Wahlen

Wahlen

Auf ein Wort

Wahlen sind unverzichtbar

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Wahlen sind unverzichtbar 

Wegschauen und wegbleiben? Nur Schimpfen und verurteilen? Weil das Misstrauen und die Entfremdung zur Politik und zu Politikern zu groß geworden ist? Weil Kommunalpolitiker ohnehin nur wenig bewirken können und Kommunalpolitik nur ein Zerrspiegel der Landes- und Bundespolitik ist?

Dennoch lebt die freiheitliche Demokratie von einer unmittelbar spürbaren Vor-Ort-Politik sowie von freien und fairen Wahlen, die unverzichtbar wie die Luft zum Atmen sind. Ein Wechsel in der politischen Führung muss möglich sein, wenn man nicht in einem autoritären Staat leben will, der nur Scheinwahlen kennt. Der Bürger muss das letzte Wort behalten, wer politische Verantwortung (weiterhin) wahrnehmen soll. Nur in Parlamenten mit legitimierten Politikern und institutionalisierten Verfahrensregeln kann es bei der Suche nach dem Gemeinwohl zu einem gerechten Ausgleich von Einzel- und Parteiinteressen sowie zum Abwägen von Freiheit und Gerechtigkeit kommen.

Und Kommunalpolitik sollte nicht unterschätzt werden. Die kommunale Selbstverwaltung als Ausdruck der Gewaltenteilung in einem dezentralen und föderalen Staatsaufbau überzeugt mit ihrer besonderen Orts-, Bürger- und Sachnähe, durch persönliche Gespräche und Verwurzelungen in der Bevölkerung. Wo Menschen leben, nicht selten auch arbeiten und ihre Freizeit verbringen können, schlägt das Herz aller Politik und zugleich die Hohe Schule der Vertrauensbildung in die Demokratie. Vertrauen lässt sich nicht politisch herbeireden, gesetzlich anordnen, durch Belehrungen einfordern oder durch Beleidigungen herbeizaubern. Vertrauen wird jedoch geschenkt und kann wachsen, wo Bürger erleben, dass sich Politiker glaubwürdig um ihre Sorgen und Nöte kümmern; wo das beharrliche Bohren harter Bretter mit Leidenschaft und Augenmaß geschieht, wo mit persönlichem Rückgrat und einem humanen Kompass pragmatischer Vernunft der Zusammenhalt einer offenen Gesellschaft und die Zukunftsfähigkeit eines Ortes gestärkt und gefördert wird.

Kein Kommunalpolitiker muss schweigend am Katzentisch der Politik sitzen; alle können viel Gutes bewirken; zum Beispiel im Blick auf die soziale und wirtschaftliche, kulturelle und technische Infrastruktur insbesondere angesichts der Herausforderungen von Alterung und Geburtenrückgang, Abwanderung und Leerständen, Klimakrise und Extremismus sowie fehlender Finanzausstattung.

Wenn eine Stadt schrumpft, braucht sie neues Zutrauen in die Potenziale, die es bereits gibt, in die Kompetenz von Kopfarbeitern und Handarbeitern, in kreative Köpfe und flexible Hände. Wirtschafts-, Technik-, Gesundheits- und Tourismusförderung, Verbesserung elastischer Rahmenbedingungen sowie die Verbesserung der sozialen Lebensqualität vor allem jüngerer Menschen muss Chefsache werden – eine Führungsaufgabe von Bürgermeistern und Landräten im Zusammenspiel mit den Parlamenten und Verwaltungen.

Gemeinden und Städte können zu pulsierenden und lebenswürdigen Orten im fairen Wettbewerb miteinander werden, die ausstrahlen und anziehen, wenn Heimatliebe und Weltoffenheit miteinander verbunden sind und sich Anwälte des Gemein- und Bürgerwohls engagieren.

Die freiheitliche Demokratie bekommt durch Wahlen neuen Sauerstoff und neue Energie, um ein besonnenes und zugleich beflügelndes Zupacken zu ermöglichen und Lebensqualität für alle zu schaffen. 

Burkhard Budde

Zu alt? Zu jung?

Zu alt? Zu jung?

Auf ein Wort

Zu alt? Zu jung?

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Zu alt? Zu jung? 

Eine Person ist unsicher: „Bin ich nicht zu jung für eine bestimmte Aufgabe?“ Eine andere Person grübelt: „Bin ich nicht zu alt für eine Tätigkeit?“ Die Antwort liegt häufig im Auge des Betrachters: Was einer sich zutraut. Ob die Aufgabe (weiterhin) zu ihm passt, ihn weder unterfordert noch überfordert. Ob er die Erwartungen, die mit der Aufgabe verbunden sind, erfüllen kann. Und in welcher gesundheitlichen Situation er sich konkret befindet.

Das Alter als nackte Zahl ist noch keine Fahrkarte, die Fortschritt verspricht. Denn keiner kann genau wissen, wieviel Jahre einer auf dem Buckel haben muss, damit das Etikett „alt genug“ (oder „zu alt“) in seine Hand gehört, um eine Aufgabe produktiv (nicht) voranzubringen.

Manche Menschen erfahren leider ihr Alter oder ihr Altern als eine Art Abstellgleis. Angeblich reichen ihre Leistungen nicht aus oder sie werden im Zug des Lebens nicht gebraucht, obwohl sie bereit sind, Weichen neu zu stellen oder Gleise zu erneuern.

Andere leiden darunter, dass der Zug für sie verschlossen bleibt, weil sie wegen ihres Alters keine Chance erhalten einzusteigen. Und es für sie sinnlos erscheint, hinter einem abgefahrenen Zug herzulaufen.

Im Zug des Lebens werden jedoch sowohl jugendliche Frische und Dynamik als auch gereifte Erfahrung und Souveränität gebraucht. Jugendwahn lässt den Zug in die falsche Richtung fahren; Alterskult auf Dauer entgleisen.

Wenn Menschen – unabhängig von ihrem Alter – ständig in ihrer Blase oder in ihrer Nische bleiben, können sie sich nicht mehr austauschen, erfahren sie keine neuen Argumente, keine anderen Sichtweisen und keine neuen Perspektiven. Es gibt nur wenige Möglichkeiten der konstruktiven Auseinandersetzungen, der kritischen Selbstreflexion, der Selbstkritik und der Selbstkorrektur. Es gibt kein fruchtbares Neulernen, des miteinander und voneinander Lernens, auch nicht den Anderen außerhalb der eigenen Überzeugungsräume kennen und achten zu lernen sowie als Bereicherung zu tolerieren. Dafür viel Bereitschaft zur Arroganz und Gleichgültigkeit und wenig Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung für die Zukunft zum gegenseitigen Nutzen auf Augenhöhe und in Partnerschaft zu übernehmen.

Wer alles schon weiß und nicht mehr neugierig auf neue Erlebnishorizonte ist, verbaut sich zudem den Zugang zu einer besonderen Lebensweisheit, die für alle Menschen wichtig ist. Daran erinnert das Eingangsportal des Universitätsgebäudes der Lutherstadt Wittenberg, an dem ein junger Mann mit einer Sanduhr und einem Totenschädel zu sehen ist. Die Inschrift an diesem Portal verdeutlicht eine universelle Botschaft: „Hodie mihi, cras tibi“ (deutsch „Heute mir, morgen dir“). Sterben müssen eines Tages alle. Und das Leben kann kurz oder lang sein. Der Tod interessiert sich nicht für das konkrete Alter eines Menschen, nicht für seine Geburtsurkunde, seinen Geldbeutel, seine Titel, seine Reputation, auch nicht für sein Fachwissen und seine Kompetenz und seinen sozialen Status. Der Zug fährt weiter, mit und ohne Gäste, die alle sterblich sind. Aber wenn es im Zug der Zeit identitätsstiftende Räume gemeinsamen Lebens gibt, in denen ein bewusstes Leben in Liebe und Würde, in Freiheit und Gerechtigkeit, in Dankbarkeit und Besonnenheit gibt, kann frohmachender Sinn aufleuchten – „Heute mir, morgen dir“. Vielleicht wird auch das Wunder des Glaubens an eine ständige Verjüngung durch innere Reife und souveräne Freiheit erfahrbar – unabhängig vom Termin im Lebenskalender.

Burkhard Budde

Gute Wünsche

Gute Wünsche

Auf ein Wort

Gute Wünsche

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Gute Wünsche  

Wünsche, die von Herzen kommen, können wie zuverlässige Wegbegleiter und sogar Wegbereiter sein.

Sie sind wie Rosen: Ihre Knospen erblühen kräftig und prächtig. Ihre Farben faszinieren. Ihre Düfte betören. Ihre natürliche Schönheit ist einzigartig und begeistert ohne viele Worte. Herzen können aufgehen und Köpfe für neue Gedanken beweglich machen.

Zum bunten Strauß unterschiedlicher Wünsche gehören viele Blüten:

Gesundheit, die als dominierende Blüte Raum für viele Lebensmöglichkeiten und neue Perspektiven schenkt, auch für Träume und Sehnsüchte, Lebensfreude, Lebenslust und Lebensgenuss.

Geborgenheit, die als Blüte Gemeinschaft schafft, Halt und Orientierung gibt, indem sich das Ich im Du aufgehoben weiß, das vielfältige Wir das individuelle Ich in Würde mitträgt und erträgt. Und das Ich für das Wir eigene Verantwortung wahrnimmt.

Verbündete, die als Blüten gemeinsamen Lebens Fürsprecher sind, indem sie Ungerechtigkeiten widersprechen und solidarisch sind, zu verstehen versuchen, Verständnis entwickeln und Verständigung anstreben.

Glück, das als Blüte in dunklen Zeiten den Garten des Lebens erhellt, erwärmt und erneuert, indem es Luck (Glück haben) verspricht und Happiness (Glück verspüren) nicht vergisst, sondern ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben möglich erscheinen lässt.

Gelassenheit, die als Blüte immer wieder aufs Neue in stürmischen Zeiten wirkt, indem sie in aller Stille durch innere Ruhe schöpferische Kraft und elastische Widerstandsfähigkeit stärkt sowie Mut, Hoffnung und Vertrauen fördert. Und Gott – als Urquelle und wahrer Eigentümer des Gartens allen Lebens – das letzte Wort überlässt.

Jeden Tag gibt es viele Gründe zur Dankbarkeit, die das Leben vertiefen, weil sie den Blick auf das Gute und Bessere lenken. Zum Lächeln, das ein Leben bereichert, indem es Herzen berührt und einen Spalt öffnet. Zur Zuversicht, die ein Leben in Bewegung versetzt, weil sie sich nicht mit der Dunkelheit abfindet.

Jeden Tag kann es Herausforderungen geben: Wenn Disteln auftauchen, die stachelig sind, Negatives und Zerstörerisches verbreiten. Wenn Löwenzahn an unerwarteten Stellen auftaucht, wo er nicht willkommen ist, weil er als störend und unpassend empfunden wird. Und doch können Disteln eine eigene Besonderheit, Löwenzahn eine eigene Farbe haben. Und manche unbequeme und unerwünschte Blüten können im Nachhinein Sinn vermitteln, Reichtum und Leichtigkeit des Lebens zum Ausdruck bringen, indem sie mit ihren Spuren und Samen Träume in den ganzen Garten tragen und Sehnsüchte nach einer Freiheit in Würde aller wahr werden lassen.

Manche Wünsche verblühen. Aber manche behalten auch eine bleibende Bedeutung. Selbst wenn man wunschlos glücklich ist oder wahre Freundschaft und echte Liebe in guten wie in schlechten Tagen erlebt. 

Burkhard Budde

Fußball – eine Ersatzreligion?

Fußball – eine Ersatzreligion?

Auf ein Wort

Fußball- eine Ersatzreligion ?

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Fußball – eine Ersatzreligion? 

Fußball ist mehr als eine spannende Unterhaltung oder inszenierte Show. Mehr als ein kooperativer Mannschaftssport, ein großes Geschäft, ein Image- und Werbeträger einer Stadt oder eines Landes. Auch mehr als eine Bühne der großen und kleinen (Schein-)Mächtigen, die die Ideale des Sports wie Völkerverständigung und Chancengleichheit mit ihren Eigeninteressen in den Staub treten. Aber kann Fußball auch eine Ersatzreligion sein oder zu einer Religion werden?

Dass Religion und Frömmigkeit überhaupt eine persönliche und soziale Bedeutung haben können, zeigte das öffentliche Verhalten des Nationalspielers Felix Nmecha nach dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft. Er sprach von „Christen und Brüdern“. Und betete.

Auch die religiöse Sprache und das Verhalten mancher treuer Fans erinnert an Religion: Manche pilgern zu ihrem Tempel, wenn sie ein Stadion besuchen. Manche verehren ihre Helden wie Heilige, wenn sie mit leuchtenden Augen von ihren Fußballlegenden erzählen. Manche glauben fest und zuversichtlich an ihren Verein und ihre Mannschaft, wenn sie ihre Fangesänge lautstark und gemeinsam singen und skandieren, um die Stimmung anzuheizen.

Wer das nationale Deutsche Fußballmuseum in Dortmund besucht, kann sehr schnell in der „Hall of Fame“, der Ruhmeshalle, verzaubert werden: Spieler und Trainer, die ihre aktive Karriere mindestens fünf Jahre beendet haben, tauchen in eine Licht- und Medieninstallation ein. Ob sie mehr als Idole, Vorbilder, Identifikationsfiguren oder als Ersatzgötter gedeutet und erlebt werden, hängt vom Auge des Betrachters ab. Aber die Grenze zur Heldenverehrung, zur Vernebelung der Sinne, zum Wunschdenken, zum blinden Vertrauen, zum Glauben an Fußballgötter kann schnell überschritten werden, wenn der kritische Geist an der Garderobe abgegeben worden ist. Übrigens findet man im Museum auch Spuren des Lehrers und Fußballpioniers Konrad Kochs aus Braunschweig, der 1874 Fußball als Schulsport einführte und ein Regelheft mit „Abseits“ und „Tor“ einführte, das landesweit verbreitet wurde – ohne religiöse Bezüge, obwohl er Theologiestudent gewesen ist, aber mit pädagogischen, moralischen und erzieherischen Zielen. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass der gebürtige Braunschweiger und Spirituosenhersteller Günter Mast („Jägermeister“ Wolfenbüttel) untrennbar mit den Anfängen der Fußballgeschichte wegen der Trikotwerbung verbunden ist. Als erster Bundesligist war Eintracht Braunschweig am 24. März 1973 mit dem Jägermeister- Hirschen auf der Brust aufgelaufen. Da Trikotwerbung zunächst verboten war, ersetzte der Verein sein Vereinsabzeichen mit dem Firmenlogo, um eine neue Einnahmequelle zu erschließen. Nichtsdestotrotz hat das Jägermeister-Logo, das einen Hirschen mit einem leuchtenden Kreuz zwischen dem Geweih zeigt, eine religiöse Symbolik, indem es an die Legende des Hubertus von Lüttich erinnert, der bei einer Jagd einem Hirschen mit einem strahlenden Kreuz zwischen dessen Geweih begegnete – Grund für Hubertus, sich zu bekehren. Der Bischof aus dem 7. bzw. 8 Jahrhundert ging als Heiliger Hubertus, als Schutzpatron der Jäger, Förster, Waldarbeiter und wohl auch der Schützen in die Geschichte ein.

Wenn es auch historische und aktuelle Schnittstellen zwischen Fußball und Religion gibt, so findet der aufgeklärte Bürger Unterschiede. Der eine Gott der monotheistischen Religionen duldet keine Neben- und Ersatzgötter, keine Mächte, die einen Menschen total vereinnahmen und vernebeln, instrumentalisieren und versklaven wollen – sei es Geld oder Macht, Ruhm oder eben auch der Fußball. Der freie Schöpfer will freie Geschöpfe. Der Mensch hat die Freiheit, selbst zu bestimmen: Soll mein alleiniger und absoluter Lebensmittelpunkt der Fußball sein oder soll ich als Fan und Mensch mein Leben vor den souverän handelnden Gott bringen – vor oder nach den Spielen im Gebet, im Dank und in der Bitte. Gott ist zwar kein Schiedsrichter mit moralisierendem Zeigefinger, wohl aber eine Sinn- und Kraftquelle allen Lebens, aus der jeder Mensch neuen Halt und Trost, neues Vertrauen und  Mut zur Verantwortung sowie letzte Geborgenheit und Zuversicht schöpfen kann. Und diese unsichtbare Quelle kennen nicht nur, aber auch Fans und Spieler.

Burkhard Budde

 

Fußball – schönste Nebensache

Fußball – schönste Nebensache

Auf ein Wort

Fußball – schönste Nebensache

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Fußball – schönste Nebensache  

Warum lieben Fans die schönste Nebensache der Welt? „Im Fußballstadion erlebe ich spannende Unterhaltung und ein prickelndes Freizeitvergnügen.“, antwortet ein begeisterter Zuschauer, der fast jedes Spiel seines Vereins verfolgt. Das Spannendste bei vielen Spielen sei die Unvorhersehbarkeit seines Ausgangs. Aber auch das Gemeinschaftserlebnis auf Zeit mit unterschiedlichen Menschen jenseits aller sozialen und kulturellen Schranken fasziniere ihn: Wenn er sich im Hexenkessel der Gefühle gemeinsam mit anderen aufregt und wieder abregt, wenn sich fremde Menschen spontan umarmen und feiern, aber auch gemeinsam zittern, fiebern und Tränen vergießen – dann fühle er sich wie ein Kind, angenommen und aufgenommen, sowie unsichtbar getragen und ertragen.

Erwachsen gewordene Fußballfans können sogar „ausflippen“: Zuschauer, die in ihrem Beruf diszipliniert arbeiten, werden von Jubelstürmen und vom Applaus, aber auch von Buhrufen und Pfiffen mitgerissen. Die meisten Zuschauer, die in einer spezialisierten und arbeitsteiligen Welt leben, in der nur ein Fachmann Ahnung zu haben scheint, sind beim Fußballspiel plötzlich selbsternannte Schiedsrichter, die andere Meinungen und Deutungen ungern zulassen.

Oder Zuschauer, die im „wahren“ Leben durch einen anhaltenden und schnellen Wandel herausgefordert sind, sehnen sich nach einem Erlebnis wie dem Fußballspiel, das Leichtigkeit und Schweres, Kopfbälle und Bodenkämpfe miteinander verbindet. Und die eigenen überschäumenden Gefühle unkontrolliert – allerdings ohne Gewalt – erlaubt und „rauslässt“.

Die schönste Illusion auf Zeit, auf einer Welle zu schwimmen, Teil eines Vereins, einer Stadt oder einer Nation zu sein, hat auch Schattenseiten, die von Fußballmuffel betont werden: „Der Profifußball hat schon lange seine Unschuld verloren,“ erklärt einer von ihnen und weist auf Kommerzialisierung und Geschäftemacherei, Korruptionsaffären und Machtstrukturen scheinheiliger sowie dreister Funktionäre hin. Vor einem Spiel werde der Geist der Fairness und des Teamgeistes beschworen. Im Spiel selbst komme es jedoch darauf an, bei Fouls nicht erwischt zu werden. Nach dem Spiel würden sich Fans die Köpfe heißreden oder Rowdys die Köpfe einschlagen, indem begeisterte Fankultur in aggressive Unkultur oder sogar in Gewaltorgien  umschlägt. Lichtgestalten, wenn sie auf Dauer erfolglos seien, würden wie heiße Kartoffeln fallen gelassen. Der Sozialneid angesichts der wahnwitzigen Geldsummen beim Einkauf oder Verkauf von Spielern sitze locker und könne beim Verdacht von Geldgier und mangelnder Transparenz bei Unregelmäßigkeiten schnell geweckt werden. Und einen Helden schnell vom Sockel holen, um ihn und seine ganze Lebensleistung in den Staub zu treten.

Allerdings gibt es neben Fußballfans, Fußballmuffel und Fußballrowdys auch an Fußball Interessierte, besonders anlässlich einer Fußballweltmeisterschaft. Aus höflichem Desinteresse kann neugieriges Interesse werden, wenn Bürger sich mit ihrer Nationalmannschaft verbunden fühlen. Und der Funke der Begeisterung für den Fußball kann bei ihnen überspringen, wenn am letzten großen Lagerfeuer unserer auseinanderdriftenden Gesellschaft ein friedlicher Wettkampf nach Regeln stattfindet, um den Besten zu küren. Und alle Fair Player können mit Anstand, Würde und gegenseitigem Respekt gewinnen oder verlieren, ohne hochmütig zu werden oder den Beleidigten zu spielen. Im Sieg, vor allem aber in einer Niederlage zeigt sich die wahre Größe eines Meisters. Und eine Nebensache wird dann nicht zur tragischen Hauptsache, sondern bleibt schönste und frohmachende Nebensache.

Burkhard Budde

Vorbilder

Vorbilder

Auf ein Wort

Gelebte Vorbilder gesucht

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Gelebte Vorbilder gesucht

Sind Vorbilder seltener geworden? Personen, denen viele „aus guten Gründen“ Vertrauen schenken? Werden Personen des öffentlichen Lebens, aber auch „liebe Mitmenschen“ solange durchleuchtet und beobachtet, bis Schwachstellen auftauchen? Wird ein nahezu „korrektes und perfektes Leben“ vom anderen erwartet, das selbst nicht eingehalten wird oder werden kann? Ist die öffentliche Suche nach Fehlern und Widersprüchen zum Volkssport geworden? Wächst gerade eine Kultur des Misstrauens –  im Fern- und Nahbereich, aber auch im Blick auf demokratische Institutionen?

Kein Vertrauen haben sicherlich nervige Quälgeister verdient, die stets alles besser wissen oder können, ständig nörgeln und meckern, beharrlich provozieren und sarkastische Anmerkungen wie am Fließband produzieren. Und nicht merken, dass ihr eigenes Verhalten anderen auf die Nerven geht.

Auch wird Personen nur begrenzt vertraut, wenn sie ein Lied mit gespaltener Zunge singen. Wenn keiner genau weiß, wie der Sänger selbst über das Lied denkt und wann er genau ein neues Lob- oder Klagelied anstimmt.

Manche lernen an negativen Vorbildern eigenes Selbstvertrauen. „Mein Vater suchte ständig Trost im Alkohol“, erzählt eine Person und ergänzt: „Ich versuche, anders mit Problemen umzugehen.“ Ein anderes erwachsen gewordenes Kind möchte nicht so werden wie ihre Verwandten, die wegen jeder Kleinigkeit gestritten haben: „Meine Lebenszeit ist zu kostbar. Es gibt Wichtigeres und Schöneres. Und ich muss in Konflikten nicht immer das letzte Wort haben.“

Und warum sollte ein aufgeklärter Mensch, der selbstständig denken kann, sich blenden und verführen lassen – von süßen, aber vergifteten und leeren Versprechungen? Von brutalen Vorbildern mit Heiligenschein und historisch falschen Deutungen? Muss sich ein denkender und freier Mensch in der glühenden Sonne von Fanatikern sonnen, weil sie einfache Lösungen komplexer Probleme propagieren? Auch wenn dadurch jegliche Vernunft und Menschlichkeit, sozialer Zusammenhalt und ein Miteinander verbrennen?

Vor allem jedoch sind gute Vorbilder gefragt: Menschen, die nicht nur freundlich und hilfsbereit, verlässlich und verbindlich sind, sondern auch die Werte wie Fairness und Aufrichtigkeit, Mitgefühl und Toleranz leben – so vorleben, dass sie glaubwürdig vermittelt werden können.  

Gute Vorbilder sind keine perfekten Maschinen oder Helden der Moral, die es nicht gibt. Aber gute Vorbilder können aus eigenen Fehlern lernen und den Kurs ihres Lebens ändern – mutig und freiwillig, aus guten Gründen der Vernunft und Barmherzigkeit. So dass Mitmenschen sagen „So möchte ich auch werden.“ Sie leben Entwicklung vor, was möglich ist und was werden kann. Und können mit ihrer lernenden Kompetenz und ihrem ansteckenden Optimismus dem Gemeinwohl dienen.

Ein öffentliches Amt macht aus einem Menschen nicht automatisch ein gutes Vorbild. Aber es wird zu Recht erwartetet, dass Amts- und Würdenträger mit gutem Beispiel vorangehen, rechtstreu und gesetzestreu, korruptionsfrei und unabhängig von Ichsucht sind. Und in ihrem Leitungsamt Maß und Mitte, Ausgleich und Kompromiss suchen, vor allem dass sie verantwortungsbewusst leben, d. h. öffentlich Antwort geben können auf ihr Reden, Tun und Lassen. Dass sie nicht nach Launen, Bequemlichkeit oder Vorlieben führen und gestalten, sondern nach Werten, die verbinden und Regeln, die für alle gelten, sowie nach politischen Inhalten, die dem Lebensraum aller eine Zukunft geben. Die mit vorbildlichem Verhalten zugleich Bergführer und Wegweiser sind. Und jeder sie an ihren Taten und Früchten erkennen und ihnen vertrauen kann.           

Burkhard Budde