Moment mal

Freude im kleinen Kreis

Von Burkhard Budde

Stern leuchtet, um einzuladen.

Auch eine Geburtstagsfeier im kleinen Kreis kann Freude bereiten. Weniger Menschen bedeuten jedoch nicht automatisch weniger Stress. Im Gegenteil! Gerade im kleinsten Kreis kann man sich schneller auf die Nerven gehen.

Aber bei einer kleinen Feier besteht die besondere Chance, keinen lauten Stress der großen Zahl mit unterschiedlichsten Erwartungen und vorprogrammierten (Ent-)Täuschungen zu erleben, sondern die Leere relativer Stille der kleinen Zahl schöpferisch und mutig zu füllen. Und dabei schöne sowie intensive Gefühle in der Gedankenwelt zu verspüren.

Wie das? Wenn die Geburtstagsfeier nicht ohne das Geburtstagskind stattfindet – zu Weihnachten an die Geburt Jesu gedacht und das Herz für die göttliche Botschaft geöffnet wird. Und dadurch das Herz in der Vernunft zum Schlagen gebracht wird.

Jesus ist dann mehr als eine historische Figur, ein moralisches Vorbild oder eine dekorative Gestalt, mehr als „ein holder Knabe im lockigen Haar“. Wenn das Herz im Glauben an den lebendigen Gott als Quelle und Ziel allen Lebens schlägt, wird Jesus zum Sinnbild und Urbild des Willens Gottes, zum Christus, der die verletzte menschliche Seele trösten, retten, befreien und heilen will.

Der Schöpfer selbst ist in der Geburt Jesu Christi  die Brücke, die über den tiefen Graben zwischen ihm und seinen Geschöpfen führt. Und im Glauben an die Menschwerdung Gottes wird Versöhnung zwischen Schöpfer und Geschöpf gestiftet.

Die Schwäche des Kindes in der Krippe, seine Wehrlosigkeit und seine Bedürftigkeit, ist das Geheimnis der göttlichen Stärke, nämlich Neues zu erwarten und zu ermöglichen – menschliche Leidenschaft und zugleich kritische Vernunft, Weisheit und Besonnenheit, begründetes Vertrauen und persönliche Verantwortung vor Gott, dem Nächsten und der Mitwelt.

Und eine Geburtstagsfeier mit dem Geburtstagskind zieht Kreise, weil das Licht des Glaubens in der Dunkelheit nicht übersehen werden kann, sondern Menschen neu und froh macht.

Burkhard Budde

Veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt am 19.12.2020 in Ostwestfalen und Lippe