Auf ein Wort
Auf dem Weg zum Glück
Von Burkhard Budde
Auf ein Wort
Wege zum Glück
Es gibt keine Königswege zum Glück. Das Glück ist keine Ware, die man kaufen oder erwerben kann. Und „luck“ („Glück gehabt“) ist ohnehin ein großes Geschenk. Aber auch „happiness“, das beflügelnde Gefühl eines erfüllten und sinnvollen Lebens mit tragfähigen Beziehungen ist auch nicht (immer) von Dauer. Es ist mit einem scheuen Reh zu vergleichen; kaum hat man es aufmerksam beobachtet, beachtet und geachtet, kann es wieder im Dickicht des Waldes verschwinden. Überall lauern Glückskiller: Eine unverschuldete Krankheit, plötzliche Arbeitslosigkeit, ständige Konflikte, die die Lebensqualität nachhaltig belasten und zerstören können.
Allerdings kann ein Mensch auch der Schmied seines eigenen Unglücks sein: Ein Geiziger, der nicht teilen kann und vergisst, dass auch sein letztes Hemd keine Taschen hat. Der Verschwenderische, der alle seine Hemden aus dem Fenster wirft und sich am Ende wundert, ohne ein Hemd dazustehen. Der Neidische, der durch sein ständiges Vergleichen ungenießbar geworden ist und sein eigenes Glück verliert. Der Zyniker, der sich über das Unglück anderer freut und am Glück anderer leidet und immer mehr verbittert und sich isoliert.
Die Folgen des Glückskillers Gier schildert in eindrucksvoller Weise das Märchen vom Fischer und seiner Frau: Ein armer Fischer, der einen verzauberten und sprechenden Fisch fängt, lässt ihn aus Mitleid wieder frei. Seine Frau, die die Chance auf ein besseres Leben sieht, schickt ihren Mann zurück ans Meer, damit er sich vom Fisch Wünsche erfüllen lässt. Doch immer, wenn ein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, wird die Frau unzufriedener, schließlich immer gieriger. Zunächst besteht das Glück in einem kleinen Häuschen, dann geht es um ein Schloss; schließlich will sie Königin, dann Kaiserin, dann Papst werden. Der Gipfel ihrer Begierden besteht darin, wie Gott zu werden. Das Ergebnis ist erschütternd und ernüchternd zugleich. Der Fischer, der offensichtlich Angst vor Konflikten mit seiner Frau hatte und dem die Kraft fehlt, Widerstand gegen ihre Gier zu zeigen, landet mit seiner Frau in der ursprünglichen Hütte. Maßlosigkeit ohne ethischen Kompass und Macht ohne Grenzen machen nicht glücklicher, wohl aber anfälliger und unzufriedener – unglücklicher.
Aber es muss doch einen Weg geben, den Tag genüsslich beim Schopfe zu fassen („Carpe diem“, „Pflücke oder nutze den Tag“), und gleichzeitig eigenes und fremdes Glück zu teilen – sich über das Glück anderer zu freuen und mit dem eigenen Glück andere glücklich zu machen, ohne naiv zu werden.
Hans im Glück, der erst sein Gold gegen ein Pferd, dann das Pferd gegen eine Kuh, dann die Kuh gegen ein Schwein, dann das Schwein gegen eine Gans, dann die Gans gegen einen Schleifstein eintauscht und schließlich auch seinen Schleifstein verliert, ist kein naiver und schlechter Kaufmann. Dieses Märchen macht vielmehr deutlich: Materielles, Besitz, Reichtum, Konsum, aber auch Erfolg, Ruhm, Status machen nicht automatisch glücklich. Sie können zum Ballast werden, zum Gefängnis des eigenen Ichs.
Das wahre Glück findet ein Mensch wohl erst in seiner inneren Freiheit, loszulassen, was ihn zu versklaven droht; das Leben anzunehmen, was ihm Freude, Sinn und Erfüllung schenkt. Der Griesgram, der sich das Lachen selbst verbietet, wird wohl kaum glücklich; auch nicht die Made im Speck, die über den Speck ständig schimpft. Wohl aber derjenige, der täglich aus Kraftquellen möglichen Glücks schöpft, indem er sich auf seine eigenen Stärken und Fähigkeiten, Möglichkeiten und Perspektiven, auf das Teilen konzentriert. Und so das schlafende oder eingeschlafene Glück auf dem Weg zur Glückseligkeit weckt.
Burkhard Budde