Gemeinwohl

Gemeinwohl

Moment mal

Gemeinwohl

Von Burkhard Budde

Leserbrief in WELT

Gut und naiv 

Zum Kommentar „Schäubles Vermächtnis“

von Chefredakteur Dr. Ulf Poschardt (WELT 27.10.2021)

Wolfgang Schäuble und Ulf Poschardt haben im Blick auf die repräsentative Demokratie keine leeren oder belehrenden, wohl aber wahre und wegweisende Worte gefunden: Das Gemeinwohl, das „bonum commune“, das allgemeine sowie notwendige Gute einer demokratischen Gesellschaft, ist mehr als die Summe der Interessen von Einzelpersonen oder Gruppen.

Der „neumodische Identitätskram“ (Poschardt), vielleicht gut und naiv gemeint, aber falsch gedacht, vor allem nicht weit genug gedacht, führt zur Spaltung und zur Zersplitterung der Gesellschaf, zur partikularistischen Gruppengesellschaft, die weniger nach Entwicklungschancen, Leistung, Eignung und Qualifikation, sondern mehr nach Geschlecht, Herkunft, Gesinnung und Gruppenzugehörigkeit fragt.

Burkhard Budde 

(Leserbrief in WELT 1.11.2021)

 

Reformation

Reformation

Moment mal

Reformation

Von Burkhard Budde

 

Im Zentrum von Wittenberg

Das Herz im Herzen

Kann Gott das Herz eines Menschen zum Schlagen bringen?

Hat das reformatorische Erbe eine Chance, die Gegenwart zu verändern und eine Zukunft im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe zu eröffnen?

Wird der reformatorische Schlachtruf „Allein“ überhaupt noch gehört?

„Allein die Schrift“ („Sola scriptura“) kann einen Zugang zur Quelle neuen Lebens schaffen.

Die Botschaft der Bibel ist geistliche Quelle, aber auch ethischer Kompass und normative Instanz christlicher und kirchlicher Existenz.

„Allein durch Gnade“ („Sola gratia“) kann die geistliche Quelle entdeckt werden.

Es ist ein Geschenk des Geistes Gottes, sich in dem mitleidenden und selbstleidenden Gott geborgen zu wissen, sich vor dem freien und freimachenden Gott verantworten zu müssen und durch den gnädigen Gott auf Erlösung und Vollendung zu hoffen.

„Allein durch den Glauben“ („Sola fide“) können leere Hände durch das Schöpfen aus der geistlichen Quelle mit neuer Gewissheit gefüllt werden.

Der Glaube an Jesus Christus ist das lebendige Gefäß, um aus der unsichtbaren Quelle zu schöpfen und ein christliches Leben und eine kirchliche Gemeinschaft zu suchen und zu finden.

„Allein Christus“ („Solus christus“) kann das Wasser neuen Leben, die grenzenlose und bedingungslose Liebe erfahrbar machen, die Gott ist und durch die Gott wirkt.

Jesus Christus ist selbst das Wasser des Lebens, das erhält und erneuert sowie im Meer des Lebens aus der Tiefe Kreise zieht.

„Allein aus Liebe“ („Sola caritatis“) wird neues Leben mitten im Alltag möglich – in Dankbarkeit und Demut, im Vertrauen und in Vernunft, in Verantwortung und in Leidenschaft.

Dieser unverdienbare Herzschlag kennt am Ende eines sichtbaren Lebens  nur einen neuen schöpferischen Anfang. Nicht Verlogenheit, Trickserei, Neid, Gier, Angst, Unvernunft, Gleichgültigkeit oder der Unglaube haben das letzte Wort, sondern das Herz im Herzen  – Gott, der frei und souverän ist sowie als Urheber, Begleiter und Sinngeber allen Lebens letzte Geborgenheit und letztes Ziel schenkt, den Herzschlag ewigen Lebens.

Burkhard Budde

 

Haltung zeigen

Haltung zeigen

Moment mal

Haltung zeigen

Von Burkhard Budde

Die fromme Helene auf der Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1982 zum 150. Geburtstag von Wilhelm Busch

Moment mal

Rückgrat und Haltung zeigen

Brauchen wir mehr „gute Menschen“? Aber was ist überhaupt ein „guter Mensch“? Wilhelm Busch, Autor der Bildergeschichte „Die fromme Helene“ (1872), schreibt: „Ein guter Mensch gibt gerne acht, ob auch der andre was Böses macht. Und strebt durch häufige Belehrung nach seiner Beß’rung und Bekehrung“. Und „Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, was man lässt.“

Wer Buschs Worte gleichsam auf der Zunge zergehen lässt, verspürt den Spott, der mit einer Prise Humor garniert ist: Die „fromme Helene“ ist in Wahrheit ein Zerrbild im Zwielicht versteckter Kritik. Ungenießbare Moral und Verlogenheit des 19. Jahrhunderts werden durch scheinbaren Genuss serviert.

Auch eine moderne Gesellschaft braucht keine moralischen Klöße, die unverdaulich im Hals steckenbleiben, die die Freude am Leben nehmen und das Vertrauen zum Leben zerstören. Tugendbolde taugen nichts, wenn sie „gute Zutaten“ von anderen fordern, selbst aber ihr eigenes Süppchen kochen.

Wichtiger erscheinen Persönlichkeiten, die besonders in Krisenzeiten Haltung – kein Heldentum, keine Selbstherrlichkeit, keine Wichtigtuerei – zeigen und „taugliche Tugenden“, die in der Schatzkammer der Vergangenheit zu finden sind, glaubwürdig und aktualisiert vorleben; zum Beispiel:

Klugheit („prudentia“), mehr wissen und verstehen wollen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Und nicht nur nach Bauchgefühl und Vorurteilen entscheiden.

Gerechtigkeit („iustitia“), sich einsetzen für gleiche Chancen aller, für Solidarität mit Schwächeren, für das Gemeinwohl sowie für die Nachwelt. Und sich nicht von Neid oder von Gier beherrschen lassen.

Tapferkeit („fortitudo“), mit Rückgrat argumentativ widersprechen, spätestens wenn die Würde verletzt wird. Und sich nicht hochmütig oder gleichgültig, übermütig oder gedankenlos, buckelnd oder ängstlich verhalten.

Mäßigung („temperantia“), Maß und Mitte, angemessene Verhältnismäßigkeit und tragfähige Kompromisse suchen. Und nicht mit Kanonen auf Spatzen zu schießen oder aus einer Mücke einen Elefanten machen.

Frömmigkeit („pietas“), sich in Demut seiner Geschaffenheit, aber auch seiner Ebenbildlichkeit mit dem Schöpfer vergegenwärtigen, damit Gott als letzte Verantwortungsinstanz aller sowie Quelle letzter Geborgenheit entdeckt werden kann.

Damit Liebe („caritas“, „agape“) eine Chance erhält, aus „gutschlechten“ Menschen menschliche Personen werden, die immer und überall mit Form und Format gebraucht werden.

Burkhard Budde

Veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe

in der Kolumne „Moment mal“ am 30.10.2021

 

Leben lieben

Leben lieben

Moment mal

Leben lieben

Von Burkhard Budde

Vicky Leandros liebt – trotz allem – das Leben

Moment mal

Das Leben lieben

Ist „Liebe“ nur ein großes Wort, das die Sehnsucht nach Geborgenheit weckt? Oder ein Zauberwort, das im Liebesschmerz für gute Laune sorgt und zum neuen Verlieben einlädt?

Im Jahr 1975 wurde der Schlager „Ich liebe das Leben“ veröffentlicht. Hat die deutsch-griechische Sängerin Vicky Leandros mit diesem nachhaltigen Lied die „Liebe“ zu einem Schlüsselwort gemacht?

Die erste Strophe – ein fast trostloser Anblick einer traurigen Wirklichkeit – berichtet von zwei Menschen, die dabei sind, sich zu trennen. Der „Koffer“, der schon im Flur steht, ist kein Hinweis auf eine schöne Reise, sondern auf Umbruch und Alleinsein. Der Abschied geschieht in einer Sphäre der Unsicherheit, mit Zweifeln („Es muss wohl so sein“) und Fragen („Was wird aus dir?“).

Mit dem Refrain folgt eine Art Paukenschlag: „Nein, sorg dich nicht um mich. Du weißt, ich liebe das Leben.“ Und eine besondere Begründung: „Das Karussell wird sich weiter dreh’n.“

Die zweite Strophe – ein selbstkritischer und zugleich unbestimmter Rückblick – spricht von möglichen Wahrnehmungsschwächen der eigenen Person, aber auch von verzweifeltem Hoffen auf ein Feuer, „wo es nur noch glimmt.“ Aber man sterbe ja nicht gleich daran.

In der dritten Strophe – ein ermutigender Ausblick – keimt Hoffnung in einer neuen Freiheit auf, auf neues Verliebtsein. Denn die Welt sei schön. Und auf vertrauensvolle Neugier komme es an. „Wie’s kommt ist einerlei.“

Jahre später – 2016 auf der Beerdigung des Politikers Guido Westerwelle – hat die Sängerin das Lied auf die Trauerfeier und den Verstorbenen bezogen und interpretiert („Du bleibst im Herzen sicherlich.“)

Ist „Liebe“ auch ein Trostwort, das eine endgültige Trennung leichter ertragen lässt? Weil die Hoffnung auf Neuanfänge für Trauernde – selbst am Ende eines Lebens – durch den Glauben an die schöpferische Liebe nicht stirbt? Weil sich das „Karussell“ – der Kreis als Symbol des Lebens ohne Anfang und Ende – weiterdreht? Weil im Glauben an die Botschaft Jesu und an Gott – im „glühenden Backofen voller Liebe“ (Martin Luther) – trostlose oder verhärtete Herzen geschmolzen werden? Und zu einer unsichtbaren Gemeinschaft mit dem Schöpfer in der Ewigkeit zu einem neuen Leben verschmelzen?

Damit alle das Leben hier und jetzt auch in und nach schmerzhaften Krisen wieder lieben lernen.

Burkhard Budde

Veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe

in der Kolumne „Moment mal“ am 23.10.2021

Goslarer Rede

Goslarer Rede

Moment mal

Goslarer Rede

Von Burkhard Budde

Ministerpräsident und CDU-Bundesvorsitzender Armin Laschet in Goslar

Fortschritt und Ausblick durch Rückblick

CDU als Zukunftsmodell – Goslarer Rede von Armin Laschet

Eine Erfolgsgeschichte, die in Goslar begonnen hat. Grund, die offizielle Gründung der CDU vor 75 Jahren in der tausendjährigen Kaiserstadt am Harz zu feiern. Am 20. Oktober 2021 hatte die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) dazu in das Hotel und Tageszentrum DER ACHTERMANN in Goslar eingeladen.

KAS- Vorsitzender Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D., betonte in seiner Begrüßung: „Die CDU blickt auf eine stolze Bilanz zurück. In der Zeit haben die Abgeordneten der 16 von 20 gewonnenen Bundestagswahlen, fünf CDU-Kanzler sowie 6 von 12 Bundespräsidenten das Land geprägt.“ Es sei nach der verlorenen Bundestagswahl in diesem Jahr eine voreilige Prognose, dass die Zeit der Volksparteien zu Ende gehe. Wichtig sei jetzt vor allem eine selbstkritische Sachdebatte im Blick auf die Frage „Was wollen wir?“ – nicht „hauptsächlich schnell“, sondern „hauptsächlich gründlich“.

Ministerpräsident Armin Laschet, Bundesvorsitzender der CDU, hielt anschließend die „Goslarer Rede 2021″. Die CDU sei weder eine Sammlungspartei noch eine Klientelpartei, sondern eine Volkspartei, die politische Gegensätze ausgleiche. Die Idee einer Volkspartei behalte eine Zukunft. Allerdings müsse sie geschlossen und bürgerlich auftreten, um gewählt zu werden, um die Herzen und das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Das christliche Menschenbild mit seinen Grundsätzen der Eigenverantwortung und Subsidiarität, die soziale Marktwirtschaft, die parlamentarisch verankert sei, und die europäische Idee blieben Grundlage, Orientierung und Triebfeder christlich-demokratischer Politik: „Wir müssen an unseren Grundwerten festhalten, konstruktive Oppositionsarbeit betreiben und uns nicht zur Konkurrenz der AfD machen.“ Ein „besseres Deutschland“ – wie beim Gründungsparteitag 19550 – müsse auch heute das Ziel sein.

In der folgenden Diskussionsrunde, die von der Berliner Journalistin Tanja Samrotzki moderiert wurde, sagte Dr. Bernd Althusmann, stv. Ministerpräsident und Vorsitzender der CDU in Niedersachsen, dass die CDU weiterhin einen Grundkompass der Werte brauche. Als Transmissionsriemen zwischen Politik und Gesellschaft müsse eine Partei auch die Sprache der Menschen sprechen, nah am Menschen dran sein und Ideen sowie Lösungsantworten haben – zum Beispiel im Blick auf die Außen- und Sicherheitspolitik, die Energieversorgung, die Rentenpolitik der Zukunft, die Krankenhauspolitik, Schulpolitik für Deutschland. Die CDU werde weiterhin gebraucht.

Prof. Dr. Dominik Geppert von der Universität Potsdam mahnte ein „erkennbares Profil“ der CDU an. In den letzten 16 Jahren sei solide regiert worden, lösungs- und konsensorientiert mit Annäherungen an den politischen Gegner. Der „Preis“ der Suche nach einer Balance seien die „Nachbarn“ „programmatisch beweglich“ und „programmatisch profillos“ gewesen.

Anna Kreye, Vorsitzende der Jungen Union Sachsen-Anhalt, antwortete auf die Frage nach „konservativ“: CDU müsse wie eine lebendige Membran zwischen Politik und Gesellschaft werden, sich nicht in Ideologien verfangen, erreichbare Ziele anstreben und Eigenverantwortung stärken. Themen wie Digitalisierung, Klimaneutralität, Rentenpolitik im Blick auf junge Leute müssten nicht mit Floskeln, sondern durchdacht und langfristig beantwortet werden.

Dr. Bernd Althusmann, Anna Kreye, Dr. Dominik Geppert und Tanja Samrotzki (v.l.n.r.)

KAS-Vorsitzender Dr. Norbert Lammert

Prof.Dr. Reza Asghari, Dr. Burkhard Budde und der Bürgermeister aus Bad Harzburg Ralf Abrahms