Burkhard Budde

Weckruf, Rückblick und Ausblick

Kommentar

zum Tag der Pflege am 12. Mai 

Jeder Mensch kann krank und pflegebedürftig werden, aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung oder schleichend, ohne eigenes Verschulden – unabhängig vom Alter, vom Geldbeutel, seiner gesellschaftlichen und beruflichen Stellung oder seines Lebensstils. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten und Pflegebedürftigkeit je älter ein Mensch wird.

Deshalb ist der Internationale Tag der Pflege am 12. Mai, der offiziell 1965 eingeführt wurde, ein brisanter Weckruf: Das Thema geht uns alle an! Auch wer seinen Kopf in den Sand steckt, weil er nichts von den Schattenseiten und Überraschungen des Lebens hören, lesen oder sehen will, behält seine heimlichen Sorgen und diffusen Ängste im Blick auf Krankheit und Pflegebedürftigkeit: Erhalte ich im Ernst- und Notfall eine qualifizierte Versorgung und kompetente Pflege, die ich brauche – rechtzeitig, möglichst in der Nähe, finanzierbar, ohne dass die Menschlichkeit unter die Räder gerät?

Ein offener Blick auf den Tag der Pflege ist zunächst jedoch ein Rückblick: Er erinnert an den Geburtstag der Mitbegründerin und Bahnbrecherin der modernen Krankenpflege, Florence Nightingale, die am 12. Mai 1820 in Florenz geboren wurde. Während des Krimkrieges von 1853 bis 1856 war die „Lady mit der Lampe“ als Krankenschwester und als „Engel der Barmherzigkeit“ in (Militär-) Hospitälern tätig, setzte sich für eine „christliche Behandlung“ der verwundeten Soldaten ein und kümmerte sich um die Verbesserung der medizinischen, pflegerischen und hygienischen Bedingungen. 1860 gründete sie in London die erste Krankenpflegeschule, förderte die Qualifizierung und den „ganzheitlichen Blick“ der Pflege und stärkte dadurch auch die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern.

Der Tag der Pflege als ein historischer Gedenktag ist zugleich ein Tag zum Nachdenken, um einen Durchblick zu gewinnen: Welche genauen Ziele und Auswirkungen haben die derzeitigen Reformvorschläge im Blick auf die Krankenhauslandschaft? Welche Krankenhäuser müssen an welchen Standorten tatsächlich geschlossen werden, weil welche Qualität nicht erbracht werden kann und der Transporthubschrauber die bessere Alternative zum Krankenwagen mit kurzen Wegen sein soll? Und können örtliche Politiker, die nicht verantwortlich sind, Standortschließungen verhindern?

Auch die Pflegeversicherung, die 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt wurde, um vor allem Sozialhilfeabhängigkeit zu vermeiden und Angehörige zu entlasten, steht auf dem Prüfstand. Gegenwärtig sinken die Eigenanteile der Bewohner, je länger sie in einem Heim leben. Diskutiert wird jedoch in der Bundesregierung, das Sinken der Eigenanteile zu verlangsamen. Aber wird daran gedacht, dass dadurch mehr Menschen zu Sozialhilfeempfängern werden könnten, wenn das Geld nicht ausreicht? Würde mit einer solchen politischen Rolle rückwärts die unerfreuliche Situation vor 1995 wieder hergestellt?

Und überhaupt: Altenpflegheime, die wegen des Fachkräftemangels unter einer schlechten Auslastung leiden, könnten durch die Politik zusätzliche Daumenschrauben angelegt bekommen. Wenn – was von der Politik angedacht ist – die Tarife bei den Verhandlungen der Pflegeleistungen mit den Pflegkassen nicht länger automatisch als wirtschaftlich anerkannt werden, könnte eine wirtschaftliche Abwärtsspirale mit viel Druck auf die Bezahlung des Personals in Gang gesetzt werden und zur Schließung von Altenpflegheimen führen.

Die Hauptleistung der Pflege geschieht durch Angehörige in den eigenen vier Wänden – das ist anzuerkennen. Doch hat man sie bei den Reformvorschlägen vergessen? Auch in der häuslichen Pflege lauern viele Fallstricke, wenn pflegende Angehörige keine Unterstützung erhalten (können)! Werden die Stimmen, Sorgen und Ängste, der Leidensdruck der Angehörigen hinreichend gehört, geachtet und vor allem bei politischen Weichenstellungen beachtet?

Was passiert, wenn man keinen Heimplatz, den man braucht, mehr findet, oder ein Heim plötzlich geschlossen wird und der Pflegbedürfte von Angehörigen abgeholt werden muss?

Hier braut sich viel sozialer Sprengstoff zusammen, der für den Zusammenhalt der Gesellschaft und für die Demokratie gefährlich werden kann, wenn sich der Eindruck verfestigt, dass nur an (Kosten-) Schrauben gedreht wird, aber eine überzeugende Strategie fehlt.

Der Tag der Pflege könnte jedoch Motor sein, weiter zu denken, um einen visionären Ausblick zu erhalten: Die Pflegversicherung als „Teilleistung“ und die Krankenversicherung als „Vollleistung“ greifen ineinander Die häusliche Pflege und Krankenpflege sind aber künstlich getrennt und verursachen viel Bürokratie. Warum nicht an dieser Schnittstelle mutig und zukunftsorientiert sowie ohne ideologische Scheuklappen über eine Gesundheitsversicherung aus einer Hand nachdenken?

Der Tag der Pflege, der in der breiten Öffentlichkeit die Bedeutung der Pflege betonen, die Herausforderungen des Gesundheitswesens benennen und vor allem die Arbeit von Pflegenden würdigen soll, könnte zudem den Denkanstoß einer Vision ins Rollen bringen, um das Gesundheitswesen wieder auf die Füße zu stellen und zukunftsfester zu machen. Dann schaut keiner in einen tiefen Abgrund mit einem Durcheinander, sondern auf ein umfassendes Qualitätsversprechen ohne leere Worte.

Burkhard Budde

Glück

Glück

Auf ein Wort

Auf dem Weg zum Glück

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Wege zum Glück 

Es gibt keine Königswege zum Glück. Das Glück ist keine Ware, die man kaufen oder erwerben kann. Und „luck“ („Glück gehabt“) ist ohnehin ein großes Geschenk. Aber auch „happiness“, das beflügelnde Gefühl eines erfüllten und sinnvollen Lebens mit tragfähigen Beziehungen ist auch nicht (immer) von Dauer. Es ist mit einem scheuen Reh zu vergleichen; kaum hat man es aufmerksam beobachtet, beachtet und geachtet, kann es wieder im Dickicht des Waldes verschwinden. Überall lauern Glückskiller: Eine unverschuldete Krankheit, plötzliche Arbeitslosigkeit, ständige Konflikte, die die Lebensqualität nachhaltig belasten und zerstören können.

Allerdings kann ein Mensch auch der Schmied seines eigenen Unglücks sein: Ein Geiziger, der nicht teilen kann und vergisst, dass auch sein letztes Hemd keine Taschen hat. Der Verschwenderische, der alle seine Hemden aus dem Fenster wirft und sich am Ende wundert, ohne ein Hemd dazustehen. Der Neidische, der durch sein ständiges Vergleichen ungenießbar geworden ist und sein eigenes Glück verliert. Der Zyniker, der sich über das Unglück anderer  freut und am Glück anderer leidet und immer mehr verbittert und sich isoliert.

Die Folgen des Glückskillers Gier schildert in eindrucksvoller Weise das Märchen vom Fischer und seiner Frau: Ein armer Fischer, der einen verzauberten und sprechenden Fisch fängt, lässt ihn aus Mitleid wieder frei. Seine Frau, die die Chance auf ein besseres Leben sieht, schickt ihren Mann zurück ans Meer, damit er sich vom Fisch Wünsche erfüllen lässt. Doch immer, wenn ein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, wird die Frau unzufriedener, schließlich immer gieriger. Zunächst besteht das Glück in einem kleinen Häuschen, dann geht es um ein Schloss; schließlich will sie Königin, dann Kaiserin, dann Papst werden. Der Gipfel ihrer Begierden besteht darin, wie Gott zu werden. Das Ergebnis ist erschütternd und ernüchternd zugleich. Der Fischer, der offensichtlich Angst vor Konflikten mit seiner Frau hatte und dem die Kraft fehlt, Widerstand gegen ihre Gier zu zeigen, landet mit seiner Frau in der ursprünglichen Hütte. Maßlosigkeit ohne ethischen Kompass und Macht ohne Grenzen machen nicht glücklicher, wohl aber anfälliger und unzufriedener – unglücklicher.

Aber es muss doch einen Weg geben, den Tag genüsslich beim Schopfe zu fassen („Carpe diem“, „Pflücke oder nutze den Tag“), und gleichzeitig eigenes und fremdes Glück zu teilen – sich über das Glück anderer zu freuen und mit dem eigenen Glück andere glücklich zu machen, ohne naiv zu werden.

Hans im Glück, der erst sein Gold gegen ein Pferd, dann das Pferd gegen eine Kuh, dann die Kuh gegen ein Schwein, dann das Schwein gegen eine Gans, dann die Gans gegen einen Schleifstein eintauscht und schließlich auch seinen Schleifstein verliert, ist kein naiver und schlechter Kaufmann. Dieses Märchen macht vielmehr deutlich: Materielles, Besitz, Reichtum, Konsum, aber auch Erfolg, Ruhm, Status machen nicht automatisch glücklich. Sie können zum Ballast werden, zum Gefängnis des eigenen Ichs.

Das wahre Glück findet ein Mensch wohl erst in seiner inneren Freiheit, loszulassen, was ihn zu versklaven droht; das Leben anzunehmen, was ihm Freude, Sinn und Erfüllung schenkt. Der Griesgram, der sich das Lachen selbst verbietet, wird wohl kaum glücklich; auch nicht die Made im Speck, die über den Speck ständig schimpft. Wohl aber derjenige, der täglich aus Kraftquellen möglichen Glücks schöpft, indem er sich auf seine eigenen Stärken und Fähigkeiten, Möglichkeiten und Perspektiven, auf das Teilen konzentriert. Und so das schlafende oder eingeschlafene Glück auf dem Weg zur Glückseligkeit weckt.

Burkhard Budde

Muttertag

Muttertag

Auf ein Wort

Muttertag

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Mütter achten und ehren? 

Ist der Muttertag nur ein Tag goldener Worte und vorgespielter Gefühle? Oder vor allem ein Tag echter Dankbarkeit, ohne dabei den mündigen Geist der Unterscheidung zu verraten?

Historisch betrachtet erinnert der Muttertag am 2. Maisonntag an besondere Frauen, an eine Feministin sowie an Frauen der Frauenbewegung; aktuell auch an die Lebensleistung der eigenen Mutter sowie an alle Frauen, die sich für ein soziales Miteinander sowie für Versöhnung einsetzen.

Anna Jarvis (1864-1948), eine unverheiratete und kinderlose Lehrerin und Tochter eines Methodistenpfarrers aus West Virginia, setzte sich für politische Ziele der Frauenbewegung wie das Frauenwahlrecht ein. Als ihre ebenfalls politisch aktive Mutter am 9. Mai 1905 starb, warb sie für ein jährliches Gedenken an die Lebensleistung ihrer Mutter, die 1858 „Mother`s Work Days“ für den Kampf gegen hohe Kindersterblichkeit und für bessere sanitäre Anlagen gegründet hatte.

Mit dem ersten Muttertag 1908 – Anna Jaris verteilte nach einem Gottesdienst 500 Nelken, die Lieblingsblume der Mutter – sollte an die „Werke aller Mütter“ gedacht werden, besonders an die soziale und politische Rolle von Frauen in der Gesellschaft. Der Muttertag sollte ein Gedenktag, kein Geschenktag sein.

1914 wurde der Muttertag zum amerikanischen Feiertag erklärt (die Mütter Amerikas als „zärtliche Armee“). Ab 1922 engagierte sich der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber für die Feier zu Ehren „der stillen Heldinnen unseres Volkes“.

1933 wurde der Muttertag von den Nationalsozialisten mit ihrem NS-Mutterkult missbraucht (für „Führer, Volk und Vaterland“ Kinder bekommen).

Nach 1945 wurde der Muttertag zunächst abgeschafft; in den fünfziger Jahren in der Bundesrepublik wiederbelebt.

Als ein Gedenktag ist der Muttertag für viele Erwachsene gleichzeitig ein Tag der dankbaren Anerkennung des Lebenswerkes der eigenen Mutter. Dieser Dank kann zum Beispiel besonders begründet sein, wenn eine Mutter nicht nur an die eigenen Bedürfnisse und Interessen gedacht hat, sondern auch und zugleich an die Förderung der individuellen Persönlichkeitsentwicklung ihres Kindes – mit Herz, Kopf und Hand.

Natürlich spielt in heutigen Familien, die sich der Idee der Gleichberechtigung verpflichtet fühlen, der Vater bei der Entwicklung des Kindes eine große Rolle: Wenn Mutter und Vater die Erziehung des Kindes mit Hilfe eines ethischen Kompasses wie Verantwortung und Mitmenschlichkeit, Mit-, Für- und Vorsorge gemeinsam wahrnehmen. Wenn sie ihre Lebenszeit teilen, auf Ego-Trips um jeden Preis verzichten und bei der Bewältigung von Problemen mit gutem Beispiel vorangehen sowie helfen, dass das Kind immer selbstständiger und eigenverantwortlicher wird. Und beiden kann ein erwachsen gewordenes Kind aus guten Gründen danken.

Der Muttertag kann darüber hinaus zum Versöhnungstag werden, wenn keine Noten verteilt werden wie „ungerechte Mutter“, „schlechte Eltern“ oder „undankbares Kind“, auch keine Gefühle mit verlogenen Worten vorgespielt werden, sondern von beiden Seiten die Bereitschaft zum Verstehen und zum Verständnis sowie zur Verständigung gezeigt wird, um durch eine wertschätzende und differenzierte Erinnerung „aus der Zeit heraus“ eine gemeinsame Zukunft zu gewinnen.

Die Mutter jedoch bleibt für viele Kinder eine besondere Identifikationsfigur, die zur eigenen Reifung und zur eigenen Mündigkeit beiträgt, weil in jeder Mutter mit widersprüchlichen Mütterbildern eine Frau steckt – mit weiblichen Spezifika, menschlichen Ambivalenzen, sozialen Spannungen sowie mit individuellen Anziehungs- und Ausstrahlungskräften – eben ein einmaliger und unverwechselbarer Mensch mit Stärken und Schwächen, vor allem mit einer unverlierbaren Würde.

                          Burkhard Budde

Macht in Demut

Macht in Demut

Auf ein Wort

Macht in Demut

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Macht in Demut 

Eine Binsenweisheit, die mehr ist als ein alter Hut. Sie bleibt stets aktuell. Auch wenn sie gerne von Diktatoren, Autokraten und Populisten sowie Scheinriesen, Möchtegernmächtigen und Heuchlern vergessen oder verdrängt wird: Kein Mensch lebt ewig. Und keiner kann Macht, Ruhm, Erfolg, Geld oder auch einen Heiligenschein mit ins Grab oder Jenseits nehmen. Gerne würde man diese Mahnung allen Menschen – auch sich selbst – immer wieder ins Stammbuch – oder Poesiealbum – schreiben:

Den brutalen Machtmenschen, die ihre Macht nicht wirklich teilen können, machtgierig immer gieriger werden, sich nicht kontrollieren und durch Recht und Gesetz bändigen lassen.

Den überheblichen Zahlenmenschen, die zu Machtmenschen werden, wenn sie Zahlen instrumentalisieren und ganz allein die Deutungshoheit über Zahlen beanspruchen.

Den aggressiven Dealmakern, die einschüchtern und drohen und nur noch die Machtkarte kennen, wenn es um ihren eigenen Vorteil und nicht mehr um eine Win-Win-Situation geht.

Den ichbezogenen Schätzesammlern, die ständig neidisch auf andere sind und in der übertriebenen Angst leben, nicht das größte Stück vom Kuchen abzubekommen.

Doch Mahnungen an die eigene Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit reichen leider häufig nicht aus. Wem zum Beispiel seine Macht zu Kopf gestiegen ist, ist blind für realistische Ziele, tragfähige Kompromisse oder nachhaltige Lösungen. Und lähmende und nervige Machtkämpfe können alle erleben, wenn es um die Frage geht, wer in Konflikten das Sagen hat und den Ausschlag gibt, wer seine Interessen im Verteilungskampf durchsetzt, wer anerkannt und gemocht wird. Viele Menschen, so heißt eine andere Wahrheit, verstehen eben nur die Sprache der Macht.

Macht „an sich“ ist weder gut noch böse, nicht automatisch gottlos, vom Teufel, aber auch nicht automatisch ein Allheilmittel, ein Patentrezept. Und Macht muss sich nicht im ethik- und rechtsfreien Raum abspielen. Macht braucht begründetes Vertrauen und gebundene Verantwortung. Und Gestaltungsfreiheit.

Macht – vom althochdeutschen „mugan“ („Vermögen“) – kann dem gemeinsamen Leben dienen. Sie vermag als positive Gestaltungs- und Durchsetzungskraft etwas zu schaffen: Menschengerechtes, Produktives und Innovatives. Wenn Macht geteilt wird, an Recht und Gesetz, an gemeinsam vereinbarte Spielregeln gebunden bleibt und – vor allem in der Politik – durch eine unabhängige Justiz und selbstständige Medien kontrolliert wird. In der Macht steckt das Vermögen, dass Machtlose und Ohnmächtige nicht unter die Räder geraten und dass Chancengleichheit im fairen Wettbewerb um Macht herrscht.

Zivilisierte und demokratische Machtpolitiker sollten Diktatoren, Autokraten oder Populisten nicht zu kopieren versuchen, wohl aber ihre Sprache verstehen und sprechen lernen, damit Menschenrechte sowie das Gemeinwohl eine Chance behalten. Und sie sollten sich gleichzeitig stets daran erinnern lassen, was ein Mächtiger über seiner Todesanzeige veröffentlichen ließ: „Media vita in morte sumus“ („Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“). Eine Binsenweisheit, die die Macht nicht übermutig werden lässt, weil der Tod mächtiger ist, sondern stets zur Demut und zum mutigen Dienst an der Freiheit in Würde einlädt.

Burkhard Budde

Meer im Harz

Meer im Harz

Ausstellung von Kathrin Weiher

„Inspiration Blau – vom Meer zur Abstraktion“

Von Burkhard Budde

Das Meer im Harz

Ausstellung von Kathrin Weiher 

Das Meer ist zurück – jedenfalls künstlerisch in der Ausstellung „Inspiration Blau – vom Meer zur Abstraktion“ von Kathrin Weiher, von 2010 bis 2015 Erste Kreisrätin im Landkreis Goslar und von 2015 bis zu ihrer Pensionierung 2021 Kultursenatorin der Hansestadt Lübeck.

Die Ausstellung der gebürtigen Braunschweigerin im Schwiecheldthaus in Goslar, eine historische Stadt mit mittelalterlichem Charme und Esprit, beschäftigt sich überraschenderweise mit dem Thema Meer, nicht mit dem Thema Berge, Gebirge Wälder, Wiesen.

Nicht alle wissen, dass im Erdaltertum vor etwa 400 bis 300 Millionen Jahren ein warmes Flachmeer die ganze Region bedeckte, das jedoch vor etwa 300 Millionen Jahren verschwand, aber viele Spuren wie den Rammelsberg hinterließ.

Bis heute ist die  „Liebe zum Meer“ – ob man im Harz oder in Lübeck tätig ist – geblieben, jedenfalls bei Kathrin Weiher, die den Anspruch hat, „Gefühle, die ich habe, in meiner Kunst zum Ausdruck zu bringen“. 

Ihre inspirierenden und sprechenden Werke einer großen Liebe, die noch bis Mitte September im Schwiecheldthaus zu sehen sind, wurden nicht nur von Kulturmanagerin Carla Reuter bei der Vernissage gewürdigt, sondern auch von zahlreichen Gästen.

Der aufmerksame Betrachter kann über eigene Assoziationen im Zusammenspiel mit künstlerischen Abstraktionen beim Abtauchen in die Weite und Tiefe sowie Vielfalt und Dynamik des Meeres das Meer mit neuen Augen sehen lernen. 

Burkhard Budde