Moment mal

Abenteuer Urlaub

Von Burkhard Budde

Moment mal

Beglückender Urlaub

Abenteuer Urlaub: Wie war‘s denn im Urlaub?

Manche berichten begeistert von den einzigartigen Schönheiten ihres fernen Ferienparadieses sowie von faszinierenden Festen und der Gastfreundschaft der Einheimischen.

Andere erzählen mit leuchtenden Augen vom Urlaub in einer fremden Stadt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, unverwechselbarem Flair und verborgenen Kulturen.

Wieder andere schildern eine nahezu unberührte Natur- und Bergwelt, in der sie gewandert sind, und schwärmen von einem atemberaubenden Gipfelpanorama, das ihre Augen streichelte und ihre Seele verzauberte.

Ein weiterer Urlaubsrückkehrer nimmt kein Blatt vor den Mund. Er benötigte in seiner Hotelwelt nur ein Bett zum Ausschlafen, einen Liegestuhl am Swimmingpool zum Entspannen und eine Buffettheke mit kühlen Getränken zum Genießen. Flüchtige Begegnungen mit dem Gefühl der Eroberung seien für ihn Erfolgserlebnisse gewesen.

Und wie sah das Strandleben eines gesättigten Urlaubshungrigen aus? Im Strandkorb und auf einem Badetuch konnte er zur Ruhe und zur Besinnung kommen, abschalten und faulenzen sowie frische Kräfte sammeln. Hat er etwas Besonderes erlebt? „Am Strand“, antwortet er mit vielsagenden Augen, „sind alle gleich, ob Habenichtse oder Millionäre, ob mächtig, angesehen oder einflusslos, unauffällig“. Allerdings inszenierten sich viele irgendwie. Die Ordnung am Strand, das Anrecht auf ein Fleckchen Strand, werde penibel eingehalten. Zum Glück könne es keinen Streit um Sonne, Luft und Meer geben, schmunzelt er, da die Besitzverhältnisse dieser Güter ja eindeutig seien.

Einer, der im Urlaub – aus finanziellen, gesundheitlichen oder anderen Gründen – zu Hause geblieben ist, hat dennoch Ferienerfahrungen gesammelt. Er kann zwar nichts von ungebetenen Gästen wie die Riesenheuschrecke im Hotelzimmer erzählen, nichts von unerwünschten Gefühlen wie Stress, der bei Staus oder Warteschlagen  entsteht, nichts vom inneren Zwang, Sehenswürdigkeiten abzuhaken, um Leistungsbeweise zu erbringen.

Wohl aber von der Freiheit, wie er am heimischen Herd zu sich selbst gefunden hat, ohne vor dem Vertrauten, Gewohnten, Sicheren einfach weggelaufen zu sein. Wie das?! Vielleicht durch das Lesen eines inspirierenden Buches. Oder durch einen Ausflug in ein nahegelegenes Erholungsgebiet.

Überall – in der Ferne oder in der Nähe – kann die Freiheit, eine Auszeit zu nehmen, bereichern, erneuern und beglücken, wenn sie bewusst und intensiv wahrgenommen wird – ganz im Sinne Goethes „Nur wo du zu Fuß warst, bist du wirklich gewesen.“ Und ganz im Sinne des Schöpfers, wenn es wie Schuppen von den Augen fällt: Der Urlaub ist ein Abbild für das zugleich offene und begrenzte Leben, das Gott schenkt. Und das Leben ist zu kurz, um es nicht auch im nächsten Urlaub mit Sinn zu füllen und mit Lebensfreude zu genießen.

Burkhard Budde

Veröffentlicht auch im Westfalen-Blatt in Ostwestfalen und Lippe am 20. August 2022

in der Kolumne „Moment mal“