Meer im Harz

Meer im Harz

Ausstellung von Kathrin Weiher

„Inspiration Blau – vom Meer zur Abstraktion“

Von Burkhard Budde

Das Meer im Harz

Ausstellung von Kathrin Weiher 

Das Meer ist zurück – jedenfalls künstlerisch in der Ausstellung „Inspiration Blau – vom Meer zur Abstraktion“ von Kathrin Weiher, von 2010 bis 2015 Erste Kreisrätin im Landkreis Goslar und von 2015 bis zu ihrer Pensionierung 2021 Kultursenatorin der Hansestadt Lübeck.

Die Ausstellung der gebürtigen Braunschweigerin im Schwiecheldthaus in Goslar, eine historische Stadt mit mittelalterlichem Charme und Esprit, beschäftigt sich überraschenderweise mit dem Thema Meer, nicht mit dem Thema Berge, Gebirge Wälder, Wiesen.

Nicht alle wissen, dass im Erdaltertum vor etwa 400 bis 300 Millionen Jahren ein warmes Flachmeer die ganze Region bedeckte, das jedoch vor etwa 300 Millionen Jahren verschwand, aber viele Spuren wie den Rammelsberg hinterließ.

Bis heute ist die  „Liebe zum Meer“ – ob man im Harz oder in Lübeck tätig ist – geblieben, jedenfalls bei Kathrin Weiher, die den Anspruch hat, „Gefühle, die ich habe, in meiner Kunst zum Ausdruck zu bringen“. 

Ihre inspirierenden und sprechenden Werke einer großen Liebe, die noch bis Mitte September im Schwiecheldthaus zu sehen sind, wurden nicht nur von Kulturmanagerin Carla Reuter bei der Vernissage gewürdigt, sondern auch von zahlreichen Gästen.

Der aufmerksame Betrachter kann über eigene Assoziationen im Zusammenspiel mit künstlerischen Abstraktionen beim Abtauchen in die Weite und Tiefe sowie Vielfalt und Dynamik des Meeres das Meer mit neuen Augen sehen lernen. 

Burkhard Budde

Patientenwahrnehmung

Patientenwahrnehmung

Auf ein Wort

Patientenwahrnehmung

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Im Auge eines Patienten

Vieles liegt im Auge des Betrachters. Ein und dieselbe Person kann unterschiedlich wahrgenommen werden – engagiert und hilfsbereit, höflich und freundlich, aber auch lustlos und antriebslos, gestresst und genervt. Relativ selten trifft man wohl eine Schwester oder einen Arzt im Krankenhaus an, die von vielen sogar als humorvoll erlebt werden. Weil echter Humor eine Kunst ist, Störenfriede zu entlarven und eine Situation von Verkrampfungen zu befreien, vor allem weil Humor ein Rettungsring sein kann, an dem man sich festhält, wenn es im Sturm des Lebens nichts mehr zu lachen gibt. Aber niemand kann immer humorvoll sein.

Rolf ist mit den medizinischen und pflegerischen sowie Serviceleistungen im Krankenhaus zufrieden, andere weniger. Aber warum wird häufig nur hinter vorgehaltener Hand eine Organisation kritisiert? Gibt es Ängste vor Nachteilen? Warum bilden Patienten eine verschworene Gemeinschaft, ohne ehrlich und offen über ihre Eindrücke mit den Mitarbeitenden zu sprechen? Fehlt die Zeit zum Austausch? Warum nehmen manche Patienten, die kein soziales Netz oder familiäre Unterstützung haben, alle Maßnahmen ohne kritische Rückfragen einfach so hin? Ist blindes Vertrauen eine Überlebensstrategie? Warum verstehen sich einzelne Angehörige wie Helikopter, die sich für kurze Zeit in der Welt des Krankenhauses aufhalten und möglichst alles kontrollieren oder kommentieren wollen, dann aber wieder verschwinden und ihren Patienten mit mehr Fragen als Antworten zurücklassen?

Rolfs Erfahrungen sind zu Beginn seines ersten Krankenhausaufenthaltes dramatisch (gewesen). Mit hohem Fieber, Schüttelfrost und Schwindelgefühlen kommt er in die Notaufnahme. Er erhält eine Nummer. Kurze Zeit später füllt ein freundlicher Arzt mit ihm gemeinsam ein Formular aus und ordnet Blutuntersuchungen an. Anschließend muss Rolf mehrere Stunden im Flur auf einem unbequemen Bett ohne Kopfkissen liegen. Nach einer langen Zeit ohnmächtigen Wartens wird er endlich in einem Bett auf eine Station geschoben.

Überhaupt lernt Rolf das Warten kennen. Es gibt nicht nur die Turbo-Kräfte wie „Schnell, schnell, schnell“, da die Dienstleistung der Organisation in einem bestimmten Zeitrahmen erledigt sein muss, sondern auch die Gedulds-Kräfte „Warten, warten, warten“, da – so wird ihm erläutert – ständig Notfälle organisatorische Abläufe durchkreuzen.

Einmal wird Rolf in seinem Bett liegend in eine Fachabteilung zu einer Untersuchung geschoben. Er ist nicht der einzige, der warten muss. Eine ältere Dame, die schon über eine Stunde auf Einlass in ein Untersuchungszimmer wartet, schimpft auf die nervige Warterei. Als Rolf sie fragt, ob sie sich vielleicht in der falschen Abteilung befinde, stellt sich heraus, dass sie tatsächlich in eine andere Abteilung „gehört“. Sofort handelt eine freundliche Schwester und schiebt das Bett mit der Frau in die richtige Abteilung. Fehler, denkt Rolf, können immer vorkommen, vor allem in einer hochdifferenzierten und spezialisierten Organisation. Sie sollten nur nicht lebensbedrohlich sein und zum Dauerprogramm gehören. Und die Organisation sollte aus Fehlern lernen.

Rolf lernt im Krankenhaus gleichzeitig etwas für sein Leben: Perfektes Funktionieren und (Selbst-) Optimierung sind nicht alles. Als kranker Mensch bist du mehr als eine Nummer, kein reines Objekt der Hilfe. Du behältst deine angeborene Würde, weil du Subjekt der Hilfe bleibst, das frei ist, Ja und Nein zu sagen, auch wenn du dich wie ein kaputtes Wrack und ausgeliefert fühlst. Und es ist gut, dass es einen Ort gibt, an dem du mit qualifizierter und kompetenter Hilfe wieder „fit“ werden kannst – vielleicht auch mit leuchtenden Augen neuen Sinn im Leben mit neuen Wertigkeiten erfährst.

Burkhard Budde

Nachruf Gerd Winner

Nachruf Gerd Winner

Nachruf auf Gerd Winner

Begegnungen mit einem Ausnahmekünstler

Von Burkhard Budde

Gerd Winner im Park vor seinem Schloss mit der Schlosskirche St. Mariä Verkündigung im Jahr 2020

Nachruf auf Gerd Winner

Erinnerungen an einen Ausnahmekünstler 

Gerd Winner, international anerkannter Maler und Grafiker aus Liebenburg, ist am 8 April 2026 im Alter von 89 Jahren gestorben.

Schon zu Lebzeiten schrieb er Kunstgeschichte. Der in Braunschweig geborene Künstler sowie Professor für Malerei und Grafik an der Kunstakademie in München hat an vielen Orten künstlerisch gewirkt und sichtbare Spuren hinterlassen:

Zum Beispiel in Wolfenbüttel („Turm der Technik“), in Braunschweig in der Dominikanerkirche St. Albertus Magnus („Altarbild“, „Kreuzweg“) und an der Stirnseite des Altenpflegeheimes Bethanien („Christuskopf), in Salzgitter-Bad („Jakobsleiter“ und „Schwerter zu Pflugscharen“), im Konzentrationslager Bergen-Belsen („Haus der Stille“), im Altarraum der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in Bad Gandersheim („Madonna-Darstellung“). Er suchte die künstlerische Auseinandersetzung mit der Stadtkultur und urbanen Strukturen in seinen umfangreichen Grafikzyklen „London Transport“, „London Docks“, „Roadmarks“, „New York Times Square“. Im Park seiner Wirkstätte Schloss Liebenburg, das er 1974 erworben hatte, um eine Siebdruckwerkstatt sowie ein Atelier aufzubauen, sind seit 2009 Stahlskulpturen von ihm zu sehen.

Beispielsweise eine kreisförmige Bodenskulptur, die ein vierteiliges Labyrinth darstellt, kann wie Gerd Winner dem Verfasser dieses Nachrufes im Jahr 2020 erläutert, auf die vier Lebensphasen sowie auf die vier Evangelien hinweisen – auf einen „existentiellen Weg zu Gott“ (Gerd Winner).

Oder die stählerne „Himmelsscheibe“ am Hang des Parks, die der aufgehenden Sonne entgegengerichtet ist. In ihr durchdringen sich in abstrakter Form Alpha und Omega, die Zeichen von Anfang und Ende und damit die Hoffnung auf Neuanfang ohne Ende – durch den Schöpfer des Himmels und der Erde – durch ihn und zu ihm hin.

Überhaupt stehen die Skulpturen im Zusammenhang mit der internationalen Straße des Friedens von Paris nach Moskau und haben damit auch eine überregionale Bedeutung, jedenfalls im Blick auf den Kalten Krieg etwa 1947 bis 1991. Dennoch bleibt die – recht verstandene und gelebte – Religion als „permanente Urkraft“ des Friedens und der Freiheit. Im Leben und künstlerischen Wirken von Gerd Winner spielte diese Kraft stets eine existentielle und spirituelle Rolle. In vielen Gesprächen mit ihm über den „Christuskopf“ im Jahre 2002 wurde mir das deutlich. Seine verstorbene Frau Ingemar Reuter hatte einen Entwurf des Christuskopfes – ein Ausschnitt aus dem Altarkreuz des italienischen Malers Giottos aus dem 14. Jahrhundert in Rimini – angefertigt. Und Gerd Winner vollendete ihn „posthum“ technisch, aber auch als „geistliches Programm“. Das vier Mal vier Meter große Kunstwerk aus gelasertem Chromnickelstahl bildet sich erst durch den Abstand vor der Wandfläche von Bethanien heraus. Vor allem möchte der Schmerzensmann, dessen Kopf sich dem Betrachter zuneigt, in aller Öffentlichkeit neues Vertrauen und Hoffnung schenken. Das Göttliche, das im Menschlichen – auch im leidenden Menschen – wohnt, kann nicht relativiert oder zerstört werden. In der Ohnmacht und Zerbrechlichkeit, in jeder Lebenslage, leuchtet das Unendliche und Ewige, das Unbegreifliche und Unfassbare auf. Und kann mit Hilfe der Kunst entschlüsselt werden – ohne pädagogischen Zeigefinder eines Künstlers, wohl aber mit einem spirituellen Fingerzeig, der zum bleibenden Werk Gerd Winners gehört.

Ich bin dankbar, Gerd Winner kennengelernt zu haben, und denke im Gebet an seine Frau Martina und den Sohn Marian Maximilian. Und wünsche ihnen, dass sie aus der künstlerischen Quelle des Verstorbenen, die zugänglich bleibt, spirituelle Zuversicht und Kraft zum Leben und zur Liebe schöpfen können.

Burkhard Budde

Gerd Winner mit dem Verfasser des Nachrufes vor dem Entwurf des Christuskopfes

Ecce Homo 

Siehe…

Nur ein Mensch?

Auch ein Mensch?

Dennoch ein Mensch?

Vor allem ein Mensch?

Der Mensch?

 

Ein Mensch im Licht und Schatten:

Im Rampenlicht und Zwielicht.

In Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit.

In Offenheit und im Rätsel.

 

Im Zeichen des Kreuzes:

Mit Würde und souveräner Freiheit.

Im Vertrauen auf versteckten Sinn.

In Gewissheit auf unvergängliche Liebe.

 

…ich glaube

…zu verstehen.

 

Burkhard Budde

Krankenhaus

Krankenhaus

Auf ein Wort

Erlebnisse in einem Krankenhaus

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Erlebnisse in einem Krankenhaus

Rolf hat in seiner Not keine strenge Schwester „Rabiata“, die wenig Geduld hat, schnell laut wird und immer Recht hat, kennengelernt. Auch ist ihm kein unnahbarer „Halbgott in Weiß“, der fast allwissend und unfehlbar wirkt oder wirken will, begegnet.

Wohl aber erlebt Rolf, der wie aus heiterem Himmel in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, qualifizierte, kompetente und engagierte Ärzte sowie Pflegekräfte, die es jedoch (fast) alle häufig eilig haben, ruhelos von Zimmer zu Zimmer hasten und Stress verbreiten.

Doch Rolf, der kraftlos ist, Hilfe braucht, seine persönliche Krise, die sein Selbstwertgefühl in Frage stellt, nicht ausgesucht oder sich gewünscht hat, schweigt lieber und fügt sich der „Organisation“, indem er ihr einen Vorschuss an Vertrauen schenkt. Denn er versucht, das Beste aus seinem „Mist“ zu machen, um perspektivisch wieder gesund zu werden.

Überhaupt ist er – im Bett liegend und die unbekannte Welt gleichsam von unten betrachtend – äußerst empfindsam, sogar empfindlich (geworden), jedenfalls mehr als im normalen Alltag. Und er hört schon mal autoritäre Flöhe husten, nimmt persönliche Verletzungen und Ungerechtigkeiten wahr, obgleich sein Kopf ihm sagt, dass er sich irren kann, er nicht der einzige Patient im Krankenhaus ist und eine funktionierende und effektive Organisation „für alle“ ihren Preis hat.

Doch Rolf, der seinen Kopf nicht bei der Krankenhausaufnahme abgegeben hat, lernt im Laufe der Zeit dazu: Zum Beispiel schreibt er sich seine Fragen auf, um im hektischen Stress keine Frage zu vergessen, und er versucht, trotz allem irgendwie auf Augenhöhe zu kommunizieren, obwohl er als Leidender (lat. Patient) von den Helfenden abhängig, ja ihnen ausgeliefert ist, da es stets ein spürbares Gefälle zwischen Helfer und Hilfesuchenden gibt.

Das verdeutlicht ihm auch das Verhalten einer jungen an sich charmanten Krankenschwester, die einem älteren Mitpatienten auf seinem Zimmer, der viele Jahre Arzt gewesen ist und an seinem Verband „arbeitet“: „Lassen sie das. Hier sind sie Patient wie alle anderen auch; kein Herr Doktor!“, rüffelt sie ihn unmissverständlich und zeigt mit ihrem Finger auf den verunsicherten „Leidenden“, der sprachlos geworden ist. Und schmunzelt.

Rolf und sein Mitpatient jedenfalls bleiben dankbar, dass es für sie eine „passende“ humane Zufluchtsstätte mit Spitzenmedizin, Technik und Pflege, vor allem mit Perspektiven auf Genesung gibt:

Einen Ort mit Mitarbeitern, die menschlich bleiben, wie die Krankenschwester, die ihnen ein Lächeln sowie ein gutes Wort schenkt und mit Fingerspitzengefühl ihren Dienst nach bestem Wissen und Gewissen, vor allem mit Herz, leistet.

Einen Ort mit Ärzten, in deren Hände sie sich trotz Zeit-, Kosten-, Arbeits- und Organisationsdruck vertrauensvoll begeben können, weil sie offensichtlich nicht nur ihre Expertise und ihr Handwerk beherrschen, sondern auch Empathie haben, den einzelnen Patienten zu verstehen versuchen und als Wegbegleiter mit ihm ein Stück des Weges durch das Tal des Leidens gehen. Und ihm auch dann noch zur Seite stehen, wenn die Meinungen zwischen Profis und Laien auseinandergehen.

Ein Ort, an dem medizinische und pflegerische Hände sowie fleißige Servicekräfte und Ehrenamtliche ihr Ohr einem Patienten mit seinen Fragen und Zweifeln, Ängsten und Hoffnungen leihen – so wie sie es selbst erwarten würden, wenn sie auf umfassende Hilfe im Krankenhaus angewiesen wären.

Burkhard Budde                                                                              

Lob auf das Lob

Lob auf das Lob

Auf ein Wort

Lob auf das Lob

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Ein Lob auf das Lob 

Wann habe ich das letzte Mal einen Mitmenschen gelobt? Und wann bin ich das letzte Mal gelobt worden? Viele Menschen sehnen sich nach einem Lob, das beide erfreut, sowohl den Geber als auch den Empfänger.

Vor allem beflügelt und aktiviert ein Lob: Zum Beispiel das Kind, dessen Bild von den Eltern aufrichtig gewürdigt wird. Der Schüler, dessen Leistung vom Lehrer durch eine gerechte Note anerkannt wird. Der Mitarbeiter, dessen Arbeit vom Chef geschätzt und der gezielt gefördert wird. Oder der Partner, der in einer Beziehung ein uneigennütziges Kompliment erhält.

Ein solches Lob ist wünschenswerter, als ständig gerüffelt zu werden oder selbst zu nörgeln. Auch besser, als zu versuchen, das aufmüpfige Kind wie ein wildes Tier zu zähmen.

Auch besser, als einem kritischen Schüler oder Mitarbeiter autoritär klar zu machen, wer das Sagen in der Schule bzw. im Betrieb hat.

Auch besser, als schwierige Mitmenschen in Watte zu packen oder sie links liegen zu lassen.

Ohne Lob jedenfalls entsteht ein Vakuum, in dem sich Gleichgültigkeit, Lustlosigkeit, Stillstand, Entfremdung und auch Angst einnisten können.

Aber wollen wir Menschen ohne gute Gefühle leben, nur funktionieren, uns optimieren oder perfektionieren?

Zugegeben, es gibt ein faules, vergiftetes oder maskiertes Lob: Wenn beispielsweise ein Koch in einem Restaurant über den Klee gelobt wird, obwohl das Gericht nach nichts geschmeckt hat, aber die lobenden Gäste den Kellner „bei Laune“ halten wollen. Wenn ein Geschäftsführer einen Mitarbeiter weglobt und in ein anderes Unternehmen hineinlobt, um seine Seilschaften und Macht zu erhalten oder auszubauen. Wenn Politiker oder Führungskräfte sich dauernd selbst loben, weil sie einerseits unter Minderwertigkeitsgefühlen leiden, andererseits ruhmsüchtig und größenwahnsinnig geworden sind. Wenn Menschen sich mit Lobhudelei in die Seele anderer einzuschmeicheln versuchen, indem sie die Eitelkeiten ihres Gegenübers streicheln. Oder wenn einer einen anderen Menschen lobt, um selbst gelobt zu werden und einen anderen klein zu machen.

In allen Bereichen des Lebens erscheint jedoch eine begründete und wahrhaftige Lobkultur zur rechten Zeit am rechten Ort wichtig: Ein Lob wirkt nämlich wie eine frische Sauerstoffzufuhr in müder, stickiger und muffiger Umgebung. Das Selbstwertgefühl, das Selbstbewusstsein und die Selbstwirksamkeit werden gestärkt. Lebensgeister und Lebenskräfte werden geweckt; neues Zutrauen zur Eigen- und Mitverantwortung wächst; Freude über ein Lob vermittelt sogar neue Sinnerfahrungen.

Ein echtes Lob kostet nichts, taucht in keiner Kosten-Nutzen-Rechnung auf, ist auch nicht einklagbar. Aber es kann ohne Relativierungen und Vergleiche angenommen werden, begeistern und bewegen, Zukunft eröffnen – selbst wenn die Tür nur für einen Spalt geöffnet wird.

Manche loben auch den Schöpfer allen Lebens, weil sie dankbar sind, hier und heute gesund und glücklich zu leben.

Weil ihnen dieser Schöpfer vor allem eine Würde verliehen hat, die sie auch dann nicht verlieren, wenn sie noch nicht gelobt worden sind oder ihren Mitmenschen noch nicht gelobt haben.

Burkhard Budde