Auf ein Wort
Sich auf Weihnchten freuen?
Von Burkhard Budde
Auf ein Wort
Sich auf Weihnachten freuen?
Kann in der Finsternis der Welt Freude aufkommen?
Viele freuen sich auf das Weihnachtsfest: Schließlich wird die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit gestillt. Endlich kommt die Familie wieder zusammen. Und feiert ein gut vorbereitetes Fest in einer besonderen Atmosphäre – mit geschmückter Tanne und einem üppigen Festmahl; mit leuchtenden Kinderaugen und wertvollen Geschenken; mit vertrauten Melodien und vielen Lichtern. Überhaupt werden eigene Kindheitserinnerungen an die „gute alte Zeit“ geweckt. Schließlich und endlich braucht die liebe Seele doch auch einen emotionalen Gegenpol zum Alltag, der eine Gänsehaut auslösen, das Herz berühren und liebe Personen wieder ins Gespräch und zum Lachen bringen kann.
Ein Leben ohne das Weihnachtsfest wäre in der Tat wie ein Leben ohne Auszeiten und ohne Höhepunkte, ohne (Vor-) Freude). Die Tretmühle des Alltags, eine gähnende Langeweile ohne Austausch und Überraschungen, aber auch die Tretminen wie Hass und Gewalt, üble Nachreden und Bosheiten sowie Krisen nähmen dem Leben auf Dauer die Luft zum Atmen.
Weihnachten kann jedoch auch eine große Familienparty sein, die manchmal wegen zu hoher Erwartungen und unterdrückter Konflikte oder auch wegen eines übertriebenen Gefühlskitsches misslingt und enttäuscht. Aus einem Fest der Liebe wird dann schnell ein Fest des Streites oder der Heuchelei; einer Familie wird ein Spiegel vorgehalten, der in viele Teile zerbricht, wobei jede Feier einen eigenen Charme und eine persönliche Note hat, aber eben auch ein spezifisches und gewachsenes Konflikt- und Spannungspotential.
Allerdings wird Weihnachten zu einer faszinierenden Perle in einer dekorativen Ringfassung, wenn die religiösen Wurzeln nicht vergessen werden. Wenn sich Teilnehmer der Feier auf die Suche nach dem Grund und den Wurzeln der Feier begeben, verlassen sie die Feier auch nicht ohne Sinnerfahrungen. Sie erleben einen grundlegenden und sinnstiftenden Tiefgang für ihren Alltag.
Dabei kann zum Beispiel helfen, die biblische Weihnachtsgeschichte in der Familie vorzulesen und zu bedenken. Oder ein gemeinsamer Gottesdienstbesuch, der die Augen für das Geburtstagskind öffnen kann.
Das Geburtstagskind Jesus – die einzigartige Perle des Festes, – wird zum Geburtshelfer neuer Gewissheiten: Gott ist kein Gegenstand, sondern ein lebendiger Gott mit Herz, der dem ihm Vertrauenden begegnet – auch in sozialer Armut und Konflikten, menschlicher Hilflosigkeit und Ohnmacht sowie in religiöser Heimatlosigkeit und allen Ängsten. Ein Mensch muss nicht länger Gott oder den Erlöser in eigener Sache spielen, sondern er kann vor und mit der Hilfe seines liebenden Schöpfers, der in Jesus Mensch geworden ist, Mensch bleiben und das Unmenschliche bekämpfen lernen.
Dieser Gott grüßt mit seiner Botschaft in Wort und Tat auch den, der seinen Gruß ignoriert, nicht zurückgrüßt oder ihm hochmütig den Gruß zu verbieten und ihn aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen versucht. Aber wer die Tür seines Herzens öffnet, ob er nun dickhäutig oder dünnhäutig, gleichgültig oder überheblich ist, wird in dem wehrlosen und bedürftigen Kind in der Krippe den Gott erleben, der Licht in jede Finsternis bringt. Dem Vertrauenden fallen dann Steine vom Herzen, wenn der Geist Gottes in sein Herz eingezogen ist; er selbst wird in seiner Finsternis zum befreiten und freien Menschenfreund, der geschenkte Liebe in Vernunft und Verantwortung weitergibt und tiefe Lebensfreude verbreitet.
Burkhard Budde
Veröffentlicht u.a. am 3.12. 2025 in der Goslarschen Zeitung; am 21. 12. 2025 im Wolfenbütteler Schaufenster.