Goslarer Rede

Goslarer Rede

Moment mal

Goslarer Rede

Von Burkhard Budde

Ministerpräsident und CDU-Bundesvorsitzender Armin Laschet in Goslar

Fortschritt und Ausblick durch Rückblick

CDU als Zukunftsmodell – Goslarer Rede von Armin Laschet

Eine Erfolgsgeschichte, die in Goslar begonnen hat. Grund, die offizielle Gründung der CDU vor 75 Jahren in der tausendjährigen Kaiserstadt am Harz zu feiern. Am 20. Oktober 2021 hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) dazu in das Hotel und Tageszentrum DER ACHTERMANN in Goslar eingeladen.

KAS- Vorsitzender Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D., betonte in seiner Begrüßung: „Die CDU blickt auf eine stolze Bilanz zurück. In der Zeit haben die Abgeordneten der 16 von 20 gewonnenen Bundestagswahlen, fünf CDU-Kanzler sowie 6 von 12 Bundespräsidenten das Land geprägt.“ Es sei nach der verlorenen Bundestagswahl in diesem Jahr eine voreilige Prognose, dass die Zeit der Volksparteien zu Ende gehe. Wichtig sei jetzt vor allem eine selbstkritische Sachdebatte im Blick auf die Frage „Was wollen wir?“ – nicht „hauptsächlich schnell“, sondern „hauptsächlich gründlich“.

Ministerpräsident Armin Laschet, Bundesvorsitzender der CDU, hielt anschließend die „Goslarer Rede 2021″. Die CDU sei weder eine Sammlungspartei noch eine Klientelpartei, sondern eine Volkspartei, die politische Gegensätze ausgleiche. Die Idee einer Volkspartei behalte eine Zukunft. Allerdings müsse sie geschlossen und bürgerlich auftreten, um gewählt zu werden, um die Herzen und das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Das christliche Menschenbild mit seinen Grundsätzen der Eigenverantwortung und Subsidiarität, die soziale Marktwirtschaft, die parlamentarisch verankert sei, und die europäische Idee blieben Grundlage, Orientierung und Triebfeder christlich-demokratischer Politik: „Wir müssen an unseren Grundwerten festhalten, konstruktive Oppositionsarbeit betreiben und uns nicht zur Konkurrenz der AfD machen.“ Ein „besseres Deutschland“ – wie beim Gründungsparteitag 19550 – müsse auch heute das Ziel sein.

In der folgenden Diskussionsrunde, die von der Berliner Journalistin Tanja Samrotzki moderiert wurde, sagte Dr. Bernd Althusmann, stv. Ministerpräsident und Vorsitzender der CDU in Niedersachsen, dass die CDU weiterhin einen Grundkompass der Werte brauche. Als Transmissionsriemen zwischen Politik und Gesellschaft müsse eine Partei auch die Sprache der Menschen sprechen, nah am Menschen dran sein und Ideen sowie Lösungsantworten haben – zum Beispiel im Blick auf die Außen- und Sicherheitspolitik, die Energieversorgung, die Rentenpolitik der Zukunft, die Krankenhauspolitik, Schulpolitik für Deutschland. Die CDU werde weiterhin gebraucht.

Prof. Dr. Dominik Geppert von der Universität Potsdam mahnte ein „erkennbares Profil“ der CDU an. In den letzten 16 Jahren sei solide regiert worden, lösungs- und konsensorientiert mit Annäherungen an den politischen Gegner. Der „Preis“ der Suche nach einer Balance seien die „Nachbarn“ „programmatisch beweglich“ und „programmatisch profillos“ gewesen.

Anna Kreye, Vorsitzende der Jungen Union Sachsen-Anhalt, antwortete auf die Frage nach „konservativ“: CDU müsse wie eine lebendige Membran zwischen Politik und Gesellschaft werden, sich nicht in Ideologien verfangen, erreichbare Ziele anstreben und Eigenverantwortung stärken. Themen wie Digitalisierung, Klimaneutralität, Rentenpolitik im Blick auf junge Leute müssten nicht mit Floskeln, sondern durchdacht und langfristig beantwortet werden.

Dr. Bernd Althusmann, Anna Kreye, Dr. Dominik Geppert und Tanja Samrotzki (v.l.n.r.)

KAS-Vorsitzender Dr. Norbert Lammert

Prof.Dr. Reza Asghari, Dr. Burkhard Budde und der Bürgermeister aus Bad Harzburg Ralf Abrahms

Sie werden gebraucht

Sie werden gebraucht

Moment mal

Sie brauchen einander

Von Burkhard Budde

Hänschen braucht Hans

Moment mal

Sie brauchen einander

Hänschen, neugierig und lernfreudig, entdeckt mit Hans, erfahren und kinderlieb, das bunte Leben. Beide staunen beim Stadtbummel über die reichhaltigen Angebote, beide sind entzückt beim Blick in den grenzenlosen Himmel, auf das weite Meer und vom hohen Gipfel des Berges.

Hans, stolz auf Hänschen, nimmt sich für ihn Zeit, spielt und freut sich mit ihm, hört gespannt zu, wenn Hänschen über eigene Erlebnisse berichtet und Unbekanntes hinterfragt. Dann erzählt Hans nicht selten aus seinem Leben, um mit Hänschen eine Antwort zu finden. Hans strahlt Gelassenheit aus, wenn er für Hänschen in gefährlichen Situationen Grenzen aufzeigen oder Nein sagen muss. Und Begründungen gibt, selbst wenn Häschen sie nicht alle versteht.

Hänschen wird auf seinem Lebensweg noch viel erleben: Den „Prahlhans“, der seine Vorzüge und Erfolge stets herausstellt, ja rühmt, weil er in sich selbst verliebt erscheint oder heimlich unter Minderwertigkeitsgefühlen leidet. Den „Hanswurst“, den viele nicht ernstnehmen und wie eine heiße Kartoffel fallen lassen, weil seine Wahrheiten nicht mehr in ihr Weltbild passen. Den „Hansdampf in allen Gassen“, der auf allen Straßen des Lebens mitmischen will, jedoch ins Leere läuft, weil er sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren kann. Oder den „Hans-Guck-in-die Luft“, der ständig auf sein iPad schaut oder nur von seiner Weltsicht träumt, gefährliche Stolpersteine übersieht, aber auch beglückende Begegnungen. Und leicht auf die Nase fällt, wenn Menschen ihn mit ihrem Masken- und Etikettenspiel manipulieren. Vielleicht auch „Hans im Glück“, der „leichten Herzens“ und „frei von aller Last“ sein Zuhause findet.

Hänschen braucht einen Hans, der ihm hilft,  Freude am und im Lernen zu haben, Unterschiede wahrzunehmen, Eigenes zu entwickeln, immer unabhängiger, eigenverantwortlicher und souveräner zu werden, auch Spannungen, Mehrdeutigkeiten und Entwicklungen auszuhalten. Und Hans braucht Hänschen, weil er ihn ständig in Bewegung hält, dazuzulernen und umzulernen, sich schlechte Gewohnheiten abzugewöhnen und neue auszuprobieren.

Bei beiden kann die Einsicht wachsen:  Jeder Mensch lebt als „Hänschen“ und als „Hans“. Das Leben des „Hans“ beginnt, wenn ein Mensch bedenkt, dass sein Leben ein einmaliges Geschenk ist, eine unverwechselbare Biographie und einen eigenen Sinn hat. Dass jeder Mensch mit einer angeborenen Würde, mit Sinnen und Verstand ausgestattet ist. Und dass der Geber der Lebenszeit stets der Freie und Liebende bleibt, damit ein Mensch sich in liebender Vernunft verändern kann.

Burkhard Budde

Veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe

in der Rubrik „Moment mal“ am 16.10.2021

Vielfalt in Einheit

Vielfalt in Einheit

Moment mal

Vielfalt in Einheit

Von Burkhard Budde

Kunst trifft Kunst 

„Wir (alle) sind das Volk“

„..und man sieht nur die im Lichte“ 

Das Banner „Wir (alle) sind das Volk“ von Hans Haacke ist jetzt auch in Goslar zu sehen. Im Vordergrund auf dem Foto sieht der Betrachter „zufällig“ die Bronzeskulptur „…und man sieht nur die im Lichte“ von Walter Kaune aus dem Jahr 1992. 

Wie die Goslarsche Zeitung berichtet, gehört Goslar nun auch zum internationalen Netzwerk „dieses Aufrufs zur Gemeinschaft in Vielfalt“. (GZ vom 9.10.2021) Hans Haacke, gebürtiger Kölner, der in New York lebt, erhält am 9. Oktober 2021 offiziell den Kaiserring 2020.

Die Botschaft der Kunst der beiden Künstler lädt zum Nachdenken ein: Wer Einheit schaffen will, muss Vielfalt organisieren. Aber Vielfalt ist kein Wert an sich. Vielfältig sind auch destruktive Kräfte, zum Beispiel Hass und Gewalt, die häufig im Verborgenen oder hinter dem Deckmantel der Vielfalt ihr Unwesen treiben.

 

Darum braucht jede „Gemeinschaft in Vielfalt“ auch einen gemeinsamen Rahmen und ein Fundament, zum Beispiel die Achtung der angeborenen Würde eines jeden Menschen sowie die Solidarität mit den Leidenden, Sprachlosen und Interessenlosen, die nicht im Lichte stehen. 

Damit eine versöhnende Vielfalt durch eine liberale Demokratie sowie einen wehrhaften Rechtsstaat, der die individuelle Freiheit und gemeinsame Sicherheit gewährt, möglich wird. 

Burkhard Budde

 

 

Verweht

Verweht

Moment mal

Verweht im Wind

Von Burkhard Budde

Bob Dylans Antwort verweht im Wind

Moment mal

Antwort verweht im Wind

Manchmal haben wir als Jugendliche den Sonnenuntergang besonders genossen. Wenn am Lagerfeuer ein Freund mit seiner Gitarre Rockmusik anstimmte, sangen wir wie elektrisiert mit. Ganz warm ums Herz wurde es beim Folksong „Blowin‘ in the Wind“ von Bob Dylan, dem wohl bedeutendsten Solokünstler der Unterhaltungsmusik. Der Protestsong aus dem Jahr 1963 gegen das Elend eines Atomkrieges ging uns unter die Haut: In der Kubakrise im Oktober 1962 hatte die Welt 13 Tage am nuklearen Abgrund gestanden, bis das Licht der Vernunft entzündet wurde – „es kann keine Sieger nur Verlierer geben“ – sowie ein „heißer Draht“ als ständige Verbindung zwischen den USA und der Sowjetunion eingerichtet wurde.

Das Idol der Protestbewegung von 1962 bis 1964, das sich in seiner christlichen Lebensphase von etwa 1979 bis 1981 als „wiedergeborener Christ“ verstand, hat nicht nur einen musikalischen Ohrwurm geschaffen, sondern auch begeisternde Musikgeschichte geschrieben. Nicht ohne Grund erhielt 2016 der US-amerikanische Singer-Songwriter als erster Musiker den Literatur-Nobelpreis.

Noch heute können die Inhalte des Liedes „Blowin‘ in the Wind“ Menschen berühren und bewegen, zu neuen Selbst- und Weltentdeckungen führen sowie integrierende und spirituelle Kräfte wecken. Der Text der Anti-Kriegs-Hymne belehrt nicht, wiederholt nicht Parolen politischer Aktivisten, betreibt nicht das Geschäft mit der Angst, verläuft sich auch nicht im Dickicht einer Moral. Vielmehr wird mit rhetorischen Fragen Stellung bezogen sowohl gegen Krieg als auch gegen falsche Sicherheiten durch einfache Rezepte: Wie viele Straßen, Meere, Kanonenkugeln, Berge sind erforderlich? Wie viele Male muss es einen „Mann“ mit Gleichgültigkeit, Ignoranz und Selbsttäuschung geben? Wieviel Tote müssen erst da sein, bis es Veränderungen gibt? Damit eine „weiße Taube“ Ruhe findet, ein „Berg“ durch Wasser ins Meer gelangt, ein „Mensch“ Freiheit geschenkt bekommt? Damit „ein Mann“ „die Menschen weinen hört?“

Dylans mutige Antwort ist keine leichte Antwort: „Die Antwort, mein Freund, sie verweht im Wind…“

Und doch bleiben nicht nur komplexe und komplizierte Rätsel; ist da keine Bitternis. Denn wo frischer Wind sture Betonköpfe von ihrer Machtsucht befreit, existiert auch Offenheit und Verantwortung bei der ständigen Suche nach Frieden – auch mit Hilfe der begeisternden Himmelsmacht, dem Geist der Freiheit, Vernunft und Liebe, der immer wieder neu umfassenden Frieden im stets gefährdeten Frieden stiftet.

Burkhard Budde

Veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe

in der Kolumne „Moment mal“ am 9.10.2021

 

Danken

Danken

Moment mal

Danken

Von Burkhard Budde

Danken und Denken gehören zusammen – auch ein schmackhaftes Essen ist nicht selbstverständlich

Moment mal

„Danke“ als Türöffner

Gibt es ein Echo auf eine gute Tat? „Er hat sich bei mir bedankt!“ strahlt eine Person, die sich mitmenschlich verhalten hat. „Unsere Beziehung ist jetzt viel entkrampfter und vergoldet worden.“ Übertreibt die Person? Ist das Wort „Danke“ wirklich ein Türöffner für eine erneuerte Beziehung? Ein Schlüsselwort, das den Geber zu weiteren „guten Taten“ ermutigt?

Kritische Geister können die verschiedenen Geister unterscheiden, die zum Beispiel im höflichen „Thank you“, im ästhetischen „Grazie“, im anmutigen „Mercie“ oder im denkenden „Danke“ stecken.

„Undank ist der Welt Lohn!“ behaupten manche, die bei jedem Schritt und Tritt das Zauberwort „Danke“ erwarten und enttäuscht sind, wenn ihre überhöhten Erwartungen nicht erfüllt werden.

„Das ist mein gutes Recht“, sagen andere selbstbewusst, die „Danke“ als überflüssige Floskel ansehen und nur an die Durchsetzung ihrer Interessen denken.

„Ich gebe, damit du gibst“, verraten wieder andere, die eine „gute Tat“ erbringen und dafür auf eine „gute Tat“ als Gegenleistung hoffen.

„Du kannst doch dankbar sein und mehr geben“, fordern manche von anderen, denken aber selbst nicht daran, den eigenen Geldbeutel zu öffnen.

„Dankbarkeit ist frischer Wind für eine Beziehung“, berichten Menschen. Dankbarkeit könne eine Gemeinschaft nicht nur begründen, sondern auch den Staub im Miteinander vertreiben und einer Beziehung neuen Schwung geben. Der Dankbare, der unabhängig und aufrichtig sei, könne jedenfalls auf Augenhöhe deutlich machen: „Mit meinem Dank würdige ich dein Verhalten, indem ich hoffe, dass wir beide frei und autonom bleiben.“

„Wer dankt, denkt weiter“. Ist es selbstverständlich, dass ich lebe? Kann nicht „über Nacht“ alles anders sein? Und überhaupt: Können Fische ohne Wasser leben? Können Bäume ohne Wurzeln überleben? Hat ein Mensch sich selbst das Leben gegeben? Ist alles „Zufall“? Könnte der „Zufall“ ein Tarnwort für die Wurzeln und das Wasser des Lebens sein – für den unsichtbaren Gott, der in der Gabe des Lebens geheimnisvoll anwesend ist? Und könnte die göttliche Gabe des Lebens nicht eine menschliche Aufgabe sein, das Leben in Dankbarkeit und in Verantwortung vor dem Schöpfer zu gestalten, zu bewahren und zu erneuern?

Das Erntedankfest, das zu den ältesten Festen der Menschheit gehört, ist ein Dankfest, denn „alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn“ (Matthias Claudius, 1783). Jeder kann seinem Schöpfer danken – vor allem für geschenkte Lebenszeit und für seine Liebe, die nur Neuanfänge kennt.

Das Fest ist jedoch auch ein Denkfest, das zur liebenden Vernunft ermutigt: Denn das Leben muss fortwährend erneuert werden, damit es wachsen und reifen kann, Früchte trägt. Und der Geber aller guten Gaben den Menschen segnet.

Burkhard Budde

Veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe

in der Kolumne „Moment mal“ am 2.10.2021

Kämpfen

Kämpfen

Moment mal

Kämpfen

Von Burkhard Budde

Viele Menschen kämpfen leidenschaftlich und leidensfähig

Moment mal

Leidenschaftlich kämpfen

Es wird gekämpft – leidenschaftlich, willensstark und zielstrebig. Mal mit dem Holzhammer, mal mit dem Florett. Mal mit Maske, mal mit offenem Visier. Mal mit Parolen, mal mit Argumenten. Mal mit Ängsten, mal mit Hoffnungen.

Kämpfer wollen erfolgreich sein und nicht verlieren: Am Arbeitsplatz oder im Stadion. Hinter den Kulissen oder auf offener Bühne. Im Leiden oder in einer gestörten Beziehung.

Erfolg und Niederlage können jedoch dicht beieinander liegen, auch im politischen Raum:

Verständlich, wenn ein Sieger Freudentränen vergießt. Und gerne seine Fehler unter den Teppich kehrt, vielleicht auch vergisst, dass er die Früchte anderer erntet oder von den Schwächen anderer profitiert.

Verständlich auch, wenn ein Verlierer enttäuscht ist. Und nach Erklärungen seiner Niederlage sucht: Gab es zu wenig Rückenwind, zu viel Gegenwind, zu wenig Fairness, zu viel Täuschung?

Gewinner und Verlierer sind eben keine Roboter ohne Lust und Frust, auch ohne Überlegenheits- oder Vergeltungsgefühle. Die Bewährungsprobe ihrer menschlichen Haltung ist der Umgang miteinander: Wird der Gewinner den Verlierer mit der autoritären Abrissbirne endgültig zerstören? Oder wird er dessen Argumente respektieren, abwägen und vielleicht sogar Kompromisse suchen? Wird der Verlierer den gehässigen Knüppel aus dem politischen Kasten holen und den Gewinner heimlich oder offen verteufeln? Oder wird er seinen Erfolg anerkennen, selbstkritisch sein sowie seine Zusammenarbeit anbieten?

Beide sitzen in einem Boot: Beide – nicht nur siegreiche Kapitäne – werden für das Boot gebraucht. Beide tragen Gesamt- bzw. Teilverantwortung für den Kurs des ganzen Bootes. Und der Gewinner von heute kann der Verlierer von morgen sein. Vor allem jedoch brauchen beide auf dem politischen Meer ein Leben jenseits des Bootes, wo es Sinn-, Kraft- und Trostquellen gibt.

Zum Beispiel die biblische Botschaft „Kämpfe den guten Kampf des Glaubens!“ (1.Tim 6,12). Im begrenzten Lebenskampf kann der Glaube an das unbegrenzte Leben Trost spenden: Die Gnade Gottes – die lebensspendende Kraft der Urquelle – gilt erfolgreichen, aber auch erfolglosen Menschen. Sie ermöglicht vor allem neue Perspektiven: Ich bleibe stets geliebt, einmalig, kostbar und wertvoll – unabhängig von meiner Leistung oder meinem Erfolg. Und was wie ein Verlust aussieht, kann in Wahrheit ein Gewinn sein – wegen der Reifungs- und Wachstumsprozesse.

In diesem Glaubenskampf geht es weder um Größenwahn noch um Unterwürfigkeit, wohl aber um die Waffen der leidensfähigen Liebe – des Vertrauens, der Verantwortung, der Vernunft und der Barmherzigkeit.

Burkhard Budde

Veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe

in der Kolumne „Moment mal“ am 25.9.2021