Auf ein Wort
Dankbarkeit – Echo des Herzens
Von Burkhard Budde
Auf ein Wort
Dankbarkeit – Echo des Herzens
Einer schimpft: Viele Jahre lang habe er ehrenamtlich gearbeitet. Aber als er aus Altersgründen ausgeschieden sei, „gab es nicht einmal ein offizielles Dankeschön.“
Ein anderer versucht, ihn zu beruhigen: „Selbst als Berufstätiger, der sich verdient gemacht hat, bist du häufig nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst schnell vergessen – und zwar nach dem Motto „Aus dem Auge, aus dem Sinn“.“
„In der Politik“, ergänzt einer, der lange Zeit an Ideale wie Freundschaft und treue Gefolgschaft geglaubt hat, „darfst du mit einem dankbaren Verhalten nicht rechnen“. Er sei, nachdem er keinen Einfluss mehr auf die Vergabe von Listenplätzen, Posten und Ämtern gehabt habe, von vielen wie eine „heiße Kartoffel“ fallengelassen und links liegen gelassen worden. Von Dankbarkeit sei keine Spur übriggeblieben.
Ist Undank tatsächlich der Lohn der Welt? Bekommt man mehr Lohn, wenn man einen kühlen Kopf behält, rechnet und analysiert, aufrechnet und abrechnet, beurteilt und verurteilt. Mehr Lohn, wenn man seine Ellenbogen einsetzt und das Maskenspiel beherrscht, sich herzlos und unfair durchsetzt. Mehr Lohn, wenn man wenigstens sein gutes Recht und seine berechtigten Ansprüche in die Hand nimmt – als einen untertänigen Kammerdiener zu spielen, der seine Ansprüche nicht kennt oder gegenüber seiner Herrschaft nicht einfordert und am Ende noch als der Dumme dasteht.
Ist mein Lohn etwa die Undankbarkeit? Oder ist mein Lohn, dass ich allein dienen darf – ohne Anerkennung und Dank? Und ich eines Tages als Sündenbock in der Wüste lande?
Natürlich kann eine dankbare Grundhaltung missverstanden werden, wenn zum Beispiel der Dankbare sich verpflichtet und abhängig fühlt, eine bestimmte Leistung zu erbringen. Und Dankbarkeit wird missbraucht, wenn ein „cooler Dankbarer“ mit einem Lippenbekenntnis nicht ehrlich und aufrichtig dankt, sondern nur berechnend und kalkulierend – vielleicht eine wechselseitige Abhängigkeit anstrebt.
Dennoch ist ehrliche Dankbarkeit kein Luxusgut, das in ein Schaufenster gestellt wird, weil es als Lockartikel anlockt und ausstrahlt oder ein Zauberwort, das gebraucht wird, um ein weiteres Stück Schokolade zu erhalten. Sie überwindet vielmehr Gedankenlosigkeit und Gedankenfaulheit, auch schlechte Laune.
Ehrliche Dankbarkeit macht vielmehr als ein lohnendes Echo des Herzens auf unverdient Empfangenes eine innere Freiheit erlebbar, indem der Mensch bewusst und dankbar denkt: Nichts ist selbstverständlich. Wer hat sich selbst gezeugt, geschaffen und geboren? Wer kann Gesundheit, Liebe, Vertrauen einfordern und einklagen, herstellen und kaufen? Wer lebt ewig? Wer hat seine einmalige Lebenszeit in alleiniger Hand?
Und doch sollten diese und andere Lebensgeschenke nicht nur bewusst bedacht, sondern auch verantwortungsvoll durchdacht werden, gerade weil sie nicht selbstverständlich sind und jeder sie holterdiepolter verlieren kann.
Das ist nichts für unbewegliche und unzufriedene Betonköpfe, wohl aber für denkende und bewegliche Dankbare, die ihre persönliche Verantwortung vor Gott als dem Geber aller guten Gaben als Freiheit zur Liebe und zu guten Werken wahrnehmen: Die leichter abgeben, sogar vergeben können, um Neues zu empfangen. Die leichter Leistungen erkennen und Leistungsträger anerkennen können, sich über andere freuen und sie loben können, um ein Miteinander und Füreinander zu ermöglichen – um das pulsierende Leben trotz Jammerns, Unzufriedenheit und Gleichgültigkeit im Gleichgewicht und in Gang zu halten.
Burkhard Budde
Your content goes here. Edit or remove this text inline or in the module Content settings. You can also style every aspect of this content in the module Design settings and even apply custom CSS to this text in the module Advanced settings.