Demut
Auf ein Wort
Demut staat Hochmut
Von Burkhard Budde
Auf ein Wort
Demut statt Hochmut
Ist die alte Tugend der Demut heute noch alltagstauglich und lebensdienlich?
Oder gehört die Demut in die Mottenkiste der Geschichte, die von Hochmütigen berichtet, die Gott spielen und von ihren Untertanen verehrt und angebetet werden wollen? Sind die Demütigen obrigkeitshörig und ohne eigene Meinung (gewesen)? Gehen sie auch heute noch vor den Mächtigen in die Knie? Lassen sie sich ihr Rückgrat verbiegen? Vom Glanz und Ruhm, von Eitelkeit und Reichtum blenden, verführen, spalten?
Oder sind die Demütigen selbst verantwortlich, wenn sie in die heile Welt ihrer privaten Räume flüchten, sich dort bequem einrichten und die Bettdecke über ihren Kopf ziehen? Und ansonsten wegen eines geringen Selbstwertgefühls alles über sich ergehen lassen, wenn sie vergessen, missachtet oder ausgegrenzt werden. Weil sie schließlich ihre Ruhe und ihren Frieden haben wollen. Und deshalb lieber den „untersten Weg“ in ihrer Borniertheit gehen.
Die Haltung der Demut muss jedoch nicht bedeuten, sich selbst abzuwerten und kleinzumachen, sich zu verstecken, weil man sich nicht überschätzen oder groß machen, nicht seinen Kopf hinhalten will.
Demut kann vielmehr heißen, in die Offensive zu gehen:
Die geistige Müdigkeit zu überwinden und die Augen zu öffnen, um klarer zu sehen.
Die sture Gedankenlosigkeit zu überwinden, um weiter, tiefer und neu sehen zu können.
Die herzlose Gleichgültigkeit zu überwinden, um das Gesehene verstehen zu lernen.
Die kopflose Respektlosigkeit zu überwinden, um das Erkannte zu achten.
Die ängstliche Bequemlichkeit zu überwinden, um das notwendig Erneuerbare zu verändern.
Der Demütige versinkt dann nicht im Selbstmitleid und übersieht nicht die Gefahren eines Höhenfluges. Er ist dankbar, dass er mit beiden Füßen auf dem Boden einer Realität steht, die komplex, häufig auch kompliziert und widersprüchlich ist, aber auch wahrnehmbar und veränderbar. Der Demütige ist mutig, neue Wege zu suchen und zu finden.
Da er gut geerdet ist, verwechselt er nicht sein Ego mit seinem Schöpfer, der ihm eine unantastbare und unverlierbare Würde geschenkt hat sowie die Erkenntnis, dass alles vorläufig, unvollkommen und vergänglich ist, weil die Schöpfung noch nicht vollendet ist.
Er geht vor keinem Menschen in die Knie, wohl aber vor dem Gott, der ihn aufrichtet, in seiner Ohnmacht und Angst gegenwärtig ist, ihm neue Kraft und Zuversicht schenkt, Mensch und Mitmensch zu bleiben sowie Halbgöttern zu widerstehen. Der Demütige kann großzügig, gelassen und besonnen, klug und weise Verantwortung vor Gott und mit Gott wahrnehmen.
Tausend Dank jedenfalls, liebender Gott, dass Du mich in jeder Lebenslage mit liebenden Augen siehst, sowohl in meiner Selbsterhöhung als auch in meiner Selbsterniedrigung, in meinem Gelingen und in meinem Scheitern. Und die (Selbst-) Ausgrenzung ausgrenzt – damit ich mich und meinen Nächsten immer wieder neu annehmen, aber auch mich selbst in dankbarer Demut verändern kann. Das gibt mir Kraft, dem Hochmütigen, der keine Götter neben sich duldet, mutig Grenzen aufzuzeigen.
Burkhard Budde





