Auf ein Wort
Erlebnisse in einem Krankenhaus
Von Burkhard Budde
Auf ein Wort
Erlebnisse in einem Krankenhaus
Rolf hat in seiner Not keine strenge Schwester „Rabiata“, die wenig Geduld hat, schnell laut wird und immer Recht hat, kennengelernt. Auch ist ihm kein unnahbarer „Halbgott in Weiß“, der fast allwissend und unfehlbar wirkt oder wirken will, begegnet.
Wohl aber erlebt Rolf, der wie aus heiterem Himmel in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, qualifizierte, kompetente und engagierte Ärzte sowie Pflegekräfte, die es jedoch (fast) alle häufig eilig haben, ruhelos von Zimmer zu Zimmer hasten und Stress verbreiten.
Doch Rolf, der kraftlos ist, Hilfe braucht, seine persönliche Krise, die sein Selbstwertgefühl in Frage stellt, nicht ausgesucht oder sich gewünscht hat, schweigt lieber und fügt sich der „Organisation“, indem er ihr einen Vorschuss an Vertrauen schenkt. Denn er versucht, das Beste aus seinem „Mist“ zu machen, um perspektivisch wieder gesund zu werden.
Überhaupt ist er – im Bett liegend und die unbekannte Welt gleichsam von unten betrachtend – äußerst empfindsam, sogar empfindlich (geworden), jedenfalls mehr als im normalen Alltag. Und er hört schon mal autoritäre Flöhe husten, nimmt persönliche Verletzungen und Ungerechtigkeiten wahr, obgleich sein Kopf ihm sagt, dass er sich irren kann, er nicht der einzige Patient im Krankenhaus ist und eine funktionierende und effektive Organisation „für alle“ ihren Preis hat.
Doch Rolf, der seinen Kopf nicht bei der Krankenhausaufnahme abgegeben hat, lernt im Laufe der Zeit dazu: Zum Beispiel schreibt er sich seine Fragen auf, um im hektischen Stress keine Frage zu vergessen, und er versucht, trotz allem irgendwie auf Augenhöhe zu kommunizieren, obwohl er als Leidender (lat. Patient) von den Helfenden abhängig, ja ihnen ausgeliefert ist, da es stets ein spürbares Gefälle zwischen Helfer und Hilfesuchenden gibt.
Das verdeutlicht ihm auch das Verhalten einer jungen an sich charmanten Krankenschwester, die einem älteren Mitpatienten auf seinem Zimmer, der viele Jahre Arzt gewesen ist und an seinem Verband „arbeitet“: „Lassen sie das. Hier sind sie Patient wie alle anderen auch; kein Herr Doktor!“, rüffelt sie ihn unmissverständlich und zeigt mit ihrem Finger auf den verunsicherten „Leidenden“, der sprachlos geworden ist. Und schmunzelt.
Rolf und sein Mitpatient jedenfalls bleiben dankbar, dass es für sie eine „passende“ humane Zufluchtsstätte mit Spitzenmedizin, Technik und Pflege, vor allem mit Perspektiven auf Genesung gibt:
Einen Ort mit Mitarbeitern, die menschlich bleiben, wie die Krankenschwester, die ihnen ein Lächeln sowie ein gutes Wort schenkt und mit Fingerspitzengefühl ihren Dienst nach bestem Wissen und Gewissen, vor allem mit Herz, leistet.
Einen Ort mit Ärzten, in deren Hände sie sich trotz Zeit-, Kosten-, Arbeits- und Organisationsdruck vertrauensvoll begeben können, weil sie offensichtlich nicht nur ihre Expertise und ihr Handwerk beherrschen, sondern auch Empathie haben, den einzelnen Patienten zu verstehen versuchen und als Wegbegleiter mit ihm ein Stück des Weges durch das Tal des Leidens gehen. Und ihm auch dann noch zur Seite stehen, wenn die Meinungen zwischen Profis und Laien auseinandergehen.
Ein Ort, an dem medizinische und pflegerische Hände sowie fleißige Servicekräfte und Ehrenamtliche ihr Ohr einem Patienten mit seinen Fragen und Zweifeln, Ängsten und Hoffnungen leihen – so wie sie es selbst erwarten würden, wenn sie auf umfassende Hilfe im Krankenhaus angewiesen wären.
Burkhard Budde