Kluge Appelle

Kluge Appelle

Moment mal

Kluge Appelle

Rote Kerze mit Flamme

Sind Appelle immer nur heiße Luft, zu allge­mein, zu unver­bindlich? Oder wie Süßholz­raspeln, um andere Menschen zu streicheln, vor allem zu gewin­nen? Aber ohne allzu großen Erfolg?!

Bei manchen Mit­menschen gehen selbst dringende Appelle ins eine Ohr hinein und wenig später durch das andere Ohr wieder heraus. Wie bei einer Stich­flamme gibt es beim Hören nur ein kurzes (Auf-)Flackern; dann ist alles wieder beim Alten.

Bei anderen Menschen entfachen flam­mende Appelle nur ein Stroh­feuer: Gefühle werden zwar bewegt, aber trotz der anfäng­lichen Begeiste­rung dringen sie nicht tief, weit und lang genug ins Bewusst­sein vor. Und können das eigene Denken nicht durch­dringen.

Auch ist es möglich, dass unver­bind­liche Appelle einen geistigen Schwel­brand verur­sachen, der glimmt, aber nicht zum Brennen kommt. Weil der Hörer kein Vert­rauen in den Appellie­renden hat. Es fehlt einfach genü­gend Sauer­stoff, Offen­heit und Glaub­würdig­keit. Und vielleicht existieren auch schlechte Erfah­rungen mit ähn­lichen Appellen oder ähn­lichen Appellie­renden.

Klar, wer seine Ohren mit Vor­urteilen zustopft, hört nichts. Und wer nur das hört, was er hören will, weil es ihn bestä­tigt, hört nichts Neues. Aber einmal ehrlich: Kann man nicht auch Appelle hören, die dem eigenen und fremden Leben dienen (könnten), die ein­leuchten, nach­voll­ziehbar und damit not­wendig sind?

Kluge Appelle an die Vernunft – den gesunden Menschen­verstand – und zugleich an das Gewissen – an das mensch­liche Herz – können Not wenden. Sie ent­zünden gleich­sam ein inneres Lager­feuer, das die Kälte einer Seele erwärmt, die Dunkel­heit des Geistes erleuch­tet und träge Füße des sozialen Mitein­anders bewegt.

Und die Liebes­erklärung Gottes „Jeder Mensch ist unend­lich geliebt“, die nicht täuschen oder über­rumpeln will, kann durch notwen­dige Appelle an die Mensch­lichkeit und unan­tast­bare Würde einen Flächen­brand auslösen – politische Verant­wortung sowie den Kampf um mehr Frei­heit und Gerechtig­keit.

Burkhard Budde

(auch veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 19.9.2020)

Wait a minute

Clever appeals

Gelbe Kerze mit Flamme

Are appeals always just hot air, too general, too non-binding? Or like sweet talk to caress other people, especially to win? But without too much success?!

In some people, even urgent appeals go in one ear and out the other a little later. As with a tongue-in-cheek flame, there is only a brief (up-)flickering when listening; then everything is as it was before.

In other people, flaming appeals only ignite a straw fire: feelings are moved, but despite the initial enthusiasm, they do not penetrate deep, far and long enough into consciousness. And cannot penetrate their own thinking.

It is also possible that noncommittal appeals cause a mental smouldering fire that smoulders but does not burn. Because the listener has no confidence in the person making the appeal. They simply lack sufficient oxygen, openness and credibility. And perhaps there are also bad experiences with similar appeals or similar appellers.

Of course, if you plug your ears with prejudices, you won’t hear anything. And those who only hear what they want to hear because it confirms them, hear nothing new. But let’s be honest: Can’t we also hear appeals that (could) serve our own and other people’s lives, that are plausible, comprehensible and therefore necessary?

Clever appeals to reason – to common sense – and at the same time to conscience – to the human heart – can turn trouble around. They ignite, as it were, an inner campfire that warms the coldness of a soul, illuminates the darkness of the spirit and moves sluggish feet of social togetherness.

And God’s declaration of love „Every human being is infinitely loved“, which does not want to deceive or take people by surprise, can trigger a conflagration through necessary appeals to humanity and inviolable dignity – political responsibility as well as the fight for more freedom and justice.

Burkhard Budde

(also published in the Westfalen-Blatt in East Westphalia and Lippe on 19.9.2020)

Bewegendes Spiel

Bewegendes Spiel

Kunstwerk von Marion Dollenberg, Wolfenbüttel

Kunstwerk von Marion Dollenberg, Wolfenbüttel

Moment mal

Bewegendes Spiel

Nur ein Spiel unter­schied­licher Haltungen? Ein Garten­zwerg – der nur gute oder schlechte Mit­spieler kennt, lebt in einer schein­bar heilen Welt. Rumpel­stilzchen – will unerkannt bleiben, aber nichts einge­stehen, verstehen und wissen. Herkules – der als helden­hafter Spiel­macher auf der Bühne erscheint, fordert zwar mehr Brot für alle, denkt aber nur an sein eigenes gefülltes Wein­glas. Eine Prima­donna – die unbedingt die Haupt­rolle haben will, spricht hinter den Kulissen verächt­lich über andere.

Verwundert fragt sich ein Zuschauer: Ist das nicht alles ein mieses Spiel?

Im wirklichen Leben, das mehr als Spielerei ist, gibt es zum Glück auch Mit­spieler, die über den Garten­zaun hinaus blicken können, die ihren Namen nicht ver­heim­lichen und Gesicht zeigen, die ver­suchen glaub­würdig zu sein.

Es gibt im Spiel des Lebens die Chance auf eine gemein­same Kultur:

  • Höflichkeit als Visitenkarte gehört dazu, damit eine Begeg­nung gelingt.
  • Freundlichkeit als Kitt, damit Wer­tschätzung erlebbar ist.
  • Gesprächsbereitschaft als Brücke, damit eine Beziehung erfahrbar ist.
  • Bereitschaft zur Empathie als Türöffner, damit Verstehen möglich wird.
  • Bereitschaft zur Fairness als Wegweiser, damit Wege zur Wahrheit gesucht werden.
  • Bereitschaft zur Verant­wortung als Schlüssel, damit der Raum zur Verstän­digung aufge­schlossen wird.
In diesem spannenden Spiel, in dem jeder Spieler mal Gewinner mal Verlierer sein kann, werden alle gebraucht, sind alle auf­einander ange­wiesen und alle mit­einander unter­wegs.

Und bequeme Schwarzweiß­malerei, lieb­gewor­denes Schub­fach­denken und denk­faule Gewohn­heiten können leichter über­wunden werden, wenn sich alle ihrer Geschöpf­lich­keit, Fehler­haftig­keit, Ver­letzlich­keit und End­lich­keit bewusst bleiben.

Die Energie des christlichen Glaubens kann Haltungen ver­ändern: Wer frei­willig vor dem leben­digen Gott auf die Knie geht, wird von seinem Geist der Liebe aufger­ichtet. Und kann vor Menschen aufrecht gehen – auf Augen­höhe, mit Rück­grat und mit dem Rücken­wind der liebenden Vernunft.

Burkhard Budde

(veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 12.9.2020)

Wait a minute

Moving game

Just a game of different attitudes? A garden gnome – who only knows good or bad players – lives in a seemingly intact world. Rumpelstiltskin – wants to remain unrecognized, but wants to admit, understand and know nothing. Hercules – who appears on stage as a heroic playmaker, demands more bread for everyone, but thinks only of his own filled wine glass. A prima donna – who absolutely wants to have the leading role, talks contemptuously about others behind the scenes.

In astonishment a spectator asks himself: Isn’t all this a lousy game?

In real life, which is more than just a game, there are fortunately also players who can look beyond the garden fence, who do not hide their name and show their face, who try to be credible.

In the game of life there is the chance of a common culture:

  • Politeness as a business card is part of it, so that an encounter is successful.
  • Friendliness as putty, so that appreciation can be experienced.
  • Willingness to talk as a bridge, so that a relationship can be experienced.
  • Willingness to empathy as a door opener, so that understanding becomes possible.
  • Readiness for fairness as a signpost, so that ways to the truth are sought.
  • Readiness for responsibility as a key, so that the space for understanding is opened up.

In this exciting game, in which every player can be a winner or a loser, everyone is needed, everyone depends on each other and everyone travels together.

And comfortable black-and-white painting, cherished drawer thinking and lazy habits can be overcome more easily if everyone remains aware of their creatureliness, flawedness, vulnerability and finiteness.

The energy of Christian faith can change attitudes: Whoever voluntarily kneels before the living God is lifted up by his Spirit of Love. And can walk upright before people – at eye level, with backbone and with the tailwind of loving reason. 

Burkhard Budde

(also published in the Westfalen-Blatt in East Westphalia and Lippe on 12.9.2020)