Auf ein Wort

Neues im Alten?

Von Burkhard Budde

Auf ein Wort

Neues im Alten? 

Die Welt hat sich dramatisch verändert. Viele Menschen sind verunsichert und sehnen sich nach Halt und Orientierung. Auch im eigenen Lebensbereich kann die Sehnsucht nach Stabilität, Sicherheit und Zuverlässigkeit groß sein.

Wie ist es jedoch möglich, der Angst zu begegnen und nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren?

Hilft ein Spruch, der wie ein überraschender Paukenschlag wirken will, um Menschen wachzurütteln, leider aber nicht unter die Haut geht, weil Ohren verschlossen bleiben? Oder hilft eine harmonische Melodie, die von einer bekannten Platte gespielt wird, der aber auch durch ständige Wiederholungen nicht geglaubt wird?

Die neue Jahreslosung 2026 jedenfalls will den Status quo, zu dem eine Jammer- und Angstkultur gehört, überwinden und eine Rundumerneuerung des Alten einleiten: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)

Die göttliche Mitteilung will provozieren; sie ist kein harmloser Kalenderspruch. Sie verlangt von keinem Hörer nach dem Motto „Vogel friss oder stirb“ blind oder naiv zuzustimmen. Sie weist weder auf einen Bauplan noch auf einen Fahrplan der Erneuerung hin. Sie will vielmehr die verhüllte alte Welt im Lichte einer von Gott enthüllten neuen Welt aufdecken, die noch nicht da, aber schon im Kommen ist.

Alle sind in ihrer Not angesprochen: Kranke Menschen beispielsweise, die auf Genesung hoffen; traurige Menschen, die Trost suchen¸ streitende Menschen, die um Lösungen ringen. Und kein Hörer des biblischen Leitwortes muss Angst haben, dass zugleich mit einem unsichtbaren Holzhammer das Schöne, Wahre, Gute, Bewährte zum Beispiel in der Kunst, Musik, Religion oder auch in der Liebe zerstört wird.

Alles wird enthüllt; insbesondere jedoch ein anmaßender Herrscherkult, der göttliche Verehrung verlangt, blendet, verführt und spaltet, Angst und Schrecken verbreitet sowie die Königsherrschaft Gottes – das letzte Wort Gottes – in Frage stellt.

Es gibt eine Sehhilfe: „Siehe!“ Wer seine Augen und Ohren öffnet, durchschaut und entlarvt die unstillbare Gier und den imperialen Größenwahn, den Missbrauch der Freiheit und die Maske der Heuchelei. Und entdeckt die menschlichen Ruinen hinter den glänzenden Kulissen der Macht sowie die schuldbehafteten Verführer auf offener Bühne – sogar auf der kleinen Bühne des eigenen Lebens.

Aber es gibt eine göttliche Perspektive: „Ich mache alles neu.“ Gott –  der kritische Maßstab aller irdischen Mächte – verspricht, die Leidenden nicht zu vergessen, sondern in ihrem Leiden gegenwärtig zu sein. Er verheißt die Initiative bei der Neuschöpfung zu ergreifen – nicht um das Alte durch Neues zu ersetzen, wohl aber das Alte schon jetzt zu verwandeln, um alles ins Licht seiner Wahrheit zu führen.

Und es gibt eine menschliche Mitverantwortung: Der Schöpfer braucht seine Geschöpfe, die nicht die Hände in den Schoß legen, sondern an der Erneuerung seiner Schöpfung teilnehmen sollen. Seine Geschöpfe sind als seine Ebenbilder nicht nur mit einer unantastbaren Würde beschenkt worden, sondern leben auch in einer unverlierbaren Verbindung zu ihrem Schöpfer – tragen ihm gegenüber eine eigene Verantwortung.

Dieses Wort ist kein leeres Versprechen, sondern eine reale Verheißung, dass das Reich Gottes kommt, wo der Geist Christi herrscht – der schöpferische Geist der Liebe in Vernunft und der Freiheit in Verantwortung. Jeder kann helfen, die Welt mit ihren Irrungen und Wirrungen zu verändern, und dabei mit Gottes Wirken rechnen.

Burkhard Budde