Auf ein Wort
Auf dem Weg zum Glück
Von Burkhard Budde

Auf ein Wort
Auf dem Weg zum Glück
Glück kann einen Menschen beflügeln; Unglück jedoch einen Menschen aus der Bahn werfen. Manchmal liegen Glück und Unglück auch dicht beieinander. Ein Mensch trägt zum Beispiel eine Brille. Und dennoch sucht er nach ihr. Er verfügt über eine robuste Gesundheit, geistige Beweglichkeit, soziale Kontakte, intakte Familie, berufliche Erfolge. Und dennoch ist er unzufrieden und fühlt sich todunglücklich.
Ein Mensch, der gesund ist, kann seines eigenen Unglückes Schmied sein:
Sein Geiz vergisst, dass sein letztes Hemd keine Taschen hat.
Oder – das andere Extrem – seine Verschwendung übersieht, dass er eines Tages ohne ein eigenes Hemd dasteht, wenn er alle seine Hemden aus dem Fenster geworfen hat.
Oder der Schmied seines Unglücks schadet sich durch seine Gier selbst, weil er den Hals nicht voll genug bekommt und daran zu ersticken droht. Oder sein Neid, sein ständiges Vergleichen mit anderen, macht ihn zum antriebslosen und ungenießbaren Neidhammel, der andere gerne ausbremst. Und sein Zynismus, der sich über das Unglück anderer freut und am Glück anderer leidet, führt ihn direkt in die Verbitterung und die Isolation.
Es gibt zwar keine Königswege zum Glück, wohl aber kann ein Glücksschmied sein eingeschlafenes Glück in gewisser Weise wachküssen: Indem er ständiges Nörgeln und Meckern, seine negativen Gedanken und sein Selbstmitleid überwindet und sich auf seine eigenen Stärken und Fähigkeiten, Möglichkeiten und Perspektiven konzentriert. Indem er Selbstvertrauen entwickelt und Teilen lernt, zum Beispiel Geld, Besitz, Zeit, Lebensfreude, Gemeinschaft, ja sogar Liebe, denn Liebenden wird nicht nur Freiheit, sondern auch Glück geschenkt.
Das Glück ist kein Gegenstand, den man kaufen und erwerben kann. Vielmehr ist es wie ein scheues Reh; kaum hat man es gesehen, schon ist es im Dickicht wieder verschwunden. Aber wer nur am eigenen Herd sitzen bleibt oder vor dem Fernseher hockt oder nur mit dem Smartphone beschäftigt ist, wird nie ein Reh entdecken, beobachten und erleben können.
Und wer sich das Lachen selbst verbietet, weil doch alles so schlimm und schrecklich ist, wird eines Tages als Griesgram in die ewigen Jagdgründe gehen.
Nicht nur eine Prise Humor kann entkrampfen und befreien, sondern auch ein geflügeltes Wort kann Flügel bekommen und einen Menschen in beglückende Horizonte tragen: „Carpe diem“ („Pflücke den Tag“), erlebe den Tag als deine wertvolle und einmalige Lebenszeit, indem du ihn genüsslich beim Schopfe fasst. Und gleichzeitig den Wahlspruch der Aufklärung beherzigst „Sapere aude“ („Wage es, weise zu sein“.), damit nicht im Glück das Unglück um die Ecke kommt.
Ein Mensch kann Glück haben und glücklich sein; er kann Begeisterung und Verantwortung verspüren, wenn er „mehr Glück als Verstand“ hatte – einen Schutzengel erlebte, den Gott, der kein Glücksbringer oder Zauberer ist, wohl aber Sinn- und Kraftquelle neuen Glücks auf dem Weg zur Glückseligkeit.
Burkhard Budde