Provozierender Neuanfang II

Provozierender Neuanfang II

Moment mal

Provozierender Neuanfang II

Pinkfarbige Rosenblüte hinter Knospen

Fesselt der Neid? Verhindert der Tunnelblick Neuanfänge?

Der ältere Sohn ist stink­sauer auf seinen Vater. Für seinen jüngeren Bruder, der aus der Ferne zurück­gekehrt ist, wo er sein Erbe „mit Dirnen“ ver­prasst hat, wird zum Dank noch ein Fest aus­gerichtet. (Etwa) mitfeiern? Nein, danke!

Der Vater ergreift – wie beim jüngeren Sohn – wieder die Initiative und versucht auch seinen älteren Sohn zum Mitfeiern zu über­zeugen. Er erntet aber nur schwere Vor­würfe: Die Feier sei ungerecht. Für ihn, der seinem Vater viele Jahre lang gedient und auf ihn gehört habe, habe es nie eine Feier gegeben.

Wieder – wie beim jüngeren Sohn – reagiert der Vater über­raschend: Er verurteilt auch ihn nicht, hält ihm keine Moral­predigt, redet ihm nicht ins Gewissen. Er lädt ihn viel­mehr zum Nach­denken und Weiter­denken ein, ja zum spontanen Weit-Genug-Denken: „Du bist allezeit bei mir. Alles, was mein ist, ist dein.“

Und in der Tat: Wer in einer guten Gemein­schaft lebt, hat Halt, findet Sinn und kann gerade deshalb beweglich sein, sogar sich mitfreuen, mitfeiern. Wenn der verlorene Bruder wieder­gefunden worden ist, vor allem noch lebt, wieder auflebt.

Was für ein Vater. Er befreit beide Söhne von ihren Fesseln – der Bindungs­unfähigkeit („ Jüngerer Sohn“) und der Unbeweg­lichkeit („Älterer Sohn“).

Und dieser Vater erinnert an Jesus selbst, der diese Geschichte erzählt, der Tischgemeinschaft mit Zöllnern und „Sündern“ hatte und deshalb von den frommen Gut­menschen der damaligen Zeit heftig kritisiert wurde.

Und diese Botschaft ermutigt, die vielen Fesseln wie Neid und Angst, aber auch Verletzungen und „Ungerech­tigkeiten“ zu sprengen, indem an die bedingungs­lose Liebe geglaubt wird, die die Freiheit wirklich frei macht und nur Neu­anfänge kennt.

Burkhard Budde

(auch veröffentlicht im Westfalen-Blatt am 10.10.2020 in Ostwestfalen und Lippe)

Wait a minute

Provocative New Beginning II

Glaskreuz in Kirchenkuppel, Balkenunterseite orange

Does envy captivate? Does tunnel vision prevent new beginnings?

The older son is furious with his father. In gratitude for his younger brother, who has returned from afar, where he has squandered his inheritance „with prostitutes,“ another celebration is held. Celebrate with them? No, thanks!

The father takes the initiative again – as with the younger son – and tries to convince his older son to join in the celebration. However, he only receives serious reproaches: the celebration is unjust. For him, who had served his father for many years and listened to him, there had never been a celebration.

Again – as with the younger son – the father reacts surprisingly: He does not condemn him either, does not preach morality to him, does not talk into his conscience. Rather, he invites him to reflect and think further, yes, to spontaneously think far enough: „You are with me always. Everything that is mine is yours.“

And indeed: Whoever lives in a good community has stability, finds meaning, and precisely for this reason can be mobile, even join in the joy, celebrate. When the lost brother has been found again, above all still lives, revives.

What a father. He frees both sons from their fetters – the inability to bind („Younger Son“) and immobility („Elder Son“).

And this father reminds us of Jesus himself, who tells this story, who had table fellowship with publicans and „sinners“ and was therefore severely criticized by the pious do-gooders of the time.

And this message encourages to break the many fetters like envy and fear, but also injuries and „injustices“ by believing in unconditional love, which really makes freedom free and only knows new beginnings.

Burkhard Budde

(also published in the Westfalen-Blatt on 10.10.2020 in Ostwestfalen and Lippe)

Ja, Dankbarkeit!

Ja, Dankbarkeit!

Artikel in DIE WELT

Ja, Dankbarkeit!

Von Burkhard Budde

Glaskreuz in Kirchenkuppel, Balkenunterseite lila

Dankbarkeit ist eine kostbare Mangelware, die leider häufig in Nischen der Kommunikation versteckt wird.

Sie ist kein kostenloser Luxus, der einfach ins Schaufenster einer Begegnung gestellt wird. Sie sollte nicht als kostspielige Gegenleistung in einer Beziehung angesehen werden, berechnend oder kalkulierend sein.

Als Echo des Herzens erinnert sie vielmehr an persönlich Wichtiges und sozial Bedeutsames und vergisst nicht das wahrhaft Gute und Richtige, das Nötige und Mögliche, das alle immer wieder im Leben als Gabe und Aufgabe empfangen.

Im Schlaraffenland gibt es Zauberwörter, aber keine Ernte. Im Land der fleißigen und tüchtigen Menschen wird gearbeitet, gesät sowie geerntet. Doch Wachstum und Gedeihen, das Überraschende und Nochkommende in der einmaligen Lebenszeit – viele Früchte des Lebens – sind nicht einfach machbar und vermehrbar, sondern nur als Geschenk dankbar annehmbar.

In Dankbarkeit der Autorin gegenüber, aber auch dem Geber aller guten Gaben – dem Schöpfer allen Lebens, der das Herz beschenkt und den Kopf sowie Hände bewegt.

Burkhard Budde

(Leserbrief, gekürzt erschienen in DIE WELT am 9.10. 2010 bezogen auf den Kommentar „Dankbarkeit ist ein großes Gefühl“ von Andrea Seibel am 5. 10. 2010)

Überraschender Neuanfang I

Überraschender Neuanfang I

Moment mal

Überraschender Neuanfang I

Rote Kerze mit Flamme

Soll man (etwa) Dummheiten oder Ungerechtig­keiten vergeben? Größen­wahn oder Minder­wertigkeits­gefühle (einfach) verzeihen?

Eine neue Spur zeigt das Ver­halten eines Vaters auf, der seinen beiden Söhnen, die glück­lich sein wollen, ver­traut und ihnen ohne Wenn und Aber die Freiheit über ihr eigenes Leben schenkt. Der jüngere Sohn sucht sein Glück durch einen maß­losen Ego­trip in der Ferne, der ältere durch einen ängst­lichen Anpassungs­trip in der Nähe des Vaters.

Die Rede ist von der Geschichte vom „Guten Vater und seinen beiden Söhnen“, die Jesus erzählt hat und die im Lukas­evangelium überliefert ist.

Der jüngere Sohn, der in der Ferne offenbar „Mist“ gebaut hat, erinnert sich an seinen „guten Vater“ und kehrt „reu­mütig“ zu ihm zurück. Als ihn sein Vater aus der Ferne sieht, läuft er ihm – in der damaligen Zeit eigent­lich „unter der Würde“ eines Vaters – entgegen, fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Dann – nachdem sein Sohn sein Anliegen vorge­tragen hat, nämlich nur ein normaler Mit­arbeiter seines Vaters sein zu wollen – lässt der Vater ein Fest feiern. Und der Sohn erhält noch ein Fest­gewand („Ehrengast“!), einen Ring („Vollmacht“!) und Schuhe („Freier Mann“!). Denn, so begründet der Vater sein Verhalten, sein „verlorener Sohn“ sei tot gewesen, wieder­gefunden und wieder lebendig geworden.

Was für eine Überraschung! Der Vater verstößt seinen Sohn nicht, rechnet nicht mit ihm ab, hält ihm keine Stand­pauke. Und stellt ihm auch keine Bedingungen. Er würdigt vielmehr seine frei­willige Rückkehr – weil er sich an ihn erinnert hat, ihm vertraut und zu ihm zurück­gekehrt ist.

Die bedingungs­lose Annahme des Vaters ist das Ende der Flucht des Sohnes vor der Gemein­schaft mit dem Vater. Und der Anfang der Frucht, sich von den Fesseln der Bindungs­unfähigkeit zu befreien, seine neu gewonnene Freiheit in Verant­wortung vor dem Vater wahrzu­nehmen, der ihm einen Neu­anfang schenkt.

Ob dieses Beispiel ver­feindeten, ver­letzten oder von­einander ent­fremdeten Menschen hilft, einander zu vergeben oder zu verzeihen?

Vielleicht warten wir zunächst die Reaktion des älteren Sohnes ab, über die das nächste „Moment mal“ berichtet.

Burkhard Budde

(Veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt am 03.10.2020 in Ostwestfalen und Lippe.)

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Surprising new beginning I

Gelbe Kerze mit Flamme

Should one (perhaps) forgive stupidities or injustices? Forgive megalomania or feelings of inferiority (simply)?

A new trace shows the behavior of a father who trusts his two sons, who want to be happy, and gives them freedom over their own lives without any ifs and buts. The younger son seeks his happiness through an excessive ego trip in the distance, the older one through an anxious adaptation trip near the father.

We are talking about the story of the „Good Father and his two sons“, which Jesus told and which is handed down in the Gospel of Luke.

The younger son, who has obviously „messed up“ in the distance, remembers his „good father“ and returns to him „repentant“. When his father sees him from a distance, he runs toward him – in those days actually „beneath the dignity“ of a father – falls around his neck and kisses him. Then – after his son has expressed his wish to be just a normal employee of his father – the father has a party celebrated. And the son receives a festive garment („guest of honor“!), a ring („power of attorney“!), and shoes („free man“!). For, so the father justifies his behavior, his „prodigal son“ had been dead, found again and come back to life.

What a surprise! The father does not repudiate his son, does not settle accounts with him, does not give him a lecture. Nor does he impose any conditions on him. He rather appreciates his voluntary return – because he remembered him, trusted him and returned to him.

The unconditional acceptance of the father is the end of the son’s flight from communion with the father. And the beginning of the fruit of freeing himself from the fetters of bondage, of exercising his newly won freedom in responsibility before the Father, who gives him a new beginning.

Will this example help people who are enemies, injured or alienated from one another to forgive or forgive each other?

Perhaps we will first wait for the reaction of the older son, which the next „Moment mal“ will report about.

Burkhard Budde

(Published also in the Westfalen-Blatt on 03.10.2020 in East Westphalia and Lippe.)

Gefährliche Quallen

Gefährliche Quallen

Moment mal

Gefährliche Quallen

Quallen am Strand

Im Meer tauchen plötz­lich Quallen auf. Manche sind harm­los, andere giftig. Viele ekeln sich vor diesen hirn­losen We­sen, sind acht­sam, um keine Bekannt­schaft mit ihnen zu machen. Vor­sorge ist ja auch besser als die Gesund­heit zu gefährden.

Im Meer des Lebens gibt es auch „glibbe­rige Schwim­mer“, die zwar gefähr­lich, aber transpa­rent und kontrollier­bar sind. Leider darüber hinaus „Quallen“, die unsicht­bar, jedoch an Leib und Seele schmerz­haft erfahr­bar sind, und sich schnell ver­mehren können.

Was tun? Ein Lachs antwortet: „Du übertreibst. Solche Quallen hat es schon immer gegeben.“ Ein Goldfisch erwi­dert: „Was nützt so ein Vergleich, wenn ich hier und jetzt vernichtet werde.“ Ein Haifisch meint: „Die Quallen sind doch harm­los, wenn man genau hin­sieht. Und die Zahl der Opfer ist in unserer Umge­bung erträglich.“ Eine Forelle wider­spricht: „Weil fast alle von uns diszipli­niert sind und Abstand von den Quallen halten, hat es noch keine Kata­strophe gegeben.“ Und ein Hecht sagt: „Zahlen sind mir zu abstrakt, das indivi­duelle Schick­sal ist mir wichtiger.“

Viele machen sich Gedanken über die Quallen. Viele wün­schen sich, nicht von Quallen getötet zu werden, beson­ders wenn sie vor­sichtig gewesen sind. Viele ahnen jedoch, dass auch sie selbst bei aller Umsicht töd­liches Opfer werden können. Und alle sehnen sich nach einem sicheren und fried­lichen, freien und glück­lichen Leben, ohne zu meinen, den anderen durch Selbst­gerechtig­keit fressen zu müssen oder sich von ihm durch Selbst­losig­keit fressen zu lassen.

Quallen haben kein Gehirn und können nicht zur Ver­ant­wor­tung gezogen werden, wohl aber „quallen­artige Menschen“, die das Gift der Unver­nunft ver­spritzen und sich selbst sowie unschul­dige Menschen gefährden.

Deshalb gilt für Menschen mit Gehirn und Herz: In den Stürmen des Lebens sind Bojen klugen Verhaltens, die im Recht verankert sind, lebens­wichtig. Ebenfalls ein innerer Kompass der indivi­duellen Würde, der die Eigen­verant­wortung und Rück­sicht­nahme stärkt. Auch unsich­tbare Quellen des Glaubens, die dem Leben aller dienen. Weil sie immer wieder für frisches Wasser zuver­sicht­lichen Grund­vertrauens – auch neuen Gott­vertrauens – sorgen. Und für verant­wortungs­volle Vernunft im Einsatz gegen Quallen. Sowie für Fische, die noch nicht geboren sind.

Burkhard Budde

(veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 26.92020)

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Dangerous jellyfish

Wasserspiel

Jellyfish suddenly appear in the sea. Some are harmless, others are poisonous. Many are disgusted by these brainless creatures, are careful not to make any acquaintance with them. Precaution is better than endangering one’s health.

In the sea of life there are also „slippery swimmers“, which are dangerous, but transparent and controllable. Unfortunately, there are also „jellyfish“ which are invisible, but painful to the body and soul, and can reproduce quickly.

What to do? A salmon answers: „You are exaggerating. Such jellyfish have always existed.“ A goldfish replies: „What good is such a comparison if I am destroyed here and now. A shark replies, „The jellyfish are harmless if you look closely. And the number of victims is bearable in our environment“. A trout contradicts: „Because almost all of us are disciplined and keep distance from the jellyfish, there has not yet been a catastrophe.“ And a pike says: „Numbers are too abstract for me, the individual fate is more important to me.“

Many people are concerned about the jellyfish. Many wish not to be killed by jellyfish, especially if they have been careful. Many suspect, however, that even they themselves can become a deadly victim, despite all caution. And all of them long for a safe and peaceful, free and happy life, without thinking that they have to eat the other person through self-righteousness or to let themselves be eaten by him through selflessness.

Jellyfish have no brains and cannot be held accountable, but they are „jellyfish-like people“ who spray the poison of irrationality and endanger themselves and innocent people.

Therefore the following applies to people with brains and hearts: In the storms of life, buoys of wise behavior anchored in law are vital. Also an inner compass of individual dignity that strengthens personal responsibility and consideration. Also invisible sources of faith, which serve the life of all. Because they always provide fresh water of confident basic trust – also new trust in God. And for responsible reason in the fight against jellyfish. And for fish that have not yet been born.

Burkhard Budde

(also published in the Westfalen-Blatt in East Westphalia and Lippe on 26.92020)

Kluge Appelle

Kluge Appelle

Moment mal

Kluge Appelle

Rote Kerze mit Flamme

Sind Appelle immer nur heiße Luft, zu allge­mein, zu unver­bindlich? Oder wie Süßholz­raspeln, um andere Menschen zu streicheln, vor allem zu gewin­nen? Aber ohne allzu großen Erfolg?!

Bei manchen Mit­menschen gehen selbst dringende Appelle ins eine Ohr hinein und wenig später durch das andere Ohr wieder heraus. Wie bei einer Stich­flamme gibt es beim Hören nur ein kurzes (Auf-)Flackern; dann ist alles wieder beim Alten.

Bei anderen Menschen entfachen flam­mende Appelle nur ein Stroh­feuer: Gefühle werden zwar bewegt, aber trotz der anfäng­lichen Begeiste­rung dringen sie nicht tief, weit und lang genug ins Bewusst­sein vor. Und können das eigene Denken nicht durch­dringen.

Auch ist es möglich, dass unver­bind­liche Appelle einen geistigen Schwel­brand verur­sachen, der glimmt, aber nicht zum Brennen kommt. Weil der Hörer kein Vert­rauen in den Appellie­renden hat. Es fehlt einfach genü­gend Sauer­stoff, Offen­heit und Glaub­würdig­keit. Und vielleicht existieren auch schlechte Erfah­rungen mit ähn­lichen Appellen oder ähn­lichen Appellie­renden.

Klar, wer seine Ohren mit Vor­urteilen zustopft, hört nichts. Und wer nur das hört, was er hören will, weil es ihn bestä­tigt, hört nichts Neues. Aber einmal ehrlich: Kann man nicht auch Appelle hören, die dem eigenen und fremden Leben dienen (könnten), die ein­leuchten, nach­voll­ziehbar und damit not­wendig sind?

Kluge Appelle an die Vernunft – den gesunden Menschen­verstand – und zugleich an das Gewissen – an das mensch­liche Herz – können Not wenden. Sie ent­zünden gleich­sam ein inneres Lager­feuer, das die Kälte einer Seele erwärmt, die Dunkel­heit des Geistes erleuch­tet und träge Füße des sozialen Mitein­anders bewegt.

Und die Liebes­erklärung Gottes „Jeder Mensch ist unend­lich geliebt“, die nicht täuschen oder über­rumpeln will, kann durch notwen­dige Appelle an die Mensch­lichkeit und unan­tast­bare Würde einen Flächen­brand auslösen – politische Verant­wortung sowie den Kampf um mehr Frei­heit und Gerechtig­keit.

Burkhard Budde

(auch veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 19.9.2020)

Wait a minute

Clever appeals

Gelbe Kerze mit Flamme

Are appeals always just hot air, too general, too non-binding? Or like sweet talk to caress other people, especially to win? But without too much success?!

In some people, even urgent appeals go in one ear and out the other a little later. As with a tongue-in-cheek flame, there is only a brief (up-)flickering when listening; then everything is as it was before.

In other people, flaming appeals only ignite a straw fire: feelings are moved, but despite the initial enthusiasm, they do not penetrate deep, far and long enough into consciousness. And cannot penetrate their own thinking.

It is also possible that noncommittal appeals cause a mental smouldering fire that smoulders but does not burn. Because the listener has no confidence in the person making the appeal. They simply lack sufficient oxygen, openness and credibility. And perhaps there are also bad experiences with similar appeals or similar appellers.

Of course, if you plug your ears with prejudices, you won’t hear anything. And those who only hear what they want to hear because it confirms them, hear nothing new. But let’s be honest: Can’t we also hear appeals that (could) serve our own and other people’s lives, that are plausible, comprehensible and therefore necessary?

Clever appeals to reason – to common sense – and at the same time to conscience – to the human heart – can turn trouble around. They ignite, as it were, an inner campfire that warms the coldness of a soul, illuminates the darkness of the spirit and moves sluggish feet of social togetherness.

And God’s declaration of love „Every human being is infinitely loved“, which does not want to deceive or take people by surprise, can trigger a conflagration through necessary appeals to humanity and inviolable dignity – political responsibility as well as the fight for more freedom and justice.

Burkhard Budde

(also published in the Westfalen-Blatt in East Westphalia and Lippe on 19.9.2020)

Bewegendes Spiel

Bewegendes Spiel

Kunstwerk von Marion Dollenberg, Wolfenbüttel

Kunstwerk von Marion Dollenberg, Wolfenbüttel

Moment mal

Bewegendes Spiel

Nur ein Spiel unter­schied­licher Haltungen? Ein Garten­zwerg – der nur gute oder schlechte Mit­spieler kennt, lebt in einer schein­bar heilen Welt. Rumpel­stilzchen – will unerkannt bleiben, aber nichts einge­stehen, verstehen und wissen. Herkules – der als helden­hafter Spiel­macher auf der Bühne erscheint, fordert zwar mehr Brot für alle, denkt aber nur an sein eigenes gefülltes Wein­glas. Eine Prima­donna – die unbedingt die Haupt­rolle haben will, spricht hinter den Kulissen verächt­lich über andere.

Verwundert fragt sich ein Zuschauer: Ist das nicht alles ein mieses Spiel?

Im wirklichen Leben, das mehr als Spielerei ist, gibt es zum Glück auch Mit­spieler, die über den Garten­zaun hinaus blicken können, die ihren Namen nicht ver­heim­lichen und Gesicht zeigen, die ver­suchen glaub­würdig zu sein.

Es gibt im Spiel des Lebens die Chance auf eine gemein­same Kultur:

  • Höflichkeit als Visitenkarte gehört dazu, damit eine Begeg­nung gelingt.
  • Freundlichkeit als Kitt, damit Wer­tschätzung erlebbar ist.
  • Gesprächsbereitschaft als Brücke, damit eine Beziehung erfahrbar ist.
  • Bereitschaft zur Empathie als Türöffner, damit Verstehen möglich wird.
  • Bereitschaft zur Fairness als Wegweiser, damit Wege zur Wahrheit gesucht werden.
  • Bereitschaft zur Verant­wortung als Schlüssel, damit der Raum zur Verstän­digung aufge­schlossen wird.
In diesem spannenden Spiel, in dem jeder Spieler mal Gewinner mal Verlierer sein kann, werden alle gebraucht, sind alle auf­einander ange­wiesen und alle mit­einander unter­wegs.

Und bequeme Schwarzweiß­malerei, lieb­gewor­denes Schub­fach­denken und denk­faule Gewohn­heiten können leichter über­wunden werden, wenn sich alle ihrer Geschöpf­lich­keit, Fehler­haftig­keit, Ver­letzlich­keit und End­lich­keit bewusst bleiben.

Die Energie des christlichen Glaubens kann Haltungen ver­ändern: Wer frei­willig vor dem leben­digen Gott auf die Knie geht, wird von seinem Geist der Liebe aufger­ichtet. Und kann vor Menschen aufrecht gehen – auf Augen­höhe, mit Rück­grat und mit dem Rücken­wind der liebenden Vernunft.

Burkhard Budde

(veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 12.9.2020)

Wait a minute

Moving game

Just a game of different attitudes? A garden gnome – who only knows good or bad players – lives in a seemingly intact world. Rumpelstiltskin – wants to remain unrecognized, but wants to admit, understand and know nothing. Hercules – who appears on stage as a heroic playmaker, demands more bread for everyone, but thinks only of his own filled wine glass. A prima donna – who absolutely wants to have the leading role, talks contemptuously about others behind the scenes.

In astonishment a spectator asks himself: Isn’t all this a lousy game?

In real life, which is more than just a game, there are fortunately also players who can look beyond the garden fence, who do not hide their name and show their face, who try to be credible.

In the game of life there is the chance of a common culture:

  • Politeness as a business card is part of it, so that an encounter is successful.
  • Friendliness as putty, so that appreciation can be experienced.
  • Willingness to talk as a bridge, so that a relationship can be experienced.
  • Willingness to empathy as a door opener, so that understanding becomes possible.
  • Readiness for fairness as a signpost, so that ways to the truth are sought.
  • Readiness for responsibility as a key, so that the space for understanding is opened up.

In this exciting game, in which every player can be a winner or a loser, everyone is needed, everyone depends on each other and everyone travels together.

And comfortable black-and-white painting, cherished drawer thinking and lazy habits can be overcome more easily if everyone remains aware of their creatureliness, flawedness, vulnerability and finiteness.

The energy of Christian faith can change attitudes: Whoever voluntarily kneels before the living God is lifted up by his Spirit of Love. And can walk upright before people – at eye level, with backbone and with the tailwind of loving reason. 

Burkhard Budde

(also published in the Westfalen-Blatt in East Westphalia and Lippe on 12.9.2020)