Auf ein Wort

Wunschliste

Von Burkhard Budde

„Guten Rutsch“, „Happy New Year“

„Prosit Neujahr“, „Cheers to the New Year“

„Hals und Beinbruch“, „Break a leg“ („Viel Erfolg“)

„Glück und Segen“, „Luck and blessings“ 

Auf ein Wort

Wunschliste

Was steht auf der persönlichen Wunschliste für das neue Jahr? Zum Beispiel eine stabile Gesundheit und ein gerechter Frieden? Ein sicherer Arbeitsplatz und eine bezahlbare Wohnung? Eine intakte Familie und gute Freunde? Auch Erfolg, Lebensfreude und Lebensglück?

Manche scheinen wunschlos glücklich und zufrieden zu sein; sie bleiben in ihrem vertrauten Lebensraum auf der Scholle ihrer Erwartungen, weil ihnen nichts Wesentliches oder Aufregendes zu fehlen scheint. Ihr persönliches Wohlbefinden – „Happiness“ – erfüllt sie mit guten Gefühlen.

Andere wiederum wünschen sich und anderen laut und hörbar, sichtbar und schriftlich festgehalten „viel Glück und beschwören den gut gemeinten Wunsch durch ständige Wiederholungen, der jedoch auf Dauer formelhaft leer sowie unglaubwürdig kraftlos wirkt.

Wieder andere nehmen den Mund nicht so voll: Sie versuchen vielmehr, durch Fleiß und Anstrengungen ihres eigenen Glückes Schmied zu sein, obgleich sie das kurzfristige Zufallsglück – „Luck“ – nicht machen können, das allerdings allein auch nicht glücklich macht.

Manchmal winkt allen das Glück einer schönen Glückskatze im Schaufenster des Lebens oder das von Glücksrittern mit Dauerlächeln, wobei auf ein kurzfristiges Vergnügen – „Pleasure“ – oder auch durch blinde Naivität häufig eine bittere Enttäuschung vorprogrammiert ist.

Dennoch kann es sinnvoll sein, eine persönliche Wunschliste mit Schwerpunkten zu gestalten. Sie ermöglicht zum Beispiel Klarheit über wichtige Lebensinhalte und angestrebte Lebensziele, Hoffnungen und Erwartungen, aber auch Ängste und Sorgen.

Ohne Wünsche, die vom Wunsch nach einem glücklichen und erfüllten Leben beflügelt werden, würde ein Vakuum entstehen: Das Gift des Pessimismus – „Die Tür bleibt ohnehin verschlossen.“ – übernähme die Regie. Oder die undifferenzierte Schwärmerei – „Jede Tür lässt sich stets von jedem öffnen.“ – gäbe den Takt vor.

Mit Lebenswünschen, die mit Glück rechnen, wird ein Funke neuen Lichtes in einem Menschen entfacht, der selbst zum Licht in der kalten Finsternis wird, indem er für dieses Lebenslicht kämpft und sogar im Unglück die Tür zum Glück offenhält – auch wenn nur für einen Spalt oder für kurze Zeit. Finsternis wird erträglicher oder sogar vertrieben. Zusammenhalt und Haltung werden gestärkt. Ein neues Leben in Würde und Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit gewinnt an Gestalt.

Vielleicht verbergen sich diese beglückenden Lichter, die stärker sind als alle Finsternis, hinter den Wünschen „guten Rutsch“ (eigentlich „Gut Rosch“, „guter Anfang“, „gute Reise“), „Prosit Neujahr“ („Es möge gelingen“) oder „Hals- und Beinbruch“ im Sinne des jüdischen Wunsches, der nichts mit unglücklichen Verletzungsgefahren zu tun hat, sondern „Glück und Segen“ meint.

Denn, brauchen nicht alle Menschen auf ihren Lebenswegen „Glück“ und den Wunsch aller Wünsche: Den Glauben an glückliche Momente sich öffnender Türen angesichts der vielen Ängste und Sorgen in verschlossenen Räumen – das Licht fester Zuversicht?

Wer der göttlichen Botschaft des Lichtes „Siehe, ich mache alles neu!“ glaubt, ihr eine Wirkmacht zutraut, kann einen Lichtblick der Ewigkeit in seinem Herzen verspüren und diese froh- und neumachende Glückserfahrung mit Kopf und Herz weitergeben, damit die Finsternis heller und wärmer wird. Darum steht ganz oben auf der Wunschliste vieler: Viel Glück und Gottes Segen!

Burkhard Budde