Auf ein Wort

Gefährlicher Hass

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Gefährlicher Hass 

Wo der Wille zur Vernichtung wächst, gedeiht die gefährliche Sumpfblüte des Hasses. 

Diese Blüte spritzt lähmendes Gift. Wer sich ihr nähert, wird unbeweglich und geblendet, verliert schnell die komplexen Realitäten sowie Grautöne aus dem Auge und sieht nur noch Gutes und Schlechtes, Freund und Feind. Die Sumpfblüte des Hasses, die bewundert werden und etwas Besonderes sein will und keine Kritik verträgt, versucht alle anderen Blüten, die nach ihren Vorstellungen nicht in den Garten des Lebens passen, zu zerstören und auszureißen. 

Sie träumt vom blinden Gehorsam, überschätzt ihre Schönheit, freut sich am Unglück anderer und kann das Glück und den Erfolg anderer nicht ertragen. Der Hass zeigt sich in der hemmungslosen und herzlosen Jagd nach Sündenböcken – im Versuch, den eigenen Schatten loszuwerden, von eigenen Fehlern, eigenen Inkompetenzen und eigenen Bosheiten abzulenken. 

Denkfaule und unaufgeklärte Blüten ohne geschichtliches Wissen und ethisches Gewissen lassen sich leicht von ihrer trügerischen Attraktivität verführen und begeben sich auf das gefährliche Sumpfgebiet.

Hier wurzeln totalitäres, fanatisches und autoritäres Denken, das im Namen von Toleranz und Vielfalt andere Blüten verteufelt sowie am Reden zu hindern und zum Schweigen zu bringen versucht.

Hier befinden sich auch die Quellen der Ängste vor Minderwertigkeit und fehlender Anerkennung, des Neides und der Ohnmachtsgefühle.

Hier wächst die Sumpfblüte in der glühenden Hitze von Konflikten, die nicht selten mit gespaltener Zunge und einer Unschuldsmiene ausgetragen werden.

Hier entwickelt sich die Sumpfblüte mit ihren Hassblüten in der eisigen Kälte von Unnahbarkeit und Unbeweglichkeit.

Judenhass und Israelhass, Ausländerhass und Inländerhass, Hass gegenüber Angehörigen und Freunden oder auch Hass sich selbst gegenüber treiben in diesem Sumpf ihr Unwesen.

Kann man nur vor diesen Sümpfen warnen – oder nur kapitulieren? Was tun, wenn sich die Blüten im Sumpf gerne baden oder sich nicht selbst aus dem Sumpf befreien wollen?

Weniger anfällig gegenüber Hassbotschaften wird derjenige, der kritische Distanz zum Sumpfgebiet wahrt, indem er trittsicherer wird, dem Hass widerspricht, Person und Sache jedoch unterscheiden lernt, den Hasserfüllten von seinem Hass scheidet, um die Hassblüte besser bekämpfen zu können. Derjenige wird mutiger gegenüber der Botschaft des Hasses mit ihren einfachen Erklärungen und rigorosen Lösungen. Der sich sachlich und umfassend aus unabhängigen Quellen über komplexe Themen informiert. Der mit anderen Interessierten auf Augenhöhe und im gegenseitigen Respekt diskutiert. Der Pro und Kontra abwägt, um sich eine eigene Meinung bilden und vertreten zu können. Und der offen bleibt für neue Einsichten und Erkenntnisse.

Wer den Sumpf trockenlegen will, sollte die vielen Sumpfblüten genauer ansehen. Vielleicht entdeckt er dann etwas Bekanntes: Eigene innere Leere und Verletzungen, Verlust-, Überforderungs- und Fremdheitserfahrungen. Dessen Gewissen kann geweckt werden, weil er „Mitwisser“ geworden ist. Und wird nicht selbst zum Hassenden.

Wenn demgegenüber die Botschaft der Liebe in einen Menschen eindringt, kann im eigenen Sumpf die liebende und befreiende Hand Gottes ergriffen werden. Ein Leben in neuer Freiheit, in Verantwortung und Vernunft wird möglich. Dem Hass kann rechtzeitig und konsequent begegnet und rational Einhalt geboten werden. Immer mehr Hassblüten verblühen und Sümpfe werden schrittweise trockengelegt, um zu blühenden Gärten zu werden – mit unterschiedlichen Pflanzen, aber alle mit einer angeborenen und nicht zu verlierenden Würde, die auf den Willen zum erneuerten  und versöhnten Leben ausstrahlen                        

Burkhard Budde