Moment mal
Suche nach Glück
Von Burkhard Budde
Einem Glückspilz, der wenig nachdenkt, gelingt fast alles. Ein Pechvogel, der an der falschen Stelle sein Glück sucht, stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste. Der Miesepeter, dem es keiner recht machen kann, wird immer unglücklicher. Hans im Glück, der unerschütterlich vertraut, verliert nach und nach alles, fühlt sich jedoch erleichtert – „so glücklich“.
Es gibt keinen Königsweg zum Glück, sondern nur viele persönliche Wege, auf denen Suchende den Göttinnen Fortuna oder Felicitas begegnen können, um „Glück zu haben“ oder „glücklich zu sein“. Doch auch solche Begegnungen sind nicht selbstverständlich: Verletzende Erfahrungen wie Angst und Hass, Lüge und Neid, Gier und Geiz können Glücksgöttinnen vertreiben.
„Ich wünsche ihnen viel Glück auf allen ihren Wegen“, sagt eine Person zu einer anderen. Wo und wie wird er sein Glück finden? Auf dem Weg des Erfolges, des Genusses, der Ehre? Oder auch auf dem Weg der Zufriedenheit, des Verzichtes, der Bescheidenheit? Wird sein Glück von den Bedingungen, die er vorfindet, beeinflusst? Oder wird er selbst seines Glückes Schmied sein müssen, weil Glück keine reine Glückssache ist? Kann er eingeschlafenes Glück wachküssen? Und überhaupt: Ist das Glück nicht immer launisch und flüchtig, weil es kein Gegenstand ist, den man festhalten kann?
Und was geschieht, wenn kein Amboss zur Verfügung steht? Wenn der Suchende unerwartet krank wird? Oder wenn ohnmächtige Gefühle wüten?
Wahres Glück jedenfalls können Menschen entdecken, die kleine Glücksmomente bewusst und dankbar wahrnehmen. Und durch Nächstenliebe und Gemeinschaft Sinn erfahren.
Wahre Glückssucher vertrauen der Vernunft und der Innovationskraft des Menschen. Und als Gottessucher rechnen sie im Tal des Unglücks mit Gottes Hilfe, der in Unmöglichkeiten neue Möglichkeiten in Aussicht stellt. Gottvertrauende ergreifen den Zipfel des Glücks, indem sie zuversichtlich an ein Leben aus Gottes Hand glauben. Und frei für positive Überraschungen bleiben. Denn auf dem Weg zum Glück kommt ihnen Gott mit liebenden Händen entgegen¸ um Glückseligkeit zu versprechen.
Burkhard Budde
Veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 31.12.2020