Sehnsucht nach Freiheit

Vortrag von Reza Asghari über den Iran

Von Burkhard Budde

Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung

Prof. Dr. Reza Asghari in Bad Harzburg zum Thema „Iran“

Reza Asghari, der seit 2025 den Wahlkreis Salzgitter-Wolfenbüttel sowie einen Teil der Harzregion im Deutschen Bundestag vertritt, ist wegen seiner Lebensgeschichte, seiner Herkunft aus dem Iran, seiner politischen Erfahrung sowie seiner fachlichen Expertise ein gefragter Ansprechpartner vieler überregionaler Medien.

Trotz seiner vielen Termine konnte der Harzburger Geschichtsverein ihn am Pfingstmontag gewinnen, einem Vortrag in der Wandelhalle von Bad Harzburg zum Thema „Iran“ zu halten.

Der Professor für Innovation und Unternehmertum („Entrepreneurship“) an der Technischen Universität Braunschweig und der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften mit dem Hauptstandort Wolfenbüttel sprach zunächst über seine spannende und außergewöhnliche Biografie:

Reza Asghari ist 1961 in Isfahan im Iran geboren. Er ist ein Kind der iranischen Revolution von 1979, die das Königreich Iran mit Schah Reza Pahlavi an der Spitze beendete und die Islamische Republik Iran mit dem religiösen Führer Khomeini errichtete. Mit 17 Jahren hatte Reza Asghari die Illusion, dass nach dem Schah-System der „Himmel auf Erden“ kommen würde. Das Gegenteil war der Fall: „Die neuen Machthaber waren noch viel schlimmer“, berichtete der erste Migrant im Deutschen Bundestag, der selbst politische Haft sowie Folter im Iran erlebt hat. Im August 1983 war er verhaftet worden, nachdem er als Student des Studiums der Ingenieurswissenschaften wegen kritischer Äußerungen zwangsexmatrikuliert worden war. !986 wurde er aus der Haft entlassen; 1987 gelang ihm die Flucht aus dem Iran.

Reza Asghari ist dankbar dafür, in Deutschland eine neue Heimat gefunden zu haben. Und Niedersachsen kann sich freuen, in ihm ab etwa 2000 einen frühen, kompetenten und engagierten Vertreter der Digitalisierung und der elektronischen Verwaltung für Kommunen („E-Government“) zu haben.

Heute sitzt der CDU-Politiker in zwei Ausschüssen des Bundestages – der „Herzkammer der deutschen Demokratie“ -,  die genau zu seinem fachlichen Profil passen, im Forschungsausschuss sowie im Umwelt- und Technologieausschuss.

Vor allem aber ist Reza Asghari dankbar, in einem freien Land leben zu dürfen. Anders sieht es im Iran aus: Im Januar 2026 gab es dort eine landesweite Protestwelle gegen das Mullah- System. Über 30 000 Menschen sollen in wenigen Tagen ermordet worden sein, schildert der sichtlich betroffene Asghari. „Auch Verwundete, die ein Krankenhaus aufgesucht haben, sowie Krankenschwestern, die helfen wollten, wurden getötet.“ „Gibt es ein Regime, das das eigene Volk so umbringen lässt?“ fragte der Deutsch-Iraner.

Besonders brutal und fanatisch sind für Asghari die Islamischen Revolutionsgarden, die parallel zur regulären iranischen Armee existieren, und auch mit Hilfe ihrer Geheimdienste Demokratie- und Freiheitsbestrebungen verfolgen, unterdrücken, bekämpfen und eine „Politik der verbrannten Erde“ betreiben. Sie kennen keine Meinungs- und Religionsfreiheit, keinen Schutz von Minderheiten wie Homosexuelle oder religiös Andersdenkende und wollen darüber hinaus den Staat Israel vernichten. Weltweite Anschläge auf jüdische Einrichtungen und Personen seien Ausdruck eines systematischen Antisemitismus.

Im freien Westen sollten die Politiker die Bedingungen des iranischen Regimes nicht einfach akzeptieren, sondern dem Regime „die Stirn zeigen“ – im Blick auf die Menschenrechte, aber auch auf die Straße von Hormus sowie auf das Atom- und Raketenprogramm. Das liege auch im europäischen Interesse.

Die große Mehrheit der iranischen Bevölkerung wolle die Trennung von Staat und Islam, um vom Joch der Mullahs befreit zu werden. Die mutigen Frauen, die seit 2022 im Iran ihre Kopftücher öffentlich verbrannt haben und zur „Woman, Life, Freedom“- Protestbewegung gehören, sind zwar häufig verhaftet, verletzt oder getötet worden oder haben das Land verlassen; sie seien aber auch ein ermutigendes Zeichen der Emanzipation von Frauen und einer beginnenden Säkularisierung im Land.

Doch Fragen bleiben, die wohl erst mit der Zeit beantwortet werden können: Wird die Schwelle der Angst vor korrupten Mullahs und menschenverachtenden Revolutionsgarden in Teilen der Bevölkerung gesenkt? Werden Terror und Gewalt der Herrschenden triumphieren? Oder wird sich politische Apathie verbreiten, auch aus Angst vor Chaos und politischer Instabilität?

Eins jedoch wird keine Gewaltherrschaft zerstören können: Die Sehnsucht nach Freiheit in einem – auch äußerlich unterdrückten – Menschen; die Sehnsucht, in Würde und Selbstbestimmung leben zu können.

Burkhard Budde