Kunstwerk von Marion Dollenberg, Wolfenbüttel

Kunstwerk von Marion Dollenberg, Wolfenbüttel

Moment mal

Bewegendes Spiel

Nur ein Spiel unter­schied­licher Haltungen? Ein Garten­zwerg – der nur gute oder schlechte Mit­spieler kennt, lebt in einer schein­bar heilen Welt. Rumpel­stilzchen – will unerkannt bleiben, aber nichts einge­stehen, verstehen und wissen. Herkules – der als helden­hafter Spiel­macher auf der Bühne erscheint, fordert zwar mehr Brot für alle, denkt aber nur an sein eigenes gefülltes Wein­glas. Eine Prima­donna – die unbedingt die Haupt­rolle haben will, spricht hinter den Kulissen verächt­lich über andere.

Verwundert fragt sich ein Zuschauer: Ist das nicht alles ein mieses Spiel?

Im wirklichen Leben, das mehr als Spielerei ist, gibt es zum Glück auch Mit­spieler, die über den Garten­zaun hinaus blicken können, die ihren Namen nicht ver­heim­lichen und Gesicht zeigen, die ver­suchen glaub­würdig zu sein.

Es gibt im Spiel des Lebens die Chance auf eine gemein­same Kultur:

  • Höflichkeit als Visitenkarte gehört dazu, damit eine Begeg­nung gelingt.
  • Freundlichkeit als Kitt, damit Wer­tschätzung erlebbar ist.
  • Gesprächsbereitschaft als Brücke, damit eine Beziehung erfahrbar ist.
  • Bereitschaft zur Empathie als Türöffner, damit Verstehen möglich wird.
  • Bereitschaft zur Fairness als Wegweiser, damit Wege zur Wahrheit gesucht werden.
  • Bereitschaft zur Verant­wortung als Schlüssel, damit der Raum zur Verstän­digung aufge­schlossen wird.
In diesem spannenden Spiel, in dem jeder Spieler mal Gewinner mal Verlierer sein kann, werden alle gebraucht, sind alle auf­einander ange­wiesen und alle mit­einander unter­wegs.

Und bequeme Schwarzweiß­malerei, lieb­gewor­denes Schub­fach­denken und denk­faule Gewohn­heiten können leichter über­wunden werden, wenn sich alle ihrer Geschöpf­lich­keit, Fehler­haftig­keit, Ver­letzlich­keit und End­lich­keit bewusst bleiben.

Die Energie des christlichen Glaubens kann Haltungen ver­ändern: Wer frei­willig vor dem leben­digen Gott auf die Knie geht, wird von seinem Geist der Liebe aufger­ichtet. Und kann vor Menschen aufrecht gehen – auf Augen­höhe, mit Rück­grat und mit dem Rücken­wind der liebenden Vernunft.

Burkhard Budde

(veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 12.9.2020)

Wait a minute

Moving game

Just a game of different attitudes? A garden gnome – who only knows good or bad players – lives in a seemingly intact world. Rumpelstiltskin – wants to remain unrecognized, but wants to admit, understand and know nothing. Hercules – who appears on stage as a heroic playmaker, demands more bread for everyone, but thinks only of his own filled wine glass. A prima donna – who absolutely wants to have the leading role, talks contemptuously about others behind the scenes.

In astonishment a spectator asks himself: Isn’t all this a lousy game?

In real life, which is more than just a game, there are fortunately also players who can look beyond the garden fence, who do not hide their name and show their face, who try to be credible.

In the game of life there is the chance of a common culture:

  • Politeness as a business card is part of it, so that an encounter is successful.
  • Friendliness as putty, so that appreciation can be experienced.
  • Willingness to talk as a bridge, so that a relationship can be experienced.
  • Willingness to empathy as a door opener, so that understanding becomes possible.
  • Readiness for fairness as a signpost, so that ways to the truth are sought.
  • Readiness for responsibility as a key, so that the space for understanding is opened up.

In this exciting game, in which every player can be a winner or a loser, everyone is needed, everyone depends on each other and everyone travels together.

And comfortable black-and-white painting, cherished drawer thinking and lazy habits can be overcome more easily if everyone remains aware of their creatureliness, flawedness, vulnerability and finiteness.

The energy of Christian faith can change attitudes: Whoever voluntarily kneels before the living God is lifted up by his Spirit of Love. And can walk upright before people – at eye level, with backbone and with the tailwind of loving reason. 

Burkhard Budde

(also published in the Westfalen-Blatt in East Westphalia and Lippe on 12.9.2020)