Moment mal

Echo des Herzens

Gedeckter Tisch mit Kerze

Ein kleines Wort kann Türen öffnen. Es streichelt die Seele, entkrampft eine Beziehung und bewegt die Gefühle. „Danke“, flüstert das nied­liche Mäuschen in das Ohr des sturen Quer­kopfes. Der strahlt plötzlich über beide Ohren und gibt seinem Enkel­kind ein weiteres Stück Schokolade.

Allerdings wird das „Zauber­wort“ schnell ent­zaubert, wenn es nicht ehrlich gemeint ist oder mit Berech­nung daherkommt. „Der bedankt sich ja nur, damit ich weiter nach seiner Pfeife tanze“, spottet einer nach einem über­schwäng­lichen Dankeswort hinter vorge­haltener Hand.

Doch ein möglicher Miss­brauch des Wortes „Danke“ sollte nicht den rechten Gebrauch verhindern.

Denn vergessener Dank führt schnell in den leeren Raum eines kühlen Anspruchs­denkens, maßloser Forderungen und zu „Selbst­ver­ständlich­keiten“, die nicht selbst­ver­ständlich bleiben müssen. Dem­gegen­über öffnet ein Echo des dank­baren Herzens auf etwas Schönes, Gutes, Wahres, Hilf­reiches oder Über­raschendes die Tür zum Raum wachsenden Vertrauens einer Beziehung.

Undankbare Menschen machen sich das Leben selbst schwer, werden häufig einsam und verbittern immer mehr. Dankbare Menschen ohne schlechte Hinter­gedanken und ohne gleich­gültige Kopf­losigkeit jedoch geben sich selbst und anderen neuen Sauerstoff, der eine Beziehung belebt und bewegt.

Dankbare Köpfe, die mit dem Herzen denken, können sogar visionäre Weiter­denker sein:

Ist meine Lebens­zeit nicht einmalig? Jedoch stets gefährdet und vergänglich? Nicht einfach wieder­her­stellbar, vermehrbar oder einklagbar? Und deshalb so kostbar?

Ist meine Lebens­zeit nicht ein einzig­artiges Geschenk? Da ich mir das Leben nicht selbst gegeben habe? Meine Eltern, den Zeit­punkt, den Ort meiner Geburt nicht selbst ausge­sucht habe? Da ich seit meiner Geburt stets auf Unter­stützung anderer ange­wiesen bin und bleibe?

Und könnte es nicht sein, dass der Geber meiner Lebens­zeit mir aufgegeben hat, vor ihm und mit ihm, vor dem Nächsten und mit dem Nächsten mein Leben zu bedenken und zu durch­denken, den Um­gang mit der Gabe zu bea­nt­worten und zu ver­ant­worten – nicht leicht­sinnig, auch nicht panisch, aber in Vernunft und in Liebe, im verant­wort­lichen Einsatz persön­licher Freiheit und in gegen­seitiger Rück­sicht­nahme?

Und könnten diese Fragen nicht Klopf­zeichen an die Tür des Glaubens sein, die von innen her – vom Geist Gottes selbst – geöffnet wird, um in den Raum eines glück­lichen Lebens zu gelangen?

Burkhard Budde

(veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt am 24.10.2020 in Ostwestfalen und Lippe)

Wait a minute

Echo of the heart

Kaktus mit gelber Blüte

A small word can open doors. It caresses the soul, relaxes a relationship and moves the emotions. „Thank you,“ whispers the cute little mouse into the ear of the stubborn pigheaded man. He suddenly beams over both ears and gives his grandchild another piece of chocolate.

However, the „magic word“ is quickly disenchanted if it is not meant honestly or comes with calculation. „He only thanks me so that I can continue to dance to his tune,“ mocks one after an exuberant word of thanks behind his back.

But a possible misuse of the word „thank you“ should not prevent its proper use.

For forgotten thanks quickly lead into the empty space of a cool sense of entitlement, excessive demands and „self-evident things“ that do not have to remain self-evident. In contrast, an echo of the grateful heart for something beautiful, good, true, helpful or surprising opens the door to the space of growing trust in a relationship.

Ungrateful people make life difficult for themselves, often become lonely and embittered more and more. Thankful people without bad ulterior motives and without indifferent headaches, however, give themselves and others new oxygen, which enlivens and moves a relationship.

Grateful minds who think with the heart can even be visionary thinkers:

Isn’t my lifetime unique? Yet always endangered and fleeting? Not easily recoverable, reproducible or enforceable? And therefore so precious?

Is my lifetime not a unique gift? Because I have not given myself life? My parents, the time, the place of my birth not chosen by myself? Because since my birth I have always been and remain dependent on the support of others?

And could it not be that the giver of my lifetime has given me the task to think and think through my life before him and with him, before my neighbor and with my neighbor, to answer and take responsibility for the handling of the gift – not recklessly, not panicky, but in reason and in love, in responsible use of personal freedom and in mutual consideration?

And couldn’t these questions be knocking signs at the door of faith, which is opened from within – by the Spirit of God Himself – to enter the space of a happy life?

Burkhard Budde

(also published in the Westfalen-Blatt on 24.10.2020 in Ostwestfalen and Lippe)