Guter Politiker

Guter Politiker

Auf ein Wort

Guter Politiker

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Suche guten Politiker 

Ein Mensch suchte einen guten Politiker, dem er aus guten Gründen vertrauen und Tragen von Verantwortung zutrauen konnte.

Er blickte in den Spiegel der Vergangenheit, um sich mehr Klarheit über Maßstäbe einer guten Politik zu verschaffen.

Und sah Perikles, ein Denker in der Zeit der griechischen Antike in Athen, der die Idee einer direkten Demokratie mit aktiver Bürgerbeteiligung vertrat. Als Politiker mit demokratischen Visionen setzte er sich für die Einheit und den Fortschritt seiner Stadt ein – vor allem aus moralischer und patriotischer Verantwortung.

Noch eine zweite Person aus der Zeit der römischen Antike entdeckte der Sucher im Spiegel der Geschichte: Cicero, ein großer Redner, der die griechische Philosophie nach Rom gebracht hatte, jedoch die direkte Demokratie ablehnte, da sie keine dauerhafte Machtbasis darstellte. Als überzeugter Gegner von Diktatur und Tyrannei verteidigte er die Republik und ihre Institutionen, Rechtsstaatlichkeit und Diplomatie sowie den Interessenausgleich zwischen den öffentlichen Ämtern und dem Senat.

Im Spiegel der Zeitreise tauchte schließlich Niccolò Machiavelli aus Florenz auf, ein Philosoph und Diplomat der Renaissance. Als realistischer Politiker akzeptierte er eiskalte Machtpolitik, indem er sie von moralischen und religiösen Idealen trennte. Ein erfolgreicher Herrscher handle pragmatisch und passe sich der jeweiligen Situation an – ohne Skrupel, aber auch ohne Böswilligkeit, sondern vor allem aus strategischen Gründen der Machterhaltung: Er müsse wie ein starker Löwe sein, um seine Feinde abzuschrecken; wie ein kluger Fuchs, um Fallen zu erkennen und zu umgehen; wie ein geschickter Schauspieler, um täuschen und alles im Griff behalten zu können. Ein kluger Fürst müsse tugendhaft erscheinen, aber nicht fromm und gerecht sein, sondern könne – wenn nötig – im Hintergrund auch skrupellos vorgehen. „Ideal“ wäre sowohl geliebt als auch gefürchtet zu werden – im Zweifel besser gefürchtet.

„Ach du liebe Zeit!“ denkt der Mensch, der einen guten Politiker sucht. „Zum Glück lebe ich heute in einer freien und offenen Gesellschaft, die das Grundgesetz als Einheitsband hat – z.B. Würdeversprechen und Menschenrechte, Gewaltenteilung, unabhängige Gerichte und freie Medien.

Er blickt erneut in den Spiegel und sieht verschiedene Politiker der Gegenwart: Fürsprecher und Verteidiger der repräsentativen Demokratie mit ihren Institutionen; Kümmerer der Bürger und Brückenbauer zwischen Staat und Gesellschaft; Gestalter und Motoren eines ordnungspolitischen Rahmens mit Eigenverantwortung, Hilfe zur Selbsthilfe und Solidarität. Leider auch Politiker, die mit Äxten, Moralkeulen, Kreide, Seifenblasen, Scheren im Kopf und Scheuklappen unterwegs sind.

Vor allem jedoch entdeckt er sich selbst in den vielen kleinen Mosaiksteinchen einer gemischten Politik. Und er beschließt um des großen Ganzen willen, sich für Demokratie, Freiheit und Gleichheit, für einen gerechten Frieden in Selbstbestimmung einzusetzen. Denn sind Ethik und Macht nicht zwei Seiten einer Medaille, nämlich die der politischen Verantwortung eines engagierten und mündigen Bürgers, der als kompetenter und glaubwürdiger Politiker mit Rückgrat und klarem Kompass für das Nötige im Möglichen gebraucht wird.

Burkhard Budde

Guter Arzt

Guter Arzt

Auf ein Wort

Suche guten Arzt

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Suche guten Arzt

Ein kranker Mensch hoffte auf einen guten Arzt, dem er Vertrauen schenken konnte.

In der Nacht sah er im Traum durch die Spalte einer Tür eine vergangene Welt:

Ein Wanderer begegnete ihm mit einem Stab, um den sich eine Schlange wand. „Wer bist Du?“ fragte der kranke Mensch. „Ich bin der Gott der Heilkunst“, antwortete der Wanderer, der wie ein Engel leuchtete, doch gleichzeitig wie ein sterblicher Held wirkte. Konnte er ihm vertrauen?

„Mein Stab“, erläuterte der geheimnisvolle Wanderer, „weist auf die Heilkräfte sowohl der Erde als auch des Himmels hin. Er hilft mir, durch Täler des Leids hindurch zur Heilung zu gelangen, da er mir Halt und Orientierung gibt.“ Und die Bedeutung der Schlange? „Sie erinnert mich daran“, verriet der Wanderer, „dass es Heilung und Verjüngung sowie Wiedergeburt gibt, da Schlangen sich regelmäßig häuten“. Und schmunzelnd fügte der Wanderer hinzu: „Von Schlangen habe ich auch gelernt, dass es stets auf die richtige Dosis einer Heilkraft ankommt, um keinem Menschen mit einer falschen Dosis zu schaden.“

Dann führte der Wanderer, der sich mit dem Namen Asklepios vorstellte, den kranken Menschen zu einer Heilstätte mit einer Wasserquelle, wo er innere Ruhe finden, opfern und beten sollte. Er badete, reinigte sich mit Kräutern und trank Kräutertee. Schließlich legte er sich in einen Schlafsaal nieder. Und träumte von seiner Krankheit und vom Gesundwerden.

Nach dem Schlaf berichtete er von seinem Traum, die der Wanderer nicht nur versuchte zu deuten, sondern auch mit einem Therapievorschlag verband.

Als Asklepios im nächtlichen Film verschwand, begegnete dem kranken Menschen ein Reisender, der Hippokrates genannt wurde „Kann ich dir mehr Vertrauen schenken als dem Asklepios, der mich an einen Halbgott erinnert, halb Gott, halb Mensch? Welche Kräfte halten dich?“ fragte der kranke Mensch den berühmten Mann, der um 460 vor Christus auf der griechischen Insel Kors das Licht der Welt erblickt hatte. „Wichtiger als priesterliche Worte und Göttersprüche sind für mich die Ursachen deiner Krankheit zu erfahren sowie eine menschliche Haltung, um dir helfen zu können.“ Und er nannte geistige Kräfte, die ihn verpflichteten: Nicht zum Schaden, sondern zum Nutzen eines kranken Menschen zu handeln; nicht dem Tod, sondern mit Ehrfurcht dem Leben und der Menschlichkeit zu dienen; nicht indiskret, sondern verschwiegen zu sein und die Intimität und Privatheit zu achten; nicht kranke Menschen medizinisch ungleich zu behandeln, sondern gleichwertig und verantwortungsbewusst. Diese Bindungen fand der kranke Mensch überzeugend.

Und als er aus seinem Traum erwachte, wünschte er sich als einen guten Arzt weder einen Halbgott in Weiß noch einen Dienstleister ohne Herz noch eine Person ohne fachliche Kompetenz, wohl aber einen Arzt als Ratgeber, Begleiter und Kümmerer, der wie ein guter Bergführer hilft, durch Zuhören, Ernstnehmen, Aufklärung, Erklärung, Ermutigung sowie mit seiner Erfahrung, seinem Wissen und Können durch ein Tal der Krankheit hindurchzukommen, auch Steine der Angst aus dem Weg zu räumen. Wohl wissend, dass der kranke Wanderer letztlich selbst die Wege gehen muss, um wieder gesund zu werden, dass der Bergführer nicht für die Wetterverhältnisse – für die Krankheit – verantwortlich ist. Und dass es „den Bergführer“ nicht gibt, sondern nur Ärzte, die ganz individuell verschieden sind. Dass jedoch jeder Arzt – wie jeder kranke Mensch auch – die gleiche unverlierbare Würde hat. Und dass aus gegenseitigem Vertrauen eine Partnerschaft in (Eigen-)Verantwortung wächst.       

Burkhard Budde

Würde der Rose

Würde der Rose

Auf ein Wort

Würde der Rose

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Die Würde der Rose 

Kann aus Liebe Hass werden? Ihre faszinierende Schönheit öffnete die Augen – wie von Zauberhand. Ihre bunten Farben sendeten geheimnisvolle Botschaften – wie durch die Blume. Ihr verführerischer Duft zog die Sinne magisch an – in einer betörenden Aura. Allein ihre Existenz sorgte für ein Lächeln im Gesicht anderer. Und sie konnte viele Mitgeschöpfe glücklich machen.

Aber als frohmachende Glücksbringerin wurde sie auch beneidet, nicht selten belächelt, links liegen gelassen, ihre schüchterne Leidenschaft immer häufiger gekränkt und verletzt, entwertet und entwürdigt.

Und sie wurde missverstanden. „Bist du nicht schwach und unbedarft?!“ provozierte ein Mitgeschöpf. „Du nützt nur der puren Schwärmerei, einem unheimlichen Spuk des Schaurigen, das sich als das Schöne verkleidet hat.“ Sie flüchte in schaurig schöne Traumwelten, die zu wiederkehrenden Albträumen mit Bedrohungen und Ängsten würden.

Allein diese Unterstellungen versetzten der herzensguten Königin Stiche ins Herz. Langsam wuchs in ihr, der sie andere glücklich machen wollte, die Angst, selbst nicht gemocht, geliebt und anerkannt zu werden, ihren Lebenssinn und ihre Lebensfreude zu verlieren. „Ich bin Opfer einer Verschwörung. Ich bin Sündenbock für das Versagen anderer. Man gönnt mir nicht mein Glück. Ich soll zerstört werden. “ dachte sie und die heimliche Gier nach Rache beherrschte immer mehr ihre Gedanken- und Gefühlswelt.

Ihre Stacheln, die eigentlich zur Wehrbereitschaft und zum Festhalten gedacht waren, fanden eine zynische Bestimmung. Sie wurden zum lähmenden Gift und zu Instrumenten ihres beginnenden Rache- und Vernichtungsfeldzuges. Der Garten, in dem sie lebte, wurde zum Sumpf – mal kochend heiß, mal eisig kalt, mal lauwarm, immer gefährlicher, voller Neid und Gier, Feindseligkeit und Hass, vollkommen blind für die Schönheiten, für das Gute und für die Wahrheiten, aber auch für Zwischentöne und Grauzonen, für Entwicklungen und Chancen. Es ging nur noch darum, andere Mitgeschöpfe hemmungslos zu zerstören:

Die Lilie, die an die Vergänglichkeit allen Lebens erinnerte.

Die Nelke, die eigentlich gerne mit der nun grausam gewordenen Königin befreundet gewesen wäre.

Die Narzisse, die sowohl eitel als auch ritterlich sein konnte.

Die Dahlie, die einfach nur dankbar für ihr Leben war.

Der Kaktus, der mit langem Atem auch Blüten produzieren konnte.

Aus der Königin der Botschaft der Liebe war ein boshafter Racheengel geworden, der sich hinter der Maske hehrer Ziele tarnte. Aber auf Mitgefühl und Vernunft, Herzens- und Charakterbildung pfiff.

Eines Tages trat ein kleines Pflänzchen in ihr Leben und bat sie, in einen Spiegel zu schauen. Aber der Racheengel wollte ihr das Fürchten lehren, schrie sie an und wütete und hetzte gegen sie. Und zerbrach den Spiegel. Das Pflänzchen jedoch gab nicht auf. „Du muss nicht schreien. Ich verstehe schon. Du hast Angst vor dir selbst. Du kannst auch anders, mehrere Sprachen sprechen, ohne viele Worte zu machen. Du bist doch eine Rose!“ sagte das wehrhafte und mutige Pflänzchen neuen Vertrauens und neuer Verantwortung.

Burkhard Budde

Staatsbürgerpreis

Staatsbürgerpreis

Staatsbürgerpreis

Prof. Hans-Werner Sinn geehrt

Von Burkhard Budde

Prof. Sinn (M.) mit Dr. Stelter (l.) und Markus Guhl

Ehrung für Prof. Hans-Werner Sinn

Ehemaliger Chef des Ifo Instituts in Bad Harzburg geehrt 

Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, ehemaliger Chef des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung in München, wurde in Bad Harzburg wegen seines Einsatzes für die Demokratie mit dem Deutschen Staatsbürgerpreis geehrt. Die Staatsbürgerliche Stiftung Bad Harzburg, die als unabhängige und überparteiliche Stiftung 1988 gegründet wurde, dankte dem Wirtschaftswissenschaftler für seine Verdienste im Rahmen eines Festaktes im Bündheimer Schloss am 15. März 2025. 

Der Laudator Dr. Daniel Stelter, Gründer des Ökonomie-Podcasts beyond the obvious, bedauerte, dass zu wenige Fachleute wie Sinn mit Prinzipien und klaren Worten, auch wenn sie unbequem seien, in den öffentlichen Ring steigen, um die Qualität des Diskurses zu heben und bessere Entscheidungen zu finden.

Kein Politiker könne die Gesetze der Ökonomie ignorieren, ohne dass es später kostspieliger werde. Gut gemeinte Politik zum Beispiel im Blick auf das Klima und die Energiewende könne das Gegenteil von dem bewirken, was gewünscht sei. Hans-Werner Sinn habe häufig nicht nur gewarnt, sondern auch Wege aufgezeigt, wie es besser gehe. Leider habe die Politik zu selten auf Sinn gehört. „Die Gesellschaft muss mutig genug sein, um auf kluge Köpfe zu hören“, forderte der Laudator. 

Der Geehrte, der am 11. März in der Öffentlichkeit kritisierte, dass der alte Bundestag Milliarden-Schulden zustimmen soll, sprach auch in Bad Harzburg in seiner Dankesrede Klartext: Bei „Schuldenorgien“ gingen die Zinsen hoch, der Wohlstand sinke „unweigerlich“ und das Euroschuldensystem sei gefährdet. Bei der militärischen Aufrüstung durch Verschuldung gebe es keine andere Wahl. Aber das Füllhorn für Infrastruktur durch Verschuldung, „für den Beifall“ oder „für manche schöne Dinge“ sei wegen der zu erwartende Inflation ein „hoch gefährlicher Weg.“ Und vor allem schreibe sich kein Land auf der Welt die Deindustrialisierung auf die Fahnen wie Deutschland durch sein Energieeffizienzgesetz.

Angesichts der neuen politischen Lage durch Putin und Trump forderte Sinn eine gemeinsame europäische Armee als Atomstreitmacht mit einem einheitlichen Oberkommando. Ein politischer Bundesstaat mit einem gemeinsamen Parlament, die die Regierung einsetzt, sei jedoch die Voraussetzung für eine militärische Union und eine glaubwürdige atomare Abschreckung. Wenn Trump die NATO verlasse, gebe es kein Beistandsversprechen der USA mehr. Die NATO-Doktrin sei ohnehin eine „gemeinsame Lebenslüge“ gewesen. Trump sei gekommen, „um uns wach zu machen und hat alle Illusionen zerstört.“ Wir sind aus seiner Sicht bloße „Vasallen“, die fallen gelassen werden, wenn es brenzlig werde. 

In seinem Grußwort hatte Markus Guhl, Präsident der Staatsbürgerlichen Stiftung, die Bundespolitik nach der Bundestagswahl scharf kritisiert: „Gilt das Wort noch vor und nach der Wahl jenseits von Kompromissbereitschaft?!“ Er forderte die Freiheit des mündigen Bürgers sowie einen öffentlichen Diskurs, in dem die Meinung des anderen ausgehalten werde, auch wenn man sie nicht teile. 

Der Bürgermeister aus Bad Harzburg Ralf Abrahms sprach in seinem Grußwort davon, dass seit 10 Jahren in Bad Harburg „nicht ein neuer Euro Schulden gemacht worden ist und es einen Doppelhaushalt gibt, der einstimmig beschlossen wurde.“ 

Die Moderation der gelungen Veranstaltung lag in den Händen der Vizepräsidentin Martina Mensing-Mechelburg, die sich mit allen Gästen über die Pianistin Hinako Inoue freute, die die etwa 160 Teilnehmer der Preisverleihung mit ihrer Musik begeisterte.

Scheingötter

Scheingötter

Auf ein Wort

Scheingötter

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Scheingötter 

Götter tauchen auf – Menschen als wilde Raubtiere.

Die graue Maus flüchtet sofort in ihr Loch, das scheue Reh in sein Dickicht, das erschreckte Huhn kopflos in seinen Stall. Der genügsame Esel, eigentlich sehr intelligent und neugierig, erstarrt; der Vogel Strauß, der schnellste Vogel der Welt, macht sich in Windeseile vom Acker; Meister Lampe ändert blitzschnell seine Laufrichtung und schlägt einen Haken. Und das Chamäleon wechselt schleunigst seine Hautfarbe in neue schillernde Farben.

Beim Fußballgott ist das ganz anders. Der verzaubert seine Fans, die begeistert und fasziniert von seiner Eleganz und Leichtigkeit sind, seiner Kompetenz und seinem Geschick, seiner Einsatzfreude und seinem Kampfgeist, seiner Kreativität und seiner Cleverness.

Aber sollen die Fans oder die Anhänger eines Vereins deshalb den „Fußballgott“ anbeten, ihm ihre Seele schenken? Dann doch lieber „nur“ seine Leistung herzlich anerkennen, ohne sich den Kopf verdrehen zu lassen. Und nicht die Augen verschließen vor unfairem Verhalten sowie der Gier nach Erfolg und Geld um jeden Preis. Und lieber die Augen öffnen für wahre Vorbilder wie „Uns Uwe“, dem Star des Volkes, dem seine Heimat wichtiger war als enthemmte Kommerzialisierung.

Doch wie umgehen mit Halbgöttern, die Biedermeier ihrer Selbstgefälligkeiten sind, Gefangene ihrer Eitelkeiten, Tyrannen ihrer Machtgelüste? Die wie Tanzbären nur um sich selbst kreisen, keine weiteren Bären um sich dulden, vor Selbstberauschtheit strotzen, die Realität ignorieren oder nur das sehen, was sie sehen wollen, die immer hungriger und gieriger, unberechenbarer und willkürlicher werden? Sich ducken, verkriechen, tot stellen oder schreien, um Gnade winseln, vor dem Bären auf die Knie fallen, seine Pfoten küssen, ihm zujubeln und huldigen? Oder wie der Siebenschläfer seinen Schwanz abwerfen? Oder als angegriffener Igel seine Stacheln ablegen, um nur nicht zu provozieren, um des Friedens willen kapitulieren und einem Schein- und Diktatfrieden zustimmen?

Alle Götter sind nicht unverwundbar – selbst der tragische Held Achilles nicht. An seiner Ferse blieb die Haut trocken, weil seine Mutter ihn daran festgehalten hatte, als sie ihn in einen Fluss, der Unter- und Oberwelt trennte, tauchte, um ihn unsterblich zu machen.

Die Achilles-Ferse eines jeden Halbgottes – ob in Weiß, Schwarz, Rot, Blau, Hybrid, mit einer Krone, einem Hut, einer Mütze, einem Helm oder im Adams-Eva-Kostüm – ist die Geschaffenheit und Endlichkeit, die Unvollkommenheit und Schuldhaftigkeit. Jedes Leben ist eigentlich ein Kartenhaus, das jederzeit in sich zusammenbrechen kann.

Alle selbst- oder fremdernannten Halbgötter müssen eines Tages ihre Taten und Nichttaten vor ihrem eigentlichen Schöpfer verantworten – selbst wenn sie im Augenblick des Machtrausches glauben, sie hätten sich ihr Leben selbst gegeben, sie wären uneingeschränkte Herren über Leben und Tod anderer Menschen, sie wären alleiniger und allmächtiger Chef ihres Lebens, oberster Richter und zugleich oberster Regelgeber. Kein Mit- und Nachläufer, kein Vasall und kein Claqueure kann ihnen den Himmel auf Erden schenken oder das ewige Leben versprechen, wohl aber eines Tages bei Misserfolgen das diesseitige Leben zur Hölle machen.

Umso wichtiger ist es, brutale Raubtiere wirksam zu bändigen und so vorsichtig und klug wie die Schlangen zu sein sowie zuversichtlich und aufrichtig wie die Tauben, um ein Leben in Freiheit und Sicherheit, in Würde und Glück zu ermöglichen.

Burkhard Budde