Moment mal

Zukunft CDU?

Von Burkhard Budde

CDU als moderne Volkspartei der Mitte mit geistigen Quellen  hat eine Zukunft

Kommentar 

Geistige Quellen beachten

Zur Zukunft der CDU

Die CDU, eine Mischung aus Mitgliedern, Funktionären und Mandatsträgern, in der Anfangszeit eine politische Bewegung, dann Programm- und Honoratiorenpartei, später Mitgliederpartei, kann wieder zu einer modernen Volkspartei werden, in der Personen aus verschiedenen Bevölkerungsschichten und Milieus ihre politische Heimat finden.

Die Beachtung der geistigen Quellen dieser Partei ist jedoch für sie überlebenswichtig. Sie bedeutet das Ende der Flucht vor politischem Tiefgang im Kontext des Lebens und der Beginn leidenschaftlicher Überzeugungsarbeit, um in die Breite der Bevölkerung zu wirken. 

Zukunft eröffnet sich für die CDU auch weiterhin durch das christliche Menschenbild, die soziale Marktwirtschaft und die liberale Demokratie sowie die offene und plurale Gesellschaft auf der Basis der Werte und Normen des Grundgesetzes und eines wehrhaften Rechtsstaates.

Diese geistigen Quellen speisen den politischen Fluss einer Partei im politischen Alltag. Wenn sie vergessen oder ignoriert werden, wird der lebendige Fluss auf Dauer zu einem unbedeutenden Rinnsal einer Klientel-, Zeitgeist- oder Machtpartei, austrocknen und zum machtpolitischen Sprungbrett von selbstverliebten und selbstbezogenen politischen Schauspielern, die – ironisierend – „nur an das Wohl des Landes und der Partei denken“.

Die Zeit ist reif für die CDU, aus ihren sich ständig erneuernden, d.h. zu aktualisierenden Quellen zu schöpfen, um im Sog der Macht- und Interessenkämpfe die Mitte des Flusses zu finden, das Bürger- und Parteiwohl, vor allem das „bonum commune“: das Gemeinsame, Verbindende, Zukunftsfähige, den Rahmen aller, jenseits von bevormundendem Moralismus und willfährigem Pragmatismus, um  – in der jeweiligen Situation – nachhaltige (Kompromiss-) Lösungen erarbeiten zu können.

Die Zeit ist auch reif für unabhängige und selbstständig denkende Führungspersönlichkeiten – nicht für unnahbare Halbgötter, für besserwisserische Gutmenschen, für fixierte Karrieristen oder für angepasste Verwandlungskünstler- , die keine Kniefälle vor dem Zeitgeist, dem politischen Gegner oder dem Parteifreund machen, sondern die aufrecht und auf Augenhöhe wertschätzend moderieren und argumentativ integrieren, strategisch führen und gemeinsame Positionen in der Öffentlichkeit vertreten können und Durchsetzungskraft haben. Vor allem die Schrittmacher und Kümmerer der Vision   „Dienst am Gemeinwohl“ sind. Denn welcher Bürger wünschte sich nicht ein Leben  in Würde und Achtung, in Chancengerechtigkeit  und Solidarität, in Sicherheit und Wohlstand?!

Und wer so über seine Partei hinaus ausstrahlt, weil er einen Anker und einen Kompass hat, vor allem aus Kraft- und Sinnquellen schöpft, um dem Menschen ohne Scheuklappen, ohne erhobenem Zeigefinger und ohne Ego-Trip zu dienen, wird für viele wählbar. 

Burkhard Budde

Noch nicht veröffentlichter Leserbrief zum Kommentar „Die CDU auf der Suche nach sich selbst“ von Jasper von Altenbockum (F.A.Z. vom 2.11.2021)