Auf ein Wort

Respektlose Persönlichkeiten

Von Burkhard Budde

„Nec aspera terrent“ („Ich fürchte keine Widrigkeiten“). Wahlspruch der Welfen.

Auf ein Wort

Respektlose Persönlichkeiten

Sind sie schon einmal einem Narzissten begegnet? Vielleicht, aber was ist überhaupt ein Narzisst? Ein Mensch, der extrem selbstbezogen und übertrieben selbstverliebt sowie ständig anerkannt und von allen bewundert werden will, wird von Psychologen als Narzisst bezeichnet. Er ist schnell gekränkt und beleidigt, wenn man seine Qualitäten in Frage stellt, da er davon überzeugt ist, etwas Besseres zu sein und andere sowieso keine Ahnung hätten. Ob er zu wenig Zuwendung in seiner Kindheit erfahren hat, unter fehlendem Selbstbewusstsein leidet, und sich deshalb unsozial verhält und nur noch Feinde oder Freunde kennt?

Und wie ist es mit einem Psychopathen? Vielleicht ist uns schon einmal ein Psychopath begegnet, aber wir haben es nicht bemerkt. Er kann nämlich, so Psychologen, Gefühle zeigen und sehr charmant sein, aber er hat keine echten Gefühle oder nur wenig Mitgefühl für andere. Er kann Stärke zeigen, aber selbst schwach sein. Auch er teilt Menschen auf – in Gute, die auf seiner Seite stehen und die er für seine Interessen braucht und in Böse, die er ablehnt, weil sie ihn kritisch sehen.

Häufig geht er – bildlich gesprochen – über Leichen und schadet bewusst anderen Menschen, um seine Ziele zu erreichen. Manchmal entpuppt er sich auch als ein Meister der Manipulation, indem er einen Mitmenschen lobt und bewundert, um sein Vertrauen zu gewinnen; dann jedoch bei ihm Zweifel sät, ihn kritisiert, ihn für alles Mögliche verantwortlich macht und Halbwahrheiten über ihn verbreitet.

Mir ist darüber hinaus in meinem Studium Nicolo Machiavelli begegnet. Der italienische Diplomat aus der Zeit der Renaissance hat 1513 das politische Werk „Il Principe“ (deutsch „Der Fürst“) geschrieben: Ein „guter Fürst“ müsse sowohl Löwe als auch Fuchs, sowohl stark und mächtig als auch listig und klug sein, um Wölfe vertreiben und Fallen erkennen zu können, damit er entschlossen und mutig seine Macht erhalte.

Ein Schauer lief über meinen Rücken, als ich sein Werk genauer las: Zum Machterhalt gehöre es, fromm, gerecht und ehrlich zu wirken, aber nicht unbedingt zu sein. Versprechen dürften gebrochen werden, wenn sie den eigenen Interessen entgegenstünden. Stets komme es auf den Schein an, auf das Image und die Inszenierung. Ein „guter Fürst“ sollte zwar nicht verhasst sein, aber lieber gefürchtet als geliebt. Also sollte er stets ein (intrigantes) Spiel mit gezinkten Karten spielen?!

Manchem Leser wird es wie Schuppen von den Augen fallen: Auch heute noch gibt es Macht- und Dominanzgehabe, panische Angst vor Machtverlust, schlimmer noch gierige Macht mit eigenen Regeln ohne einen ethischen Kompass der Freiheit und Verantwortung, auch politische Verführung durch emotionale Kälte, gespielte Härte oder Wärme, Entmenschlichung durch Entwürdigung oder Heuchelei.

Autoritäres Verhalten – extremer Druck durch Abgrenzung, Hierarchie und Macht –  taucht überall in Politik, Gesellschaft und im Beruf auf. Manchmal können narzisstische und psychopathische Elemente in einer (Führungs-) Person mit der Neigung zu cholerischen Ausbrüchen entdeckt werden.

Doch auf Dauer kann keine Gemeinschaft, aber auch keine liberale Gesellschaft zusammengehalten werden, wenn es keine klaren Wegweiser, keinen gegenseitigen Respekt sowie die verbindliche Übereinkunft, Wege auf einem Fundament gemeinsamer Werte und Normen zu gehen, gibt, um begründetes Vertrauen im Blick auf die Zukunft zu schaffen, zu erhalten oder zu erneuern.

Und wer Worte Jesu  „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ „Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener.“ ernstnimmt, dem öffnen nicht autoritäre Scheinfürsten, die bevormunden, sondern demokratische Führer, die dem Gemeinwohl dienen, neue Räume gemeinsamen und vielfältigen Glücks. 

Burkhard Budde