Moment mal
Eine Rose spricht
Von Burkhard Budde
Rosen haben versteckte Botschaften, die entdeckt werden können.
Eine Rose fasziniert und lässt das Herz höher schlagen. „Du bist liebenswürdig. Ich sehne mich nach deiner Nähe“, flüstert die Königin der Blumen, die – ob es dem Angesprochenen nun gerade passt oder nicht – eine Liebeserklärung macht und aufregende Gefühle anspricht.
Nur heiße Luft? Nicht mit Händen zu greifen? Nicht mit dem Kopf zu verstehen? Nicht einfach zu integrieren – in die kalte Welt der Angst und des Neides, in die heiße Welt des Hasses und der Feindseligkeit, in die lauwarme Welt der Gleichgültigkeit und Überheblichkeit, aber auch nicht in die Welt des Leidens und Sterbens?
Nur ein schönes Spiel? Um die vielen kleinen Spitzen zu überspielen – Bosheiten und Halbwahrheiten, heuchlerisches Getue, Eitelkeiten und Eifersüchteleien? Weil im Theaterspiel die explosive Mischung aus Sein und Schein gebändigt wird und leichter zu ertragen ist?
Die Rose jedoch lebt trotz allem im bunten Garten des Lebens, ohne schwärmerisch oder naiv zu werden: Als Liebende will sie zur Vernunft befreien, zur Erneuerung ermutigen und zum Miteinander versöhnen – mit ihren Wurzeln, die nicht sichtbar sind; mit ihren Dornen, die nicht verletzen; mit ihrem Duft, der nicht verführt; mit ihren Knospen, die nicht verschlossen bleiben, mit ihren Blüten, die nicht zerstört werden können. Vor allem mit ihrem Leben, dem nicht der Tod, sondern das Leben blüht, so dass Angesprochene nicht verblühen, sondern aufblühen, selbst lieben können.
„Es ist ein Ros entsprungen…“ Wo gibt es so eine Rose? Ist etwa ein „Blümelein“ in einem Menschen erfahrbar, der sich der Liebeserklärung Gottes anvertraut und seinem „Retter“ neues Leben zutraut?!
Die Geburt Jesu, die Geburt einer menschlichen und zugleich göttlichen Rose, wäre dann der Beginn eines göttlichen und zugleich menschlichen Abenteuers, das Spuren der Gottesliebe in der Nächstenliebe hinterlässt. Weil der liebende Gott als Geber allen Lebens in seiner Gabe gegenwärtig ist. Und neues Leben schenkt, indem sich Leidenschaft, Vertrauen und Verantwortung gegenseitig beflügeln. Und diese Liebe selbst durch Rosen sprechen kann.
Burkhard Budde
Veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 24.12.2020
A rose speaks
A rose fascinates and makes the heart beat faster. „You are kind. I long to be near you,“ whispers the queen of flowers, which – whether it suits the person addressed at the moment or not – makes a declaration of love and addresses exciting feelings.
Just hot air? Not to be grasped with hands? Not to be understood with the head? Not easy to integrate – into the cold world of fear and envy, into the hot world of hate and hostility, into the lukewarm world of indifference and arrogance, but also not into the world of suffering and dying?
Just a nice game? To cover up the many little peaks – malice and half-truths, hypocritical posturing, vanity and jealousy? Because in the play the explosive mixture of reality and appearance is tamed and easier to bear?
The rose, however, lives in spite of everything in the colorful garden of life, without becoming rapturous or naive: As a lover, she wants to liberate to reason, to encourage renewal and to reconcile to one another – with her roots that are not visible; with her thorns that do not hurt; with her fragrance that does not seduce; with her buds that do not remain closed, with her blossoms that cannot be destroyed. Above all, with their life, to which not death but life blossoms, so that those addressed do not fade, but blossom, can love themselves.
„A rose has sprung up…“ Where is there such a rose? Can a „little flower“ be experienced in a person who entrusts himself to God’s declaration of love and trusts new life to his „Savior“?!
The birth of Jesus, the birth of a human and at the same time divine rose, would then be the beginning of a divine and at the same time human adventure, which leaves traces of the love of God in the love of neighbor. Because the loving God is present in his gift as the giver of all life. And gives new life by mutually inspiring passion, trust and responsibility. And this love itself can speak through roses.
Burkhard Budde
Also published in the Westfalen-Blatt in Ostwestfalen and Lippe on 24.12.2020