Vision

Vision

Moment mal

Für ein zivilisiertes Miteinander

Von Burkhard Budde

Haltung, Halt, Zusammenhalt durch eine Vision

Moment mal

Für ein zivilisiertes Miteinander

Trotz allem. Eine Vision – eine Vorwegnahme der Zukunft – muss keine unrealistische Schwärmerei und auch keine Moralkeule sein. Die Vision einer weltweiten zivilisierten Kultur – unabhängig von Religion oder Weltanschauung – kann vielmehr schon jetzt starke Menschlichkeit mobilisieren und wehrhafte Lebensgeister wecken: Sich selbst und seine Mitmenschen vor Hass und Lüge, Doppelmoral und Heuchelei, Gewalt und Unrecht zu verteidigen; vor allem unschuldige und wehrlose Menschen vor Brutalität und Bosheit zu schützen und ihnen beizustehen, damit sie frei und sicher, souverän und glücklich leben können.

Die Entwicklung einer weltumspannenden Vision fängt bei jedem einzelnen an:

Würdevoller zu leben, indem die angeborene Würde sowie die angeborene Freiheit anderer so geachtet werden, wie man selbst geachtet und behandelt werden will.

Gerechter zu leben, indem Lebenschancen für alle gesucht und unterschiedliche Leistungen anerkannt werden; dem Schwachen zur Selbsthilfe, dem Hilflosen solidarisch geholfen wird; die Folgen des Handelns stets für die Mit-, Umwelt- und Nachwelt mitbedacht werden.

Wahrhaftiger zu leben, indem  Wahrheiten und Kompromisse, Lösungen und Optionen immer wieder neu und fair gesucht werden, die Kluft von Sein und Schein glaubwürdig überwunden wird.

Toleranter zu leben, indem Unterschiede und Vielfalt im Rahmen geltender Gesetze geachtet werden, Person und Sache unterschieden sowie die Entwicklung der Persönlichkeit ermöglicht wird.

Taktvoller zu leben, indem Rücksicht auf die Gefühle und die persönliche Situation anderer Menschen genommen wird; durch kulturelle Umgangsformen menschliches Format entstehen kann.

Barmherziger zu leben, indem Neuanfänge gewagt und Verantwortung wahrgenommen wird, weil kein Mensch perfekt, eine austauschbare Ware oder ein zu funktionierender Automat ist.

Leidenschaftlicher zu leben, indem für das richtig Erkannte, das aktuell Notwendige, das langfristig Gebotene zugleich mutig und besonnen, tapfer und klug, stark und verantwortungsbewusst gekämpft wird.

Die gelebte Vision überwindet sowohl ein rein effizientes oder gleichgültiges Durchwursteln als auch ein unberechenbares oder machtsüchtiges Durcheinander. Sie vermittelt Haltung, Halt und Zusammenhalt, bremst Unmenschlichkeit und fördert ein zivilisiertes Miteinander. Dennoch. 

Burkhard Budde

Veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 23.4.2022

in der Kolumne „Moment mal“

 

Just a moment

For a civilized coexistence

In spite of everything. A vision – an anticipation of the future – need not be an unrealistic rapture or a moral club. Rather, the vision of a worldwide civilized culture – independent of religion or worldview – can already mobilize strong humanity and awaken defensible spirits of life: to defend oneself and one’s fellow human beings from hatred and lies, double standards and hypocrisy, violence and injustice; above all, to protect innocent and defenseless people from brutality and malice and to stand by them so that they can live freely and safely, sovereignly and happily.

The development of a world-wide vision starts with each individual:

To live more dignified by respecting the inherent dignity as well as the inherent freedom of others as one wishes to be respected and treated.

To live more justly by seeking life chances for all and recognizing different achievements; to help the weak to help themselves, to help the helpless in solidarity; to always consider the consequences of one’s actions for one’s fellow man, the environment and posterity.

To live more truthfully, in that truths and compromises, solutions and options are always sought anew and fairly, the gap between reality and appearance is credibly overcome.

To live more tolerantly by respecting differences and diversity within the framework of applicable laws, by distinguishing between person and thing, and by enabling the development of personality.

To live more tactfully by showing consideration for other people’s feelings and personal situations; to create human stature through cultural manners.

To live more compassionately, daring new beginnings and taking responsibility, because no human being is perfect, an interchangeable commodity or an automaton to be functioned.

To live more passionately by fighting for what is rightly recognized, what is necessary at the moment, what is needed in the long term, at the same time courageously and prudently, bravely and wisely, strongly and responsibly.

The lived vision overcomes both a purely efficient or indifferent muddling through and an unpredictable or power-addicted mess. It conveys attitude, support and cohesion, puts the brakes on inhumanity and promotes civilized togetherness. Nevertheless.

Burkhard Budde

Frohe Ostern

Frohe Ostern

Moment mal

Frohe Ostern

Von Burkhard Budde

Mitten im Leiden und angesichts des Todes ein frohes und gesegnetes Osterfest wünschend

Frohe Ostern

Mehr wissen – besser verstehen

Ereignis neuen Lebens

Ostern, das älteste christliche Fest sowie das Hauptfest des Kirchenjahres, wird als Fest der Auferstehung Jesu am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert.

Zum Namen: Es gibt offene Fragen: Stammt der Name von einem altgermanischen Frühlingsfest ab? Wurde dieses Fest in vorchristlicher Zeit im ersten Frühlingsmonat zu Ehren der Licht- und Frühlingsgöttin mit Namen „Eostra“ gefeiert (altgermanisch „austro“, lateinisch „aurora“ = „die Morgenröte“)? Und im Zuge der Christianisierung mit dem christlichen Fest in Verbindung gebracht, weil das leere Grab Jesu „früh am Morgen, als eben die Sonne aufging“ (Markus 16,2) entdeckt worden war und später sich viele neue Christen „bei Sonnenaufgang“ am Ostermorgen taufen ließen?

Zum Ursprung: Zunächst wurde das Gedächtnis der Auferstehung Jesu jeden Sonntag am „Tag der Auferstehung Jesu“ gefeiert. In der jüdischen Pessachwoche – mit der Erinnerung an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei – hatte Jesus, selbst Jude, mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl am 14. Nisan gefeiert. Es war der jüdische Rüsttag zum Passahfest mit Schlachtung der Lämmer (später wurde der Tag von den Christen „Gründonnerstag“ genannt, Tag der Einsetzung des Abendmahles). Einen Tag später war Jesus gestorben („Karfreitag“); er wurde begraben („Karsamstag“ als Tag der Grabesruhe) und bei Anbruch der neuen Woche, am „Ostersonntag“, am „dritten Tag gemäß der Schrift“, von den Toten auferweckt. (vergleiche 1.Kor 15,3-4). Zudem war Jesus am Abend des ersten Tages der Woche auch einigen seiner Jünger erschienen.

Zur Geschichte: Zur Jahresfeier entwickelte sich Ostern wohl im Zusammenhang mit dem jüdischen Pessach- oder Passahfest, das jährlich am 14. Nisan (= Monat im jüdischen Kalender) begangen wurde. Christen deuteten es offensichtlich als christliches Passahfest um: Christus – im Kontext seines Sühnetodes – wurde zum „Passahlamm“ (1.Kor.5, 7). Und in ihrer Eucharistiefeier vergegenwärtigten sich die Christen zugleich die Botschaft des christlichen Sonntages, die Auferstehung Jesu.

Seit dem 2. Jahrhundert – die Erwartung der Wiederkunft Christi, die „Parusie“, hatte nachgelassen – wurde Ostern in Rom als rein heidenchristliches Fest am Sonntag nach dem 14. Nisan gefeiert: Eine Osternachtfeier („Ostervigil“) mit u.a. Eucharistiefeier, Entzünden der Osterkerze, Taufen der Katchumenen gehörte dazu. Vorangegangen war eine (Vor-)Fastenzeit mit Karwoche; es folgte eine Freudenzeit mit Himmelfahrtsfest und dem Pfingstfest als Abschluss.

Christen in Kleinasien und Syrien feierten jedoch weiterhin Ostern am 14. Nisan. Das Konzil zu Nicäa im Jahre 325 fand in der strittigen Terminfrage einen Kompromiss: Einheitlich wurde Ostern auf den 1. Sonntag nach dem 1. Frühlingsvollmond gelegt, also frühestens am 22. März, spätestens am 25. April.

Zur Bedeutung: Ostern kann für Christen die Wende sein: Die Gewissheit der siegreichen Auferstehung Jesu, die Neuschöpfung Gottes, verändert auch das eigene Leben. Sie schenkt Licht in der Finsternis, Hoffnung in der Ohnmacht und Liebe im Tal der Angst. Das Leben kann angesichts des Todes dennoch, trotz allem und wider den Augenschein, mit Sinn und Freude gefüllt werden – im vertrauensvollen Rückblick auf den auferstandenen Gekreuzigten und durch glaubwürdige Gegenwartszeugen als Ereignis neuen Lebens. 

Burkhard Budde                                                                  

 

Liebe

Liebe

Moment mal

Macht der Liebe

Von Burkhard Budde

Erinnerung an Jimmi Hendrix auf der Insel Fehmarn

Die Macht der Liebe

gegen die Liebe zur Macht

Eine aktuelle Botschaft in zwei alten Aussagen:

„Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übertrifft, dann wird Friede in der Welt sein.“ ( Jimmi Hendrix)

(gefunden am Gedenkstein Jimmi Hendrix in Erinnerung an das Love und Peace Festival vom 4. bis 6. September 1970 auf Fehmarn)

„Die Liebe reicht über den Tod hinaus: Gott hat mit dem brutalen Tod Jesu die brutale Macht des Todes mit den vielen unmenschlichen Gesichtern überwunden.“

(zu Karfreitag und Ostern 2022 und darüber hinaus)

Frohe Botschaft

Frohe Botschaft

Moment mal

Frohe Botschaft

Von Burkhard Budde

Frohmachende Botschaft trotz Kälte

Moment mal

Geheimnisvolle Botschaft 

Eine geheimnisvolle Botschaft höre ich wohl…

Doch ist sie nur heiße Luft, eine leere Versprechung, ein billiger Trost? Vielleicht nur geschickte Täuschung, ein naiver Selbstbetrug, eine soziale Show? Oder gar provokante Zumutung, weil die Tatsachen eine ganz andere Sprache sprechen? Ist die Botschaft wahr?

Zum Glück sagt mir mein Kopf, dass es verschiedene Wahrheiten gibt, die sich ergänzen oder in einem Konkurrenzverhältnis zueinander stehen können. Den Wahrheitsgehalt dieser „Infos“  muss ich kritisch, wenn möglich mit Hilfe unabhängiger Quellen, überprüfen – den von journalistischen Nachrichten und Berichten zum Beispiel, aber auch den von Gutachten oder Protokollen.

Eine besondere Botschaft mit einem besonderen Inhalt ist die Liebeserklärung. Sie kann zwar als Lippenbekenntnis oder als Süßholzraspeln missbraucht werden, um die Wahrheit zu verstecken. Sie kann auch irrational unvernünftig oder schwärmerisch sein. Und wer sie ständig durch den kleinteiligen Reflexionswolf dreht, zerstört ihr Anliegen. Aber auf die Spur dieser Beziehungswahrheit kommt der Angesprochene erst, wenn er sich auf das Wagnis einer liebenden Begegnung ganzheitlich einlässt.

Ähnlich einer Liebeserklärung kann es einer Person ergehen, der die Botschaft vom auferstandenen Gekreuzigten hört, sie im Kopf bedenkt und im Herzen bewegt:

Diese Botschaft hör ich wohl, aber weder theologische Klimmzüge noch historische Beweise öffnen den Raum einer neuen Wirklichkeit. Erst der Glaube – das Vertrauen in Gottes schöpferische Möglichkeiten, selbst am Ende Neuanfänge zu schaffen – ist der Schlüssel, um die Wahrheit dieser göttlichen Verkündigung über den Tod hinaus zu entdecken. Ohne das Wagnis des Glaubens kann der Gläubige keine Glaubenserfahrungen sammeln: Dass in der Angst das Pflänzchen Vertrauen wächst, Tränen abgewischt, Hände zur Versöhnung gereicht werden, dass Zuversicht auf Gottes Wirken die Gewissheit schenkt, dass der Friede nicht unvernünftig, jedoch höher als alle Vernunft ist.

Der Glaube an Jesus Christus ist keine Dekoration, keine Moral, kein Dogma, kein Aberglaube wohl aber eine  Quelle neuen Lebens – ein Leben, das jeder Gläubige durch die geheimnisvolle Botschaft der Auferstehung noch vor sich hat.

Burkhard Budde

Veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 19.4.2022 

in der Kolumne „Moment mal“

 

Fels

Fels

Moment mal

Fels in der Flut

Von Burkhard Budde

Ein Fels gibt sich nicht auf – trotz der Flut

Moment mal

Fels in der Flut 

Die Stille verzaubert die Sinne, beruhigt und beflügelt zugleich die Seele. Vieles wirkt friedlich und idyllisch. Aber kann das auch die bekannte Ruhe vor dem großen Sturm sein?

Eine unbarmherzige Flut, die sich keiner wirklich wünscht, kommt manchmal wie aus heiterem Himmel: Mit den Überschwemmungen des Alltäglichen, Gewohnten und Bewährten. Mit der Wucht der Wellen der Angst, der Sorgen und des Leidens. Mit den Zerstörungen durch Gier und Hochmut, Neid und Selbstsucht, Hass und Feindschaft, Heuchelei und Intrigen.

Ein Fels, der sich nicht aufgibt,  verschweigt nicht die Flut, beschönigt sie nicht, erstarrt auch nicht einfach zur Borniertheit. Der Fels kann die Flut nicht wegzaubern, wohl aber entzaubern, indem er sie durch seinen Willen zum Leben, durch Wehr- und Leidensfähigkeit, sein Profil und seinen Widerstand annimmt und damit verändert. Die Flut, die übermächtig sein will, ist mächtig, aber nicht allmächtig. Sie quält das Gute, Schöne und Wahre und vermischt sich mit ihnen als wenn sie ein Zauberer mit üblen Sprüchen wäre. Aber das Innere des Felsen – die Selbstachtung und Liebe – ist unantastbar, kann nicht zerstört werden und bleibt stärker als alle Mächte, die den Felsen brutal zu beseitigen versuchen.

Es gibt einen unsichtbaren Felsen in einem Menschen, der keine Zauberei, jedoch einen Zuflucht- und Schutzort  sowie Hoffnungs- und Energieort darstellt. Hier kann sich ein leidgeprüfter Mensch Luft verschaffen: Hier ist Raum für Klagen, Schreien, Ohnmacht oder Verstummen. Hier können wildes und verletztes, naives und dummes, überhebliches und gleichgültiges  Denken und Fühlen selbstkritisch reflektiert und dadurch überwunden werden. Hier hofft der Gläubige nicht auf Vertröstung, sondern auf einen einfühlsamen und tröstenden Felsen – auf Gottes Wirken, der selbst in unerträglicher Ohnmacht mit dem Geist seiner schöpferischen Kraft mächtig ist. Damit Menschen wieder neu- und froh werden. Und zu lebendigen Felsen, die gewürdigt sind, und sich durch den Geist der Liebe und Vernunft zugleich mutig und demütig, stark und weise bewegen können.

Keiner verliert seine Freiheit in Verantwortung vor Gott. Alle sollen in allen Stürmen ein Leben in Würde, Frieden und Sicherheit führen können. Denn „Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde“. (Psalm 62,7)

Burkhard Budde

Veröffentlicht im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 9.4.2022 in der Kolumne „Moment mal“