Auf ein Wort

„Suche einen Menschen…

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

„Suche einen Menschen… 

und keinen Pflegeroboter“, sagt ein alter Mann zu seinem Arzt. Ein Roboter sei zwar zuverlässig und stehe überall und zu jeder Zeit zur Verfügung. Die Maschine sei außerdem

relativ kostengünstig und könne bestimmte Standard- und Serviceleistungen erbringen. Aber sie könne keine kompetente und empathische Pflegekraft ersetzen, keinen engagierten und vertrauenswürdigen Menschen, der auf Augenhöhe und im gegenseitigen Respekt eine Vertrauensbeziehung anstrebe und individuelle Pflegeleistungen erbringe.

Ein gut programmierter Roboter wirkt vielleicht wie ein Mensch, bereichert das Leben eines Menschen, lächelt und spricht wie ein Mensch, signalisiert Verständnis wie ein Mensch, hält die Hand eines Menschen. Aber er erreicht trotz schönster Maske nicht die verborgenen Tiefen der Seele eines Menschen, seine geheimen Träume und Sehnsüchte, sein innerstes Leiden an fehlender Anerkennung und Wertschätzung, seine Irrtümer und Wirrungen, seine quälenden Gedanken von Schuld und Ohnmacht.

Die auf „Humanität“ getrimmte Maschine kann ein lustiger Freizeitgestalter zum „Schmunzeln“ oder gar zum „Verlieben“ sein. Aber erlebt ein Roboter selbst Reue, Selbstkritik, Selbstkorrektur, Vergebung, Versöhnung? Spricht er mit dem Herzen, wenn er seine Liebe beteuert? Hat er ein schlagendes Herz, das bedingungslos liebt, indem es Gnade vor Recht möglich macht, wenn ein realer Mensch seinen letzten Weg geht? Ein Roboter mag stark in der Analyse sein, Auskunft und Erklärungen geben können, aber Reflexion über das eigene Verhalten sowie selbstständige Herzensbildung sucht man vergebens. Und menschliche Entscheidungen wird ein Roboter dem Menschen nicht abnehmen können. Er kann bei der Suche nach Lösungen helfen, sie aber nicht treffen.

Wenn ein Roboter kein Mensch ist, dann sollte auch ein Mensch nicht versuchen, zu einer seelenlosen Maschine zu werden – nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ und gleichgültig seinen Kopf in den Sand stecken. Oder sich mit vollmundigen Ausreden hinter seinen Genen verstecken, seiner Erziehung oder Geschichte, seiner Umwelt, bestimmten Institutionen oder Personen. Um nur nicht selbst Denken, nicht seine persönliche Verantwortung wahrnehmen zu müssen.

Auch einem Menschen, der einen eiskalten Roboter mit menschlichem Gesicht spielt und über Leichen geht, weil er nur sich selbst liebt, muss mit aller aufgeklärten Vernunft der Spiegel der Verantwortung vorgehalten werden und mit allen rechtsstaatlichen und wirksamen Mitteln das Handwerk gelegt werden.

Kein Mensch muss zu einem Roboter werden und die Suche nach einem Mitmenschen aufgeben, weil alles Irdische mit dem unverfügbaren und freien Ganzen auf geheimnisvolle Weise verbunden bleibt. Und der Glaube an den lebendigen und souveränen Gott, der selbst Mensch und nicht Roboter geworden ist, muss nicht verloren gehen. Jeder Mensch kann sich zu einer unterscheidungs- und urteilsfähigen Person entwickeln, die frei ist, die Hilfe einer Maschine, die ihm dient, in Anspruch zu nehmen. Und sich als mündige Person nicht von einem wie auch immer programmierten und wirkenden Roboter oder einem Macht- und Maskenmenschen, der wie ein Roboter ohne Herz handelt, bevormunden lässt.

Burkhard Budde