Vorbilder

Vorbilder

Auf ein Wort

Gelebte Vorbilder gesucht

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Gelebte Vorbilder gesucht

Sind Vorbilder seltener geworden? Personen, denen viele „aus guten Gründen“ Vertrauen schenken? Werden Personen des öffentlichen Lebens, aber auch „liebe Mitmenschen“ solange durchleuchtet und beobachtet, bis Schwachstellen auftauchen? Wird ein nahezu „korrektes und perfektes Leben“ vom anderen erwartet, das selbst nicht eingehalten wird oder werden kann? Ist die öffentliche Suche nach Fehlern und Widersprüchen zum Volkssport geworden? Wächst gerade eine Kultur des Misstrauens –  im Fern- und Nahbereich, aber auch im Blick auf demokratische Institutionen?

Kein Vertrauen haben sicherlich nervige Quälgeister verdient, die stets alles besser wissen oder können, ständig nörgeln und meckern, beharrlich provozieren und sarkastische Anmerkungen wie am Fließband produzieren. Und nicht merken, dass ihr eigenes Verhalten anderen auf die Nerven geht.

Auch wird Personen nur begrenzt vertraut, wenn sie ein Lied mit gespaltener Zunge singen. Wenn keiner genau weiß, wie der Sänger selbst über das Lied denkt und wann er genau ein neues Lob- oder Klagelied anstimmt.

Manche lernen an negativen Vorbildern eigenes Selbstvertrauen. „Mein Vater suchte ständig Trost im Alkohol“, erzählt eine Person und ergänzt: „Ich versuche, anders mit Problemen umzugehen.“ Ein anderes erwachsen gewordenes Kind möchte nicht so werden wie ihre Verwandten, die wegen jeder Kleinigkeit gestritten haben: „Meine Lebenszeit ist zu kostbar. Es gibt Wichtigeres und Schöneres. Und ich muss in Konflikten nicht immer das letzte Wort haben.“

Und warum sollte ein aufgeklärter Mensch, der selbstständig denken kann, sich blenden und verführen lassen – von süßen, aber vergifteten und leeren Versprechungen? Von brutalen Vorbildern mit Heiligenschein und historisch falschen Deutungen? Muss sich ein denkender und freier Mensch in der glühenden Sonne von Fanatikern sonnen, weil sie einfache Lösungen komplexer Probleme propagieren? Auch wenn dadurch jegliche Vernunft und Menschlichkeit, sozialer Zusammenhalt und ein Miteinander verbrennen?

Vor allem jedoch sind gute Vorbilder gefragt: Menschen, die nicht nur freundlich und hilfsbereit, verlässlich und verbindlich sind, sondern auch die Werte wie Fairness und Aufrichtigkeit, Mitgefühl und Toleranz leben – so vorleben, dass sie glaubwürdig vermittelt werden können.  

Gute Vorbilder sind keine perfekten Maschinen oder Helden der Moral, die es nicht gibt. Aber gute Vorbilder können aus eigenen Fehlern lernen und den Kurs ihres Lebens ändern – mutig und freiwillig, aus guten Gründen der Vernunft und Barmherzigkeit. So dass Mitmenschen sagen „So möchte ich auch werden.“ Sie leben Entwicklung vor, was möglich ist und was werden kann. Und können mit ihrer lernenden Kompetenz und ihrem ansteckenden Optimismus dem Gemeinwohl dienen.

Ein öffentliches Amt macht aus einem Menschen nicht automatisch ein gutes Vorbild. Aber es wird zu Recht erwartetet, dass Amts- und Würdenträger mit gutem Beispiel vorangehen, rechtstreu und gesetzestreu, korruptionsfrei und unabhängig von Ichsucht sind. Und in ihrem Leitungsamt Maß und Mitte, Ausgleich und Kompromiss suchen, vor allem dass sie verantwortungsbewusst leben, d. h. öffentlich Antwort geben können auf ihr Reden, Tun und Lassen. Dass sie nicht nach Launen, Bequemlichkeit oder Vorlieben führen und gestalten, sondern nach Werten, die verbinden und Regeln, die für alle gelten, sowie nach politischen Inhalten, die dem Lebensraum aller eine Zukunft geben. Die mit vorbildlichem Verhalten zugleich Bergführer und Wegweiser sind. Und jeder sie an ihren Taten und Früchten erkennen und ihnen vertrauen kann.           

Burkhard Budde

Brücken bauen

Brücken bauen

80-jähriges Jubiläum der CDU Peine

Brücken bauen

Von Burkhard Budde

Prof. Dr. Norbert Lammert mit (von links) CDU-Kreisvorsitzender Christoph Plett MdL, Christiane Bähr, Landesvorsitzende der Frauen Union des CDU-Landesverbandes Braunschweig, die Landtagsabgeordnete Sophie Ramdor aus Braunschweig und Dr. Burkhard Budde aus Bad Harzburg

Ständig Brücken bauen

Norbert Lammert sprach zum 80-jährigen Jubiläum der CDU Peine

Der Rückblick war zugleich ein Ausblick. In Dankbarkeit und Respekt blickte Christoph Plett, MdL, auf die Geschichte des CDU-Geburtstagskindes zurück, das seinen 80. Geburtstag in Peine feierte. Gleichzeitig fragte der CDU-Kreisvorsitzende: „Wie bewahren wir das, was uns wichtig ist?“ Der CDU-Kreisverband, zu dem etwa 800 Mitglieder gehören, sei fest verwurzelt in seiner Geschichte und doch müsse er sich „immer wieder neu erfinden“.

Christoph Plett, der seit 2023 auch Vorsitzender des CDU-Landesverbandes Braunschweig und dadurch zugleich beratendes Mitglied des CDU-Bundesvorstandes ist, betonte in seiner Rede im Forum Peine am 3. Juni 2026: „Die CDU ist kein Selbstzweck. Wir haben den Auftrag, die Gesellschaft zu gestalten und am politischen Meinungsbildungsprozess teilzunehmen.“ Die Kommunalpolitik sei keine Nebensache. Vor Ort schlage das Herz der Demokratie. Und zum christlichen Menschenbild der CDU, das als geistiges Fundament die politische Aufgabe trage, gehörten zugleich Freiheit und Verantwortung.

Nach Christoph Plett erinnerte der 85jährige Horst Horrmann, der zum Urgestein der CDU gehört, an die Anfänge der CDU in Peine. Horst Horrmann prägte die Entwicklung im Kreis Peine, war aber auch als Kultusminister von Niedersachsen von 1988 bis 1990 unter Ministerpräsident Ernst Albrecht politisch sowie später von 2005 bis 2014 als Präsident des DRK-Niedersachsen gesellschaftspolitisch tätig. Weitsichtig sei vor 80 Jahren die „christlich demokratische Union“ (CDU) gegründet worden, um Menschen vor allem bei allen konfessionellen, sozialen und wirtschaftlichen Unterschieden zusammenzuführen sowie um als ganz neue Partei den Wiederaufbau zu beginnen.

Prof. Dr. Norbert Lammert, Jahrgang 1948, von 2005 bis 2017 Präsident des Deutschen Bundestages sowie langjähriger Vorsitzender der Konrad-Adenauer Stiftung, sprach in seiner engagierten Festansprache von der CDU als „erfolgreichsten Partei Deutschlands“, die bislang über 50 Jahre lang das Land politisch (mit-) geführt habe und über eine auffällige und beispiellose Bilanz verfüge. Diese Prägekraft sei nicht ohne die handelnden Personen zu erklären, die die „Einsicht in die Notwendigkeit zur Veränderung“ gehabt hätten. Dabei nannte er Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Die CDU, die insbesondere als neue überkonfessionelle Sammelpartei – als „Sammelbecken“ (Lammert) – nach dem Krieg entstanden ist, habe am Tiefpunkt der deutschen Geschichte den Mut und die Zuversicht gehabt, neu anzufangen, „nicht die Vergangenheit zu restaurieren, sondern Neues zu machen“ – mit einer neuen Partei, einem Grundgesetz, der Sozialen Marktwirtschaft und der Verankerung Deutschlands in der Familie der westlichen Demokratien. Diese Grund- und Richtungsentscheidungen vor allem Adenauers und Erhards seien bis heute bedeutsam. Beispielsweise – im Geiste des „deutschen Wirtschaftswunders“ – nicht den Mangel zu verwalten, sondern ihn durch fairen Wettbewerb und sozialer Ordnung zu beseitigen, um Kräfte „von unten nach oben“ freizusetzen. Oder  – im Geiste Konrad Adenauers – die Veränderungsbereitschaft zu zeigen, ein wehrbereites und wehrfähiges Europa zu schaffen.

Norbert Lammert, der wie erwartet mit Tiefgang sprach, rief dazu auf, ständig Brücken zu bauen, indem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbunden werden. Und verwies auf die Verantwortung Deutschlands, der „größten funktionierenden Demokratie“.

Burkhard Budde

Jung und alt

Jung und alt

Auf ein Wort

Jüngere und Ältere sind willkommen

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Alt und Jung sind willkommen

Ältere Menschen gehören nicht auf das Abstellgleis der Bedeutungslosigkeit. Sie sollten nicht aussortiert oder gedrängt werden, geräuschlos zu verschwinden – weder im beruflichen noch gesellschaftlichen Leben. Sie sollten in Würde altern dürfen, selbst wenn sie krank und pflegebedürftig geworden sind und nicht in einem Wartesaal Platz nehmen müssen, um auf den letzten Zug ihres Lebens zu warten.

Allerdings ist eine Flucht der Älteren auf die Burg der Unbeweglichen, Besserwisser und Alleskönner auch keine Alternative, um Fortschritte zu ermöglichen und dadurch eine Zukunft für alle zu gewinnen.

Aber wer gehört eigentlich zu den Älteren? Gibt es nicht auch „junge“ Menschen, die sehr „alt“ wirken, weil sie die Zugbrücke ihrer Burg – ihrer Blase und ihres Echoraumes – hochgezogen haben, nicht mehr lernbereit, flexibel und neugierig sind und keinen aktiven Austausch mit Andersdenken suchen? Und ist nicht die Frage von „jung“ und „alt“ eine Sache der persönlichen Deutung und Entwicklung des Betroffenen, der vielfältigen Erwartungen anderer und der unterschiedlichen Lebenserfahrungen von Menschen – unabhängig vom kalendarischen bzw. messbaren Alter?

Und überhaupt: Aktuell liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 81 Jahren; 1871 betrug sie 37 Jahren, was insbesondere an der hohen Säuglingssterblichkeit durch schlechte Hygiene, unsauberes Trinkwasser und fehlende Bildung lag; und im Mittelalter wurde ein Adeliger mit 55 oder 60 Jahren als „alt“ wahrgenommen.

Wenn heute ein Mitmensch im Beruf oder in der Gesellschaft den Eindruck hat, mitten in seiner Blütezeit zu stehen oder dass seine Jugend weicht, muss er keine Ausflüge in die Welt junger Menschen machen, sie weder vergöttlichen noch verteufeln, wohl aber kann er sich klug und weise sowie weitsichtig und kooperativ verhalten:

Ältere und jüngere Menschen müssen zum Beispiel im Beruf keine Gegner oder Konkurrenten sein, die sich gegenseitig bekämpfen oder ignorieren. Sie können sich vielmehr gegenseitig wertschätzen, ergänzen und bereichern, indem sie vertrauensvoll zusammenbleiben und konstruktiv zusammenarbeiten sowie miteinander und voneinander lernen. Im Team kommen dann Erfahrung und Erneuerung zusammen, Ausdauer und neue Perspektiven, ohne Angst haben zu müssen, Macht zu verlieren oder keine Gestaltungsmöglichkeiten zu erhalten. Sowohl Jüngere, die häufig neue Ideen und Energien haben, als auch Ältere, die häufig über einen Überblick und soziale Kontakte verfügen, können ihre jeweiligen Stärken zum Beispiel in ein „gemischtes“ Team im Rahmen einer Gesprächs- und Verantwortungskultur einbringen.

Und warum sollten „alte Hasen“ nicht „Young Professionals“ bzw. Nachwuchskräfte fördern, indem sie ihnen die Teamleitung zutrauen und ermöglichen, wenn sie das Potenzial dazu haben?

Es kann ein großer Gewinn für ein Unternehmen sein, wenn jenseits von Generationenkonflikten und eigenen schlechten Erfahrungen auch jungen Talenten eine Chance zur Verantwortung einer Leitung gegeben wird.

Alter schützt vor Torheit nicht, lautet ein bekanntes Sprichwort. Es gibt in der Tat Rentner, die wider besseren Wissens falsche Entscheidungen fällen und die Folgen nicht bedenken. Aber Jugend schützt auch nicht automatisch vor Torheit. Es gibt junge Menschen, die trotz ihrer vielfältigen Gaben ihre Chancen nicht nutzen. Doch diese negativen Beispiele können nicht verhindern, dass für den Zusammenhalt und zur Fortentwicklung unserer Gesellschaft engagierte und kompetente Menschen gebraucht werden – deshalb Jüngere und Ältere stets willkommen sind, damit mit Hilfe ihrer jeweiligen Persönlichkeit der notwendige Wandel gelingt.

Burkhard Budde                                                                                            

Iran

Iran

Sehnsucht nach Freiheit

Vortrag von Reza Asghari über den Iran

Von Burkhard Budde

Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung

Prof. Dr. Reza Asghari in Bad Harzburg zum Thema „Iran“

Reza Asghari, der seit 2025 den Wahlkreis Salzgitter-Wolfenbüttel sowie einen Teil der Harzregion im Deutschen Bundestag vertritt, ist wegen seiner Lebensgeschichte, seiner Herkunft aus dem Iran, seiner politischen Erfahrung sowie seiner fachlichen Expertise ein gefragter Ansprechpartner vieler überregionaler Medien.

Trotz seiner vielen Termine konnte der Harzburger Geschichtsverein ihn am Pfingstmontag gewinnen, einem Vortrag in der Wandelhalle von Bad Harzburg zum Thema „Iran“ zu halten.

Der Professor für Innovation und Unternehmertum („Entrepreneurship“) an der Technischen Universität Braunschweig und der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften mit dem Hauptstandort Wolfenbüttel sprach zunächst über seine spannende und außergewöhnliche Biografie:

Reza Asghari ist 1961 in Isfahan im Iran geboren. Er ist ein Kind der iranischen Revolution von 1979, die das Königreich Iran mit Schah Reza Pahlavi an der Spitze beendete und die Islamische Republik Iran mit dem religiösen Führer Khomeini errichtete. Mit 17 Jahren hatte Reza Asghari die Illusion, dass nach dem Schah-System der „Himmel auf Erden“ kommen würde. Das Gegenteil war der Fall: „Die neuen Machthaber waren noch viel schlimmer“, berichtete der erste Migrant im Deutschen Bundestag, der selbst politische Haft sowie Folter im Iran erlebt hat. Im August 1983 war er verhaftet worden, nachdem er als Student des Studiums der Ingenieurswissenschaften wegen kritischer Äußerungen zwangsexmatrikuliert worden war. !986 wurde er aus der Haft entlassen; 1987 gelang ihm die Flucht aus dem Iran.

Reza Asghari ist dankbar dafür, in Deutschland eine neue Heimat gefunden zu haben. Und Niedersachsen kann sich freuen, in ihm ab etwa 2000 einen frühen, kompetenten und engagierten Vertreter der Digitalisierung und der elektronischen Verwaltung für Kommunen („E-Government“) zu haben.

Heute sitzt der CDU-Politiker in zwei Ausschüssen des Bundestages – der „Herzkammer der deutschen Demokratie“ -,  die genau zu seinem fachlichen Profil passen, im Forschungsausschuss sowie im Umwelt- und Technologieausschuss.

Vor allem aber ist Reza Asghari dankbar, in einem freien Land leben zu dürfen. Anders sieht es im Iran aus: Im Januar 2026 gab es dort eine landesweite Protestwelle gegen das Mullah- System. Über 30 000 Menschen sollen in wenigen Tagen ermordet worden sein, schildert der sichtlich betroffene Asghari. „Auch Verwundete, die ein Krankenhaus aufgesucht haben, sowie Krankenschwestern, die helfen wollten, wurden getötet.“ „Gibt es ein Regime, das das eigene Volk so umbringen lässt?“ fragte der Deutsch-Iraner.

Besonders brutal und fanatisch sind für Asghari die Islamischen Revolutionsgarden, die parallel zur regulären iranischen Armee existieren, und auch mit Hilfe ihrer Geheimdienste Demokratie- und Freiheitsbestrebungen verfolgen, unterdrücken, bekämpfen und eine „Politik der verbrannten Erde“ betreiben. Sie kennen keine Meinungs- und Religionsfreiheit, keinen Schutz von Minderheiten wie Homosexuelle oder religiös Andersdenkende und wollen darüber hinaus den Staat Israel vernichten. Weltweite Anschläge auf jüdische Einrichtungen und Personen seien Ausdruck eines systematischen Antisemitismus.

Im freien Westen sollten die Politiker die Bedingungen des iranischen Regimes nicht einfach akzeptieren, sondern dem Regime „die Stirn zeigen“ – im Blick auf die Menschenrechte, aber auch auf die Straße von Hormus sowie auf das Atom- und Raketenprogramm. Das liege auch im europäischen Interesse.

Die große Mehrheit der iranischen Bevölkerung wolle die Trennung von Staat und Islam, um vom Joch der Mullahs befreit zu werden. Die mutigen Frauen, die seit 2022 im Iran ihre Kopftücher öffentlich verbrannt haben und zur „Woman, Life, Freedom“- Protestbewegung gehören, sind zwar häufig verhaftet, verletzt oder getötet worden oder haben das Land verlassen; sie seien aber auch ein ermutigendes Zeichen der Emanzipation von Frauen und einer beginnenden Säkularisierung im Land.

Doch Fragen bleiben, die wohl erst mit der Zeit beantwortet werden können: Wird die Schwelle der Angst vor korrupten Mullahs und menschenverachtenden Revolutionsgarden in Teilen der Bevölkerung gesenkt? Werden Terror und Gewalt der Herrschenden triumphieren? Oder wird sich politische Apathie verbreiten, auch aus Angst vor Chaos und politischer Instabilität?

Eins jedoch wird keine Gewaltherrschaft zerstören können: Die Sehnsucht nach Freiheit in einem – auch äußerlich unterdrückten – Menschen; die Sehnsucht, in Würde und Selbstbestimmung leben zu können.

Burkhard Budde

Kinder

Kinder

Auf ein Wort

Kinder sind willkommen

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Kinder sind willkommen 

Für viele Eltern gehören Kinder zum gemeinsamen Lebensglück. Sie erleben, dass Kinder ihr Leben positiv verändern und ihre Beziehung bereichern können, indem sie ihnen neuen Sinn und Freude schenken. Gerne nehmen Eltern ihre neue und gemeinsame Verantwortung für ihre Kinder wahr.

Auch wenn Kinder manchmal anstrengend und nervig sein können, stellen sie keine ständige Zumutung dar, indem sie die eigenen Bedürfnisse und Wünsche der Eltern total aus dem Takt bringen.

Kinder müssen auch keine ständige Belastung sein, selbst wenn sie über die Stränge schlagen, so dass Mitmenschen böse schauen oder „Psst“ zischen. Natürlich gibt es auch besondere ökonomische Herausforderungen für die Eltern, zum Beispiel im Blick auf neue Kosten wie für Kleidung, Betreuung, Hobbys sowie Einkommenseinbußen, wenn ein Elternteil weniger arbeiten kann. Und nicht immer sind großzügige und solidarische Großeltern zur Stelle, um mit „warmer Hand“ finanziell zu helfen oder selbst anzupacken, wenn Not in der Familie aufkommt.

Selbstverständlich sollten freie Bürger in einem freien Land selbst entscheiden dürfen, welches Lebensmodell sie wählen, in welcher Form von Beziehung oder wie sie leben möchten, so lange die Rechte anderer nicht verletzt werden. Es ist jedoch vor allem Sache der Eltern, wenn es darum geht, wer wieviel arbeitet oder wer sich insbesondere um die Kinder kümmert, wobei es zu einer echten Wahl gehört, dass es ausreichende und qualitativ überzeugende Kita-, Hort- und Schulbetreuungsplätze vor Ort gibt. Und zudem sollten geschiedene oder getrennte Väter und Mütter ihre Verantwortung für den Unterhalt ihrer Kinder ernst- und wahrnehmen.

Doch was wäre grundsätzlich eine Gesellschaft ohne Kinder? Auf Dauer würden nicht nur Institutionen wie Kitas oder Schulen überflüssig, sondern auch das wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Leben käme zum Erliegen – zum Beispiel der Arbeitsmarkt, die Sozialversicherungen oder das Vereins- und Verbandswesen. Und wer möchte tatsächlich auf kulturelle, soziale und politische Erneuerungen sowie auf Pionierleistungen zum Beispiel im Blick auf Gesundheit, Digitalisierung, Klima und Mobilität von Nachwuchskräften verzichten, die notwendig sind, um bewährtes Altes mit dem menschengerechten Fortschritt zusammenzuführen, um in der Gegenwart eine gemeinsame Zukunft zu gewinnen?!

Aber unabhängig von diesen Überlegungen sind Kinder keine Objekte der Eltern, des Staates oder der Gesellschaft, die für „gute Zwecke“ instrumentalisiert werden; sie sind kein Mittel zum Zweck. Sie sind Träger einer eigenen Würde und deshalb um ihrer selbst willen zu beachten und zu achten – von Eltern, vom Staat und von der Gesellschaft zu schützen sowie im Geiste der Hilfe zur Selbsthilfe, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu unterstützen und zu fördern.

Kinder haben das Potenzial, Werte und Normen, Überzeugungen und Haltungen, Geschichte und Erinnerungen einer Familie sowohl kritisch als auch anerkennend zu übernehmen und weiterzugeben sowie den Zusammenhalt einer Gesellschaft zu stärken. Sie können Brücken in die Zukunft schlagen.

Burkhard Budde