Auf ein Wort

Sehnsucht nach gutem Geist

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Sehnsucht nach gutem Geist

Die Sehnsucht nach einem „guten Geist“ breitet sich aus. Viele Menschen suchen Halt in der Orientierungslosigkeit, Wärme in der Kälte der Zeit. Ist der gute Geist eines gerechten Friedens und der selbstbestimmten Freiheit, der Liebe und Erneuerung verschwunden oder vertrieben, schläft oder träumt er? Verbirgt er sich etwa hinter der Maske religiöser oder moralisierender Phantastereien? Hat er nach vielen vergeblichen Versuchen keine Kraft mehr, tragfähige Brücken über tiefe Gräben zu bauen – zwischen netten Menschen, die jedoch wegen ihrer Konflikte nicht miteinander sprechen, sich lieber hinter vorgehaltener Hand schlecht machen und bekämpfen oder wie Luft behandeln? Aber auch zwischen Kriegsparteien oder politischen Gegnern, die keine nachhaltigen Kompromisse finden, neues Vertrauen, Verstehen, neue Verständigung aufbauen können und wollen, ohne naiv über den Tisch gezogen zu werden?

Kann der gute Geist aus seinem Dornröschenschlaf hinter der dornigen Hecke der Vorurteile, Feindbilder und Ängste wachgeküsst werden? Hat er überhaupt eine reale Chance angesichts der vielen „unguten Geister“ in einem Menschen und um ihn herum?

Zum Beispiel gegenüber dem Geist des Hochmutes, der totalitär und autoritär denkt, durch ein abgehobenes Überlegenheitsgefühl geprägt ist und menschliche Unnahbarkeit und soziale Kälte verbreitet. Und der die Meinungsfreiheit des Andersdenkenden nur dann toleriert, wenn sie seiner Meinung entspricht.

Oder gegenüber dem Geist des Neides, dem eifersüchtigen und missgünstigen „Ehr-Geiz“, der stets vergleicht und um jeden Preis das haben oder sein will, was er nicht hat oder ist, und dadurch zum Bremsklotz für die Leistungen anderer wird, vor allem das soziale und menschliche Klima sowie seine eigene Seele vergiftet.

Gegenüber dem Geist der Verlogenheit, der sich als harmlose Friedenstaube tarnt, aber als gehässige Giftspritzerin sowie mit Doppelmoral unterwegs ist, indem er gegen Etikettierungen von Menschen kämpft, selbst aber unsichtbare Etiketten an die Köpfe Andersdenkender heftet und diese dämonisiert und ausgrenzt.

Oder dem Geist der Gleichgültigkeit, der selbstgefällig und selbstverliebt ist, seine Augen vor der komplexen Wirklichkeit verschließt, gerne unbeweglich bleibt, sich lieber vor seiner eigenen Verantwortung drückt und seine Hände in Unschuld wäscht, wobei er vergisst, dass sein Schweigen und Wegsehen eine Einladung zur Wiederholung von Bosheiten darstellt.

Zu Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes sowie dem Fest der Kirche, hoffen Christen auf den langen Atem Gottes, der mit seiner Schöpfung und seinen Geschöpfen „trotz allem“ verbunden bleibt, der wie ein „gewaltiger Sturm“ (vergl. Apg 2,1-4) oder auch wie ein frischer Wind wirkt, der sich nicht festhalten, einsperren oder vertreiben lässt. Der alle Geister mit Hilfe des guten Geistes der Liebe Christi und der unterscheidenden Vernunft prüft (vgl. 1.Thess 5,21): In der verfassten Kirche, die zu keinem „geistlosen“ Verwaltungsraum, zu keiner Verwaltungskirche ohne Christen, werden soll; die durch den unguten Geist der bürokratische Überreglementierung lebendige Gemeinden bedroht, entmündigt und Ehrenamtliche in die Flucht schlägt. Der jedoch Strukturen beweglicher und gemeindefreundlicher machen, vor allem Menschen neu be-geistern kann, ihnen Mut und Zuversicht schenkt. Der aber auch als guter Geist außerhalb der Kirche wirken kann und will, indem er die Erkenntnis, was gut und richtig ist, sowie die Einsicht in die Notwendigkeit gemeinsamer Verantwortung für ein friedliches Leben in Würde und Freiheit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe stärkt.

Und der eine Rundumerneuerung jedes einzelnen Menschen anbietet, die mit der Bitte um den guten Geist Gottes beginnt: „Komm, heiliger Geist, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, erbarme dich unser“.                                                                       

Burkhard Budde