Coole Temperaturen

Coole Temperaturen

Moment mal

Coole Temperaturen

Von Burkhard Budde

Erholung von der Hitze

Urlaub auf einer Insel

Viele reden von der Hitze. Erholungssuchende zum Beispiel auf der Insel Sylt im Juli 2023 manchmal von coolen Temperaturen; unter 20 Grad: Zeit zum mentalen Abkühlen, Zeit zum Ausatmen stressiger Gefühle, Zeit zum Durchatmen bei der Lektüre eines Buches oder einer Zeitung, Zeit zum Einatmen zweckfreier Erlebnisse beim Beobachten und Schauen.

Das Meer ist und bleibt beim unberechenbaren Spiel rauschender und manchmal auch fast schweigender Wellen ein faszinierendes Geheimnis: In grenzenloser Weite und in unbekannter Tiefe sowie in bewegter und bewegender Einheit mit Wolken, Luft und kreischenden Möwen warten Wahrheiten, die in der Seele des Betrachters manchmal an die Oberfläche gespült werden, um anschließend sofort wieder in rätselhafter Dunkelheit zu verschwinden.

Aber für einen Augenblick berührte ein Tropfen der Ewigkeit das unsichtbare Auge und leuchtete blitzartig im Sichtbaren auf. Die Sehnsucht nach unendlicher Freiheit fand in der Endlichkeit aller Möglichkeiten ihr Glück, das die Zeit scheinbar genussvoll anhält.

Burkhard Budde

Ewiges Haus

Ewiges Haus

Moment mal

Ewiges Haus

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Ewiges Haus 

Im Haus seines Lebens lief fast alles rund. Aber plötzlich war alles anders. Das Hamsterrad des Alltags geriet ins Stocken. Der weite Mantel des Berufes, auf den der Computerexperte so stolz war, wurde zur einengenden Zwangsjacke, da er nicht mehr klar denken konnte. Die Töne des Verstandes, die ihn bewegten, hatten sich in ein Trommelfeuer wechselnder Gefühle verwandelt. 

Was war geschehen? Sein geliebter Bruder war aus dem Leben gerissen worden. Sein erschüttertes Leben war aus den Fugen geraten. Gut gemeinte Worte wie „Er ist bei Gott geborgen“ und „Es gibt bei Gott einen versteckten Sinn“ zerplatzten wie schillernde und schwebende Seifenblasen bei der Berührung mit einem Stoff. 

Gab es für ihn keinen Trost? Ein seltsames Bild entstand in seinem Kopf, als würde er im Nebel nach einem Geländer tasten, das ihm etwas Halt geben könnte. Sollte Gott vielleicht mit einem universellen Megarechner verglichen werden können? Der viele Millionen Speicherzellen kennt und schöpferische Möglichkeiten hat? Deshalb keine einzige Info löscht, sondern die kleinstmögliche Einheit nur in einen anderen Ordner ablegt, wenn ihre Zeit gekommen ist? 

In der Nacht nach seiner verzweifelten Suche nach Antworten hatte er einen Traum. Auf dem Weg durch einen Wald mit unbekannten Geräuschen war es sehr kalt und so finster, dass er sich fürchtete. Da sah er in der Ferne ein Licht. Als er sich ihm genähert hatte, stand er vor einem lichtdurchfluteten Haus. Zunächst suchte er vergeblich einen Eingang, bis er eine Tür fand, die einen Spalt geöffnet war. Er musste sich klein machen, um hindurchzukommen. Aber als er sich dann wieder aufrichtete, war er überwältigt von der Eingangshalle – überall Licht, das nicht blendete und ein wohltuender Wärmestrom, der ihn erfasste. Alle Räume des Hauses hatten offene Türen. Und er hörte Stimmen von Verstorbenen, die er gut kannte. Einer sagte wie beglückt: „Jetzt verspüre ich keine Schmerzen.“ Eine andere Stimme pries ihr neues Zuhause: Hier gebe es keine Konflikte und keinen Streit. Auch erlebe sie hier keine Neid- und Rachegefühle, keine Gier und Selbstsucht, keine Heuchelei und Doppelmoral – kein diesseitiges Programm der Boshaftigkeiten mit dem Ehrgeiz, selbst Licht zu sein. Und eine weitere Stimme mahnte noch, man könne in dieses Haus nichts mitnehmen, kein Geld, kein Vermögen, keinen Ruhm, keinen Erfolg, keine Macht, keine Sicherheit, auch keine Klugheit und kein Spezialwissen. Und auch keinen Computer. 

Da erschrak der Computerexperte und wurde wach. Hatte er einen kleinen Vorgeschmack auf eine geistliche Wohlfühloase oder nur eine seelische Fata Morgana erlebt? Wenn die „gut gemeinten Worte“ (siehe oben) im Gottvertrauen doch wahr werden sollten? Und er dachte über die Stimme Jesu nach: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Sonst hätte ich euch nicht gesagt: Ich gehe hin, um dort alles für euch vorzubereiten.“ (Joh 14,2) Wenn sein Bruder im Hause Gottes ist, dann könnte auch er dort seine Wohnung finden? 

Auf jeden Fall war ihm klar geworden, dass sein Computer zwar eine gewisse Genugtuung schenkt, aber keine zuversichtliche Gewissheit auf ein unsichtbares Leben in liebender Fülle – auf ein ewiges Haus.

Burkhard Budde 

Veröffentlicht am 30. Juli 2023 im Wolfenbütteler Schaufenster in der Kolumne „Auf ein Wort“

Ideologe?!

Ideologe?!

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Befreiung von Fesseln

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Befreiung von Fesseln 

Kennen Sie einen Ideologen? Rückfrage: Wer ist ein Ideologe?

Ein „weltfremder Theoretiker“, wie ein Wörterbuch meint, der einen Nagel vor allem schief, gar nicht oder nur verletzt in die Wand bekommt? Ein fanatischer Schwärmer, der seine „kranke“ Mitwelt in eine „heile“ Sonderwelt mit Heilsversprechen zwingen will?

Wohnt ein Ideologe in einem Luftschloss, in dem unrealistische Träume gepflegt werden, die soziale Albträume bewirken können? Oder lebt er abgekapselt und abgehoben in einem Elfenbeinturm, wo es nur eine Wirklichkeit gibt, mit der allerdings die Herrschaft über die Umwelt anstrebt wird?

Überall sind Menschen mit ideologischen Brillen anzutreffen, die mit missionarischem Eifer moralisieren: Die genau wissen, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört; wobei sie selbst natürlich zu den Guten zählen. Für die die ideologisch gefüllte Freiheit ihrer Community wichtiger ist als die Freiheit des Individuums, anders zu denken und sich auch selbstbestimmt weiter zu entwickeln. Die aus ihrer Weltanschauung eine Ersatzreligion gemacht haben, die Andersdenkende nicht hinterfragen, sondern huldigen sollen.

Ein Studienkamerad von mir, den ich 1973 kennenlernte, war auch ein Ideologe; aber einer, mit dem ich mich menschlich gut verstand. Beim Glas Bier in der Kneipe konnten wir uns über den unnahbaren „Herrn Professor“ amüsieren, der gerne die Insignien seiner Macht über „unwissende Studenten“ zelebrierte. Oder wir schmunzelten über den gespielt lässigen „Kumpel Professor“, der beliebt sein wollte, aber unter ihren kritischen Rückfragen litt.

Auch wissenschaftlich arbeiteten mein Studienkamerad und ich gut zusammen. Neugierig und wissenshungrig untersuchten wir z. B. alte Texte, analysierten sie mit wissenschaftlichen Methoden vom historischen Zusammenhang her, reflektierten ihre Entwicklung und fragten nach ihrer Relevanz für die heutige Zeit.

Nur „ideologisch“ taten sich zwischen uns Welten auf. Er war Mitglied der Deutschen Friedens-Union (DFU), die finanziell von der SED gefördert wurde und ihn regelmäßig zu Seminaren nach Ostberlin einlud. Leidenschaftlich nahm er Partei für den damaligen „sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern“. Die DDR sei ein deutscher „Friedensstaat“. Und die liberale Demokratie in der Bundesrepublik, die Soziale Marktwirtschaft sowie die offene Gesellschaft stellte er radikal in Frage.

Mit Argumenten konnte ich ihn nicht überzeugen. Deshalb regte ich an – wenn es wirklich auch in der DDR die von ihm behauptete Meinungsfreiheit gebe -, beim nächsten DFU-Seminar die Frage nach dem Sinn der innerdeutschen Grenze sowie nach der Reisefreiheit zu fragen. „Kein Problem!“, sagte er. Aber er ist nie wieder nach Ostberlin zur Kaderschulung eingeladen worden.

Mein Kamerad war durch diese Erfahrung geläutert. Er trat aus der DFU aus. Er hatte selbstständiges Denken kennengelernt, vor allem die Befreiung von den Fesseln einer Ideologie erlebt, die das unabhängige Denken blendet, bevormundet, einengt und unbeweglich zu machen versucht.

Für ihn öffnete sich ein Bildungsfenster: Möglich wurden eine freie Meinungsbildung, eine kritische Würdigung unterschiedlicher Quellen, zudem Selbstkritik und Selbstkorrektur, auch Herzensbildung. Denn als Christ wusste er: Stärker als eine Ideologie ist die Liebe, die persönliche Verantwortung vor Gott und dem Nächsten.

Burkhard Budde

Urlaub

Urlaub

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Erholsame Auszeit

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Erholsame Auszeit 

Tiere, die heimatlos sind, machen keinen Urlaub. Auch kennen weder Mücken, die lästig sind, noch Zecken, die Blut saugen, Festtage („Feriae“) wie früher die wohlhabenden Römer. Oder Bienen, die fleißig sind, Ferien zur Erholung wie heutige Arbeitnehmer. Auch erhalten Esel, Kamele oder Elefanten, die unfreiwillig und ungefragt Lasten tragen und ertragen müssen, nicht einfach Urlaub („urloup“), die Erlaubnis zur grenzenlosen Reisefreiheit. Nur fiktive Tiere können ihre Rucksäcke packen, um in der Ferne Abenteuer und Wohlbefinden zu suchen.

Viele Menschen ticken anders als Tiere: Die Ferien oder der Urlaub beginnen bereits häufig mit einem Schnelltransport zum ersehnten Urlaubsziel. Nicht selten werden bei vielen die Nerven strapaziert, wenn sie zusätzlichen Stress erleben, der bei Warteschlangen oder Staus entsteht. Oder sie fühlen sich wie ihr Reisegepäck, wenn die bewusste Raumerfahrung des Weges durch die beschleunigte Schnelligkeit verloren geht.

Zum Glück wollen nicht alle Reisenden beim Wettkampf um die schönsten Ferienparadiese Weltmeister werden – immer öfter, immer länger, immer weiter weg reisen, um anschließend zu Hause mit den erfüllten Leistungsbeweisen prahlen zu können. Viele kennen die Schattenseiten und Gefahren der Reizdichte exotischer Urlaubsziele: Zum Beispiel Bergtouren, bei denen sie sich selbst überschätzen können. Auswirkungen auf die Umwelt und die Einheimischen, die nicht selten unterschätzt werden. Die beschämende Beobachtung, wenn sich Urlauber aus dem Land der Dichter und Denker wie Eroberer aufführen und krakeelend mit ihren Bierdosen die ersehnte Ruhe stören. Oder der groteske Versuch, den großen Weltbürger in einer Hotelwelt zu spielen, aber sich wie ein besserwisserischer Kleingeist in Sandalen zu bewegen. Und sich beim Trinkgelage zum Affen zu machen. Oder genau den Stress und die Hektik, die eigentlich zu Hause bleiben sollten, in der Fremde zu begegnen. Vielleicht auch, weil man ihn mitgebracht hat.

Nichtsdestotrotz: Es gibt einzigartige Schönheiten in fernen Paradiesen, begeisternde Sehenswürdigkeiten in fremden Städten, atemberaubende Blicke in unbekannte Natur- und Bergwelten, erfrischendes Faulenzen im bunten Strandleben. Selbst im Leerlauf kann der Urlaubshungrige die Zeit genießen, sich verwöhnen und verzaubern lassen. Und seinen Akku mit neuer Energie aufladen.

Das gilt allerdings auch für den Urlaub zu Hause, für Exkursionen durch den Nahraum, zu Fuß oder per Rad. Ein intensives Selbsterlebnis kann ein Umherstreifen durch Wald und Flur sein. Oder eine echte Bereicherung ein Ausflug in ein nahegelegenes Erholungsgebiet.

Stets kommt es wohl auf die Freiheit an: Nicht ein „tierischer“ Zwang sollte bei der Frage einer Auszeit vom Alltag die entscheidende Rolle spielen. Wohl aber das persönlich Sinnvolle und Verantwortbare, vor allem das zweckfreie Lebensdienliche im Rahmen der eigenen Möglichkeiten.

Burkhard Budde

Veröffentlicht in der Kolumne „Auf ein Wort“ im Wolfenbütteler Schaufenster

in der Region Wolfenbüttel am 16.7.2023

 

Weimar

Weimar

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Literaturpreis für Lutz Seiler

Von Burkhard Budde

Der Freiheit das Wort geben

Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung 

Der Schriftsteller und Lyriker Lutz Seiler – bekannt durch seine Gedichte und Essays, aber auch durch die Romane „Kruso“ und „Stern 111“ – hat den diesjährigen Literaturpreis der Konrad- Adenauer-Stiftung (KAS) erhalten. 

Prof. Dr. Norbert Lammert, Vorsitzender der KAS, betonte während einer Feierstunde im Weimarer Schloss Belvedere am 2. Juli 2023, dass Lutz Seilers großes Thema das „Suchen und Finden von Freiheit“ sei. 

Auch die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Prof. Dr. Marion Ackermann, die die Laudatio auf den Preisträger hielt, unterstrich den Freiheitsgedanken sowie die bildgewaltige Sprache des Schriftstellers, die durch die Kraft der Imagination den Weg der Freiheit aufzeige. 

Der Preis, der zum 30. Mal in Weimar vergeben worden ist, wurde vom ehemaligen Thüringer Ministerpräsidenten Prof. Dr. Bernhard Vogel ins Leben gerufen. 

Bernhard Vogel, der eine Schülerin des Musikgymnasiums auszeichnete, würdigte gleichzeitig die politische Bildungsarbeit der KAS sowie der übrigen politischen Stiftungen, die angesichts der gegenwärtigen Situation in Thüringen besonders wichtig sei. 

Mitglieder der Literaturpreis-Jury sind Prof. Dr. Oliver Jahraus, Sandra Kegel, Prof. Dr. Birgit Lermen, die ehemalige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht MdL, Prof. Dr. Friedhelm Marx und Dr. Wolfgang Matz.

Für die Konzeption seitens der KAS ist Prof. Dr. Michael Braun verantwortlich. 

Die Stadt Weimar atmet auf Schritt und Tritt historisches Erbe. Steinerne Erinnerungen an Goethe und Schiller, an Wieland und Herder grüßen, fangen an zu sprechen, wenn sich die Weimarer Klassik in den Räumen vorstellt. 

Die Stadtkirche St. Peter und Paul mit dem Cranachaltar oder die Herzog- Amalia- Bibliothek als „Grünes Schloss“ sind nur zwei Beispiele für die Vielfalt und Fülle der Schätze, die gehoben werden können und stets Spuren beim Besucher hinterlassen.

Und haben immer eine Botschaft, die die Gegenwart in ein neues Licht stellt.

Auch das gab es am Wochenende in Weimar: Ein Konzert in der St.Peter und Paul Kirche